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Geschrieben von Corinne Sutter   
Freitag, 03. April 2009
GEZÄHMT?

Der unbequeme Bündner fährt nach seinen Hiphop-Sachen, dem OBK-Ausflug und dem literarischen Bucher-&-Schmid-Werk neuerdings auf der Popschiene. Er singt. Und es ist ihm ernst damit, wie er im Interview erzählt.

gimma_1583.jpgTREND MAGAZIN: Du singst ja neuerdings. Nimmst du Gesangsunterricht? – GIMMA: Ne, noch nicht. Aber diese Möglichkeit besteht durchaus, falls ich wieder einmal singen werde in einem nächsten Projekt.
Sind die Melodien von dir oder wurden sie dir vorgesungen? – Wir haben viele Stunden im Studio verbracht und dann verschiedenste Versionen ausprobiert. Es konnte höchstens mal vorkommen, dass der Produzent ROMAN CAMENZIND meinte, ich soll mal eine andere Linie versuchen. Ansonsten kamen die Ideen von mir.
Es gibt viele Künstler, die sind dann, wenn sie seelische Hochs oder ausgeprägte Tiefs leben, am produktivsten. Wie ist das bei dir? – Ich bin da eher der notorische Arbeiter. Meine Arbeitshaltung wird nicht von meinen Launen beeinflusst. Sogar gegenteilig: Wenn ich extreme Hochs oder Tiefs habe, lebe ich die in dem Moment aus und stürze mich nicht in die Arbeit. Es kann höchstens sein, dass durch den Beat eines Produzenten eine Emotion aus vergangener Zeit ausgelöst wird. Es ist ein grosser Unterschied, ob ich mit Beats von CLAUD, die von einer eher düsteren Stimmung geprägt sind oder zu poppigeren Beats von CAMENZIND arbeite.
Wie hast du früher Songs geschrieben, als du noch keine Produzenten hattest? – Ich habe das Glück, von Anfang an von Produzenten umgeben zu sein. Dies rührte wohl daher, dass ich mit grosser Euphorie zeigte, wie ernst es mir mit der Musik ist. Ich denke, es ist stark meiner offenen Art zu verdanken, dass ich gute Produzenten um mich scheren konnte.
Eine Marktwirtschaftliche Frage: Bestimmt bei deinem Schaffen die Nachfrage das An­gebot oder das Angebot die Nachfrage? – Es ist mir bestimmt wichtig, vielen zu gefallen. Und dennoch möchte ich einfach mein Ding durchziehen, meine Ideen ausleben, wofür ich mich auch aufs Glatteis begebe. Mit diesem Album riskiere ich natürlich, dass die Ironie nicht von allen meiner bisherigen Fans verstanden wird und ich somit Fans verliere. Gleichzeitig sind Songs wie Texte radiotauglicher geworden. Letztlich setze ich einfach meine Ideen um, der Verkauf der CDs ist dann Sache des Managements. Einen Flop zu landen, würde ich verkraften, da ich diesen nicht scheue, nur um zu gefallen.
Woher kommt die Idee zu diesem Album? – Sie ist wohl zum einen Teil ein Produkt meiner Rap-Depression. Das klingt jetzt etwas hart, aber ich war tatsächlich ziemlich «ausgerappt», weshalb für mich der Zeitpunkt für ein neues Projekt war. Ich finde es spannend, auf mehreren Bühnen zu tanzen und so eine ganze Bandbreite von Zuhörerschaft anzusprechen. Gleichzeitig lebe ich völlig verschiedene Seiten von mir selbst aus – je nach dem, ob ich nun mit BUCHER & SCHMID, OBK oder GIMMA performe.
Du singst «Es sind alles Hippies usserd i». Ich kann mir kaum vorstellen, dass du das auch meinst? – Diese Aussage wurde weitgehend falsch verstanden – insbesondere auch von Radiomoderatorinnen über 40 Jahre, die sich teilweise angegriffen fühlten. Ich habe aber nicht im Geringsten etwas gegen Hip­pies und bin wohl (auch ohne zu kiffen) auch selbst einer. 
Deine Melodien sind zahmer geworden. Folgt als nächstes ein reines Popalbum? – Es ist bei mir so, dass ich nie nur ein Album mache innerhalb eines Projektes. Es wird auf jeden Fall ein weiteres kommen. Ich werde dann mehr auf CAMENZINDs Ideen eingehen, zu mehr Kompromissen bereit sein. Diesmal konnte ich teilweise ziemlich stark auf meinen Vorstellungen beharren, was aber auch begründet ist. Ich wollte und konnte nicht einen zu krassen Übergang machen vom bisherigen Sound zum neuen Album. Einige Zeilen mussten einfach rein.
Dann wird das nächste Album also «braver»? – Dies ist durchaus möglich. Auf alle Fälle habe ich mittlerweile viel an Selbstvertrauen zugelegt, bin gelassener, zufriedener mit
meinem Leben und nicht mehr mit dem Ner­ven­bündel von früher zu vergleichen.
Last but not least: Wie so gängig im Hiphop kriegen immer wieder mal Promis, Chefs oder Feinde ihr Fett weg. Wie sind so die Reaktionen der Betroffenen? – Das ist völlig unterschiedlich. Bei einigen meine ich das Gesagte und es ist mir auch völlig egal, was die darüber denken. Es kam aber auch schon vor, dass ich mich bei einer Band entschuldigte, welche noch nicht mal gewusst hatte, dass ich sie erwähnt hatte. Diese hat sich dann sogar darüber gefreut. So auch CA­MEN­ZIND, der gar selbst verantwortlich ist für die Zeile «du wötsch dä DIETER BOHLEN, do, ROMAN CAMENZIND».


Album: «Hippie» (Phonag)
Live siehe Seite 82
www.gimmasworld.ch

 
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