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DER KÖNIG DER EISZEIT
Geschrieben von Raphael Schmid   
Freitag, 03. August 2012
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FILMSPIELE: DAS LANGSAME STERBEN EINES GENRES120803_raphirants.jpg

Warnung: Der folgende Text enthält satirische Elemente. Die gemachten Aussagen spiegeln die persönlichen Meinungen des Autors und nicht diejenigen des Trend Magazin wieder. Das Geschriebene ist mit einer gesunden Prise Humor geschrieben und sollte nicht zu Ernst genommen werden.


Ich wage mal zu behaupten, dass sich wohl jedes Kind schon einmal vorgestellt hat, in seinem Lieblingsfilm mit dem Helden oder der Heldin gemeinsam Abenteuer zu erleben. Die Videospielindustrie hat diesen Trend schon früh erkannt und Spiele zu erfolgreichen Filmen herausgebracht. Das erste Spiel dieser Art, welches ich gespielt habe, war „The Lion King“ auf dem Super Nintendo Entertainment System, kurz SNES. Im zarten Alter von Fünf Jahren habe ich damals Simbas Weg zum erwachsenen Löwen begleitet und schlussendlich seinen bösen Onkel Scar besiegt. Ein wunderbares Abenteuer, an welches ich gerne zurückdenke.


Dieser Trend hat sich bis heute gehalten, nimmt laut bösen Zungen sogar überhand. Zu fast jedem absehbar erfolgreichen Film erscheint kurz danach oder kurz davor ein Videospiel. Iron Man, Ice Age, A Bug’s Life oder Happy Feet, von jedem Hit an den Kinokassen wurde ein oder mehrere halbherzig programmierte Spiele auf den Markt geworfen. Den schlechten Wertungen von Spielern und Kritikern zum Trotz halten sich die Entwicklerstudios und Publisher dieser Abnormitäten über Wasser und gehen weiter ihrem Handwerk nach. Aber was macht eigentlich den Unterschied zwischen einem guten und einem schlechten Begleitspiel? Erst einmal möchte ich ein negatives Beispiel nennen, um die Sache zu illustrieren.


Das letzte Filmspiel, welches ich antesten durfte, war „Ice Age 4:Voll Verschoben – Die arktischen Spiele.“ Figuren aus dem Film mit ihren Originalsprechern, Eisblöcke und Inseln um das Setting nachzuahmen und das ikonische Säbelzahnhörnchen Scrat, aufgepappt auf eine Hintergrundgeschichte mit einem Storygehalt auf dem Niveau von Tetris oder Pong. Dazu kommen abgedroschene Sprüchen, die selbst einem komödiantischen Alleinunterhalter auf einem Dorffest Kopfschmerzen bereiten würden. Die Minispiele sind zwar anfangs kurzweilig, laufen aber schon nach kurzer Zeit auf Grundeis. Mit in den Minispielen versteckten Eicheln und dadurch freischaltbaren Bildern aus dem Film, versucht das Spiel – vergeblich - den Jäger und Sammler im Spieler anzusprechen und das Weglegen der DVD zu vermeiden.


Zugegeben, putzig anzuhören sind die Versuche der Synchronsprecher, aus ihren langweiligen Texten ein wenig „hipness“ herauszupressen. Wenn man jedoch Manny das Mammut zum wiederholten Mal „Glatt wie Eis – Buchstäblich!“ sagen hört, hat man urplötzlich das unbändige Verlangen, sich die Ohren abzuschneiden, diese zusammen mit dem Spiel im Eisfach unter Eiswürfeln zu begraben und auf den Frostbrand zu warten.

 

Zurück zu Simba im Jahre 1994. Die Hintergründe des 2D-Spiels waren gezeichnet von den Disney Studios selbst, die Musik eine Adaption des Filmsoundtracks auf die damaligen technischen Möglichkeiten der Konsolen und PCs und die Story war aus dem Film abgeleitet. Eines der Levels war ein Wettlauf gegen eine Herde Gnus. Damit der kleine niedliche Simba nicht zertrampelt wurde und einen grausamen Tod erleiden musste, musste man Steinen und Tieren ausweichen und über Äste springen. Angeknüpft an das, was ich im Film gesehen habe. Angeknüpft an die vom Film hervorgerufenen Emotionen.

 

Genau daran scheitern die Filmspiele heutzutage. Mal abgesehen von den niedrigen Budgets, den kleinen Studios die solch schreckliche Binärmonster züchten und den raffgierigen Publishern, die solche digitalen Dummheiten ohne Feinschliff auf den Markt werfen. Die Entwickler haben den Bezug zu den Filmen und zu ihrer eigenen Vergangenheit verloren. Sie erinnern sich nicht mehr an das Kind in Ihnen, das in einer Rakete sass und die Mondlandung von Apollo 11 nachspielte. Das Kind, das nach dem ersten Mal Star Trek einen Pin an die Brust heftete, um sich vom Mittagstisch in sein Zimmer beamen lassen zu können.

 

Sobald sich die Entwickler wieder auf das Kind in sich selbst besinnen, wird sich auch die Qualität der Filmspiele wieder verbessern. Ich spreche hier nicht von der Qualität der Grafik, der Animationen oder der Sounds. Indiana Jones and the Last Crusade war auch unter MS-DOS eine epische Erfahrung. Mir geht es darum, dass sich die Filmspiele wieder mehr an das erinnern, was sie mal waren. Ein Eintauchen in die Welt des Lieblingsfilms. Ein hautnahes Miterleben der Abenteuer des Lieblingshelden.

 
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