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DJ SPECIAL 2010 PDF Drucken E-Mail
Geschrieben von Matthias Haller   
Montag, 19. Juli 2010
CD oder Vinyl?
Eine Glaubensfrage spaltet die DJ-Gemeinde

Als MATT SIAZ, Autor dieses Artikels, Mitte der Neunziger mit Auflegen angefangen hat, hat ihm der damalige Star-DJ HARDSEQUENZER (aka. HARDY HARD) prophezeit, dass sich CDs niemals in der DJ-Szene durchsetzen werden. Für SIAZ als CD-DJ der ersten Stunde war das damals ein Schock, aber auch Ansporn, sich mit beiden Formaten, also Vinyl und Compact Disc, auseinanderzusetzen. Heute, über zehn Jahre später, sieht die Sache schon anders aus. Viele DJs sind umgestiegen auf CD – oder präziser – auf Digital, denn auch die sogenannten Laptop-DJs sind auf dem Vormarsch. Grund genug, den aktuellen Stand der Dinge einmal genauer zu beleuchten und nicht zuletzt die DJs selbst nach ihrer Meinung zu fragen.


Zusammenstellung: José Samanes
Redaktion: Matthias Haller (mh), Markus Tofalo (mt), Marcel Oberholzer (obi) Shqipe Sylejmani (ss), Juerg Kilchherr (jk), Kilian Messerli (km)
Gestaltung: Matthias Haller


dj-intro-pic.jpgTurntablism und Platten gehören zu­sam­men wie die Schweiz und die Rösch­ti, so war es zumindest bisher. Doch im Zuge immer neuerer Ent­wicklungen auf dem CD-Player- und Digitalmarkt haben viele der Vinyl­anhänger dem urtümlichen Medi­um abgeschworen und sind auf den modernen Zug aufgesprungen. Die aktuelle Generation der CD-Player lässt kaum mehr Wünsche offen und bietet dem geneigten Plattendreher alle Optionen, die er auch von seinen Plattenspielern her kennt. Sogar Scratching, Backflips, das langsame Auslaufenlassen eines Tracks oder schnelles Vor- und Zu­rück­spulen sind heute kein Problem mehr. Riesige Jog-Dials, also drehbare Schei­ben, simulieren dabei die Schall­platte und auch das Feeling, mit einer solchen aufzulegen. Dazu kommen noch diverse Filter, mit denen sich ein Mix nochmals um diverse Elemente der Musik­ge­staltung erweitern lässt. In diesem Punkt ziehen die meisten Plattenspieler oft den Kürzeren. Nicht unwesentlich ist auch die Tatsache, dass so ein Koffer voller Platten ein ordentliches Gewicht mit sich bringt, während dieselbe Samm­lung auf CD oder als MP3-Sam­mel­surium im Laptop nicht mal annähernd so schwer ist. Wer viel auf Reisen ist oder nicht wie viele Star-DJs auf einen Kofferträger zurückgreifen kann, für den liegt der Vorteil klar auf der Hand. Nicht zu unterschätzen ist auch der Aspekt der Aktualität, da man mit digitalen Tracks einfach schneller auf Neuheiten und Trends reagieren kann. Da auch immer mehr DJs eigene Tracks produzieren, können sie diese so im Handum­drehen am Clubpublikum testen und so ganz einmalige Sets kreieren.

Dabei ist es schwierig auszumachen, welche Gruppe von DJs auf welches Medium setzt. Während z.B. Top-Acts wie DAVID GUETTA auf CDs setzen, auch weil er gerne Cues, also das Schneiden und Wiederabspielen be­stimmter Stellen im Track in seine Sets einbaut, haben viele Newcomer die gute alte Schallplatte wieder für sich entdeckt. Von der schwarzen Scheibe geht einfach ein gewisser Charme aus. Sie beschwört den Geist jener Zeit wieder herauf, als DJs und Platten unzertrennbar miteinander verbunden waren.

Vinylanhänger weisen gerne auf den unverkennbaren Klang einer Platte hin, den eine Compact Disc oder gar ein MP3-File im Leben nie erreichen wird. Zudem ist das Auflegen mit CD oder mittels Laptop dank zahlreicher Hilfestellungen, wie Beat­counter oder gar dem automatischen Anpassen zweier Tracks, um eini­ges einfacher als das Auflegen mit Platten. Klar, dass deswegen Vorwürfe laut werden, dass CD- und Laptop-DJs gar nicht mehr selbst mixen würden. Und ja, auch ich habe schon Plattenleger erlebt, die fertige Mixes von zu Hause abgespielt haben oder den Computer die Haupt­arbeit haben machen lassen. Unter den Missetätern finden sich auch namhafte Acts, doch darüber wird in der Szene natürlich nur hinter vorgehaltener Hand gesprochen. Doch interessiert es das Publikum überhaupt, ob der Vinyljockey jetzt gerade selbst mixt oder das Ganze fixfertig vom Band bzw. Speicher abgespult wird. Nun ja, ich denke, jeder Kon­zert­be­sucher, der schon einmal festgestellt hat, dass sein Lieblingsact oder die Lieb­lingsband nur die Lippen bewegt, kann sich diese Frage selbst beantworten. Zudem ist ein spontanes Einge­hen aufs Publikum mit den Re­tortensets beinahe unmöglich. Und die allseits beliebten Song­wünsche müs­sen die Clubbesucher dann sowieso abschreiben.

CD oder Vinyl, oder besser gesagt, analog oder digital, das ist also die Frage? Ich glaube, der Trend geht hin zum Digitalen, weg von der Platte. Dafür sorgen letztendlich auch die Labels, die ihre neuen Produktionen schon häufig nur noch auf den bekannten Musik­portalen als digitalen Download anbieten. Sowohl für die Produzenten als auch für die Konsumenten ist dies der weitaus günstigere Weg. Zudem lassen sich einzelne Mixes eines Tracks nach eigenem Gusto zusammenstellen, und man muss nicht für Tracks zahlen, die man gar nicht braucht. Letztendlich fährt es sich am besten, wenn man alle Medien beherrscht, dem Pub­likum eine gute Show bietet und es respektiert, wenn der Kon­kurrent sich nicht gleich entschieden hat. Es geht schliesslich um die Musik und darum, eine gute Party miteinander zu feiern, und nicht um festgefahrene Ansichten.

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Letzte Aktualisierung ( Montag, 19. Juli 2010 )
 
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