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Geschrieben von Juerg Kilchher
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Freitag, 04. März 2011 |
VOM KNAST IN DIE ELEKTRONIK-DISCO
Das Leben und Wesen des 49-jährigen GEORGE ALAN O’DOWD ist, wie sein zweitgrösster Hit «Karma Chameleon» antönt, eine stete Wandlung an Farben und Tönen, die die Öffentlichkeit nach dem Knastaufenthalt vor zwei Jahren wieder vermehrt auf die Musik lenken soll. Keine zwei Monate nachdem BOY GEORGE bei der Tournee von «Night of the Proms» seine 1980er-Hits sang, kommt mit der Scheibe «Ordinary Alien» das totale Gegenteil auf den Markt, nämlich Elektro. Wer den Jungen im Künstlernamen trägt, ist verpflichtet, am Puls der Zeit zu produzieren, und so gesehen ist das aussergewöhnliche Album des Engländers die logische Konsequenz aus seiner zwanzigjährigen DJ-Arbeit, wo er sich den Starhimmel von früher erhalten konnte.
Im Gegensatz zu seinem Singer/Songwriteralbum von 2006 ist «Ordinary Alien» eine Scheibe, die von der ersten bis zur letzten Minute auf einen tanzbaren Rhythmus setzt und pausenlos Dampf gibt. Interessant sind die Einfälle wie bei «Yes we can» mit der Sprache OBAMAs oder dann der deftige Slang bei «Sanitzed». Das Album ist überhaupt ein Abbild von GEORGEs Vergangenheit, der als Junge eines Profiboxers aus dem Süden Londons anders fühlt als die Schulkollegen und sich mit Musik über die Missgunst der Leute hinwegsetzt und dabei einzigartig bleibt. Klar ist der Künstler auch ein Provokateur und so ist der kraftvolle Schlusstrack «Look pon u» wie das Video zu «Amazing Grace» nichts für Konservative. «Ordinary Alien» beweist, das BOY GEORGEs rebellisches Gehabe und das Ohr für zeitgenössische Musik im Knast nicht abhanden gekommen sind und er wieder da ist mit lauten Tönen für die Tanzfläche.
Album: «Ordinary Alien» (Weplay); www.boygeorgeuk.com
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