Warnung: Der folgende Text enthält
satirische Elemente. Die gemachten Aussagen spiegeln die persönlichen Meinungen
des Autors und nicht diejenigen des Trend Magazin wieder. Das Geschriebene ist mit einer gesunden Prise Humor geschrieben und sollte nicht zu Ernst genommen werden.
Ich wage mal zu behaupten, dass sich wohl
jedes Kind schon einmal vorgestellt hat, in seinem Lieblingsfilm mit dem Helden
oder der Heldin gemeinsam Abenteuer zu erleben. Die Videospielindustrie hat
diesen Trend schon früh erkannt und Spiele zu erfolgreichen Filmen
herausgebracht. Das erste Spiel dieser Art, welches ich gespielt habe, war „The
Lion King“ auf dem Super Nintendo Entertainment System, kurz SNES. Im zarten
Alter von Fünf Jahren habe ich damals Simbas Weg zum erwachsenen Löwen
begleitet und schlussendlich seinen bösen Onkel Scar besiegt. Ein wunderbares
Abenteuer, an welches ich gerne zurückdenke.
Dieser Trend hat sich bis heute gehalten,
nimmt laut bösen Zungen sogar überhand. Zu fast jedem absehbar erfolgreichen
Film erscheint kurz danach oder kurz davor ein Videospiel. Iron Man, Ice Age, A
Bug’s Life oder Happy Feet, von jedem Hit an den Kinokassen wurde ein oder
mehrere halbherzig programmierte Spiele auf den Markt geworfen. Den schlechten
Wertungen von Spielern und Kritikern zum Trotz halten sich die
Entwicklerstudios und Publisher dieser Abnormitäten über Wasser und gehen
weiter ihrem Handwerk nach. Aber was macht eigentlich den Unterschied zwischen
einem guten und einem schlechten Begleitspiel? Erst einmal möchte ich ein
negatives Beispiel nennen, um die Sache zu illustrieren.
Das letzte Filmspiel, welches ich antesten
durfte, war „Ice Age 4:Voll Verschoben – Die arktischen Spiele.“ Figuren aus
dem Film mit ihren Originalsprechern, Eisblöcke und Inseln um das Setting
nachzuahmen und das ikonische Säbelzahnhörnchen Scrat, aufgepappt auf eine
Hintergrundgeschichte mit einem Storygehalt auf dem Niveau von Tetris oder
Pong. Dazu kommen abgedroschene Sprüchen, die selbst einem komödiantischen
Alleinunterhalter auf einem Dorffest Kopfschmerzen bereiten würden. Die
Minispiele sind zwar anfangs kurzweilig, laufen aber schon nach kurzer Zeit auf
Grundeis. Mit in den Minispielen versteckten Eicheln und dadurch
freischaltbaren Bildern aus dem Film, versucht das Spiel – vergeblich - den
Jäger und Sammler im Spieler anzusprechen und das Weglegen der DVD zu
vermeiden.
Zugegeben, putzig anzuhören sind die Versuche
der Synchronsprecher, aus ihren langweiligen Texten ein wenig „hipness“
herauszupressen. Wenn man jedoch Manny das Mammut zum wiederholten Mal „Glatt
wie Eis – Buchstäblich!“ sagen hört, hat man urplötzlich das unbändige Verlangen,
sich die Ohren abzuschneiden, diese zusammen mit dem Spiel im Eisfach unter
Eiswürfeln zu begraben und auf den Frostbrand zu warten.
Zurück zu Simba im Jahre 1994. Die
Hintergründe des 2D-Spiels waren gezeichnet von den Disney Studios selbst, die
Musik eine Adaption des Filmsoundtracks auf die damaligen technischen
Möglichkeiten der Konsolen und PCs und die Story war aus dem Film abgeleitet. Eines
der Levels war ein Wettlauf gegen eine Herde Gnus. Damit der kleine niedliche
Simba nicht zertrampelt wurde und einen grausamen Tod erleiden musste, musste man Steinen und Tieren ausweichen und über Äste springen.
Angeknüpft an das, was ich im Film gesehen habe. Angeknüpft an die vom Film
hervorgerufenen Emotionen.
Genau daran scheitern die Filmspiele
heutzutage. Mal abgesehen von den niedrigen Budgets, den kleinen Studios die
solch schreckliche Binärmonster züchten und den raffgierigen Publishern, die
solche digitalen Dummheiten ohne Feinschliff auf den Markt werfen. Die Entwickler
haben den Bezug zu den Filmen und zu ihrer eigenen Vergangenheit verloren. Sie
erinnern sich nicht mehr an das Kind in Ihnen, das in einer Rakete sass und die
Mondlandung von Apollo 11 nachspielte. Das Kind, das nach dem ersten Mal Star
Trek einen Pin an die Brust heftete, um sich vom Mittagstisch in sein Zimmer
beamen lassen zu können.
Sobald sich die Entwickler wieder auf das Kind
in sich selbst besinnen, wird sich auch die Qualität der Filmspiele wieder
verbessern. Ich spreche hier nicht von der Qualität der Grafik, der Animationen
oder der Sounds. Indiana Jones and the Last Crusade war auch unter MS-DOS eine
epische Erfahrung. Mir geht es darum, dass sich die Filmspiele wieder mehr an
das erinnern, was sie mal waren. Ein Eintauchen in die Welt des Lieblingsfilms.
Ein hautnahes Miterleben der Abenteuer des Lieblingshelden.