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BASTIAN BAKER
Geschrieben von Sandra-Bettina Müller   
Donnerstag, 31. Januar 2013
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«MÄNNER DÜRFEN WEINEN»

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Der Westschweizer ist der neue Teenieschwarm. Auch seine älteren Fans überzeugt er mit seiner Musik. Letztes Jahr wurde er mit einem Auftritt am «Montreux Jazz Festival» geehrt. Dieser erschien nun noch sogar auf DVD, was BAKER nun noch weiter Richtung Pop-Olymp hievt.

Eigentlich wollte die TREND-MAGAZIN-Journalistin den Künstler gleich heiraten. Die Einladung zu einem Interview konnte sie nicht ausschlagen. Den Heiratsantrag kann man ja nebenbei machen … Oder nach dem anschliessenden Konzert. Doch wenn man sich ernsthaft mit BASTIAN BAKER unterhält, merkt man schnell, dass hinter dem schönen Gesicht viel mehr steckt, er ungeachtet seines jungen Alters schon sehr reif ist und den Platz seiner Liebe, ja seiner Leidenschaft, die Musik eingenommen hat.

Die Zeit für das Interview war etwas knapp bemessen und die Tatsache, dass unsere Repräsentantin ihre inzwischen fast traditionellen zehn Minuten zu spät kam (sie musste wohl noch die falschen Wimpern ankleben und die Haare bügeln), half da auch nicht gross weiter. BAKER war sehr gesprächig und überaus sympathisch. Man könnte mit ihm wohl einen ganzen Tag verbringen, ohne dass Langeweile aufkäme. Sein Englisch ist nahezu perfekt, sein Deutsch etwas, nun ja, ausbaufähig (aber äusserst charmant, «meine Daddy kommt aus Züri») und sein Französisch jedenfalls für uns unverständlich. Geboren als BASTIEN KALTENBACHER, erzählt BAKER über seine doch noch junge Karriere als Musiker, seine kurze Karriere als Eishockeyprofi, seine Wurzeln (er hat in einem Chor gesungen!), seine Verbindung zu «Montreux» und wie es ist, auf der Bühne zu stehen. Er erklärt auch lang und breit, wie Eishockey riecht. Ja, richtig gelesen, wie es riecht, genauer gesagt wie das Eis riecht. (Wobei hier die Schreibende eher an die Kabine der Spieler denkt, wie diese nach dem Match «riecht»). Eishockeyspielen als solches vermisse er nicht unbedingt, er vermisse aber das Feeling. Ihm habe die Zeit als Sportler viel beigebracht, unter anderem, dass man für Erfolg kämpfen muss. Man könne nicht immer gewinnen und man müsse auch nach einer Niederlage wieder aufstehen und da raus gehen. «Dieses Gefühl versuche ich auch den Bandmitgliedern zu vermitteln», fügt er hinzu.
Auf die Frage, warum er den Geburtsnamen nicht beibehalten habe und ob er sich denn untreu geworden sei, antwortet er: «Überhaupt nicht. Zu Hause bin ich immer noch BASTIEN KALTENBACHER, ich räume noch immer den Tisch ab nach dem Essen und wasche das Geschirr. Auf der Bühne bin ich BASTIAN BAKER. Zwei Namen, zwei Leben.» BAKER übrigens sei eine Ableitung von «Kaltenbaker», denn so werde sein Name in den englischsprachigen Breitengraden ausgesprochen.

Sein aktuelles Werk
oder «meine Platte», wie er es nennt, heisst «Tomorrow May Not Be Better». Geschrieben hat er alle Songs selber im beeindruckenden Alter zwischen 15 und 19 Jahren. Seine Texte sind überraschend tiefgründig und man fragt sich manchmal schon, woher ein Teenager diese Erfahrung, diese Tiefe hernimmt. Einige Texte handeln von Tränen und Schmerz, wir fragen: «Do you cry often? Are men allowed to cry?» BAKER grinst, baut sich auf und richtet seine Schultern. «Ich bin ein Mann, Männer weinen nicht. Als Hockeyspieler darfst du noch viel weniger Schmerz zeigen. Wir sind stark!» Irgendwie nimmt man ihm nicht so recht ab, dass er mit Stock und Montur einem Puck nachgejagt haben soll, aber wie auch immer. «Ich weine nicht, jedenfalls keine Tränen, aber ich fühle es oft innerlich. Ich fühle den Schmerz, und darüber zu schreiben befreit mich. Und ja, ich finde auch, Männern ist es erlaubt, zu weinen.»

Im Moment arbeitet BAKER an seinem zweiten Album, das im Herbst 2013 kommen soll. Mit Erscheinung dieser Ausgabe befindet er sich zeitgleich in London, um Aufnahmen zu machen. Fans können sich in der Zwischenzeit mit seiner DVD zum Liveauftritt vom Montreux Jazz Festival 2012 ablenken. Auf diese ist BAKER richtig stolz. Für ihn sei es eine riesengrosse Ehre gewesen, am «Jazz Festival» zu spielen. Er sei schon als Knirps an unzähligen Konzerten in Montreux gewesen, und plötzlich stehe er auf der anderen Seite der Bühne. «Einfach wundergeil!»

Live-DVD: «BASTIAN BAKER plays Montreux
Jazz Festival»
(Phonag)
Album: «Noël’s Room», zusammen mit STRESS,
NOAH VERAGUTH und M.A.M.
(Universal)
www.bastianbaker.com

 
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