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DJ WHITESIDE
Geschrieben von Marcel Oberholzer   
Montag, 09. November 2009
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EIGENWILLIG UND EXPERIMENTIERFREUDIG

Im Interview spricht er über seinen neusten «Ugly-House»-Mix und platziert dabei wieder einmal ein paar nette Seitenhiebe gegen DJ-Kollegen, die für Produktionen zahlen, statt selber welche zu schaffen.

whiteside_185.jpgWHITESIDE gehört zu den Wegbereitern der Houseszene der Schweiz. Seine Remixes und Produktionen werden weltweit auch von Star-DJs gespielt. «Ugly House» ist für ihn eine gesunde Gratwanderung zwischen Kommerziellem und Tracks, die er kommen sieht. Dabei versucht er auch, Clubraritäten auszugraben. Zuerst testet er sie live, dann kommen sie auf seine CDs. «Es kostet mich immer wieder ein Lächeln, wenn ich dann diese Tracks Wochen später auf anderen Compilations von Schweizer DJs finde.» WHITESIDE legt auch Wert darauf, dass eine «Ugly House» nicht einfach nur gemixt ist. «Hör selber rein und Du wirst den Unterschied bemerken!»

TREND MAGAZIN: 14 Jahre «Ugly House», gibt es ein Ereignis, das dir besonders in Erinnerung geblieben ist? – DJ WHITESIDE: Ich glaube der erste Weg ins Studio – die erste Produktion, die dann auf Vinyl herausgekommen ist, oder die erste CD. Das sind Momente, die man nicht vergisst!
Wie war dein Einstieg in die Szene? War es schwierig, Kontakte zu knüpfen? – Ich kann auf die Szene verzichten. Ich möchte nicht eingeengt sein wie viele Zürcher DJs, die lieber auf ihrer festgefahrenen Schiene weiterspielen, statt Experimente eingehen. Ich habe schon zu OXA-Zeiten
2-Step oder R’n’B mit House gemixt und wurde deswegen schräg angeschaut. Aber ich lasse mich nicht in eine musikalische Stilbox sperren! Kontakte heisst manchmal auch, sich zu fest für die Szene oder Bookings zu opfern. Wer mich bucht, kriegt jedenfalls etwas fürs Geld. I got soul in my music!
Wie gehst du im Studio vor, wenn du einen Track produzierst? – Eigentlich sammle ich meine Ideen aus Soundtracks und Songs, aber auch aus Inputs meiner Kinder, Melodien, die ich dann weiterspinne. C & C MUSIC FACTORY haben einmal gesagt: Musik kann man nicht neu erfinden, aber man kann sie verändern. Ich arbeite zusammen mit meinem Freund und Produzenten JORGE MARTIN S an den Beats und den Harmonien. Bis das Resultat da ist, verändert sich meistens immer alles nochmals, da auch Sänger/Sängerin sich in die Produktion geben. Mir ist es wichtig, dass auch mein Produzent mit einbezogen ist. Ich lasse nicht einfach meine Musik schreiben, bezahle dafür und verkaufe es unter meinem Namen. Für mich ist das Betrug am Konsumenten. Leider können gewisse DJs knapp den Computer anstellen, verkaufen sich aber in Interviews gerne als Produzenten und Songschreiber.
Kannst du uns etwas zu deiner aktuellsten Produktion erzählen? – Aktuell ist «House Music» auf DJ ANTOINEs Label EGOISTE. Nun stehen die nächsten MILK-&-SUGAR-Produktionen an, «Beautiful» und «Feel». Und «Feel» ist eine Bombe! Viele Inputs kamen von meiner DJ-Tätigkeit auf Mykonos und in der Türkei. Ich liebe die Kombination von orientalischen Klängen.
Du hast sehr viele Freunde, die dir bereits über Jahrzehnte treu geblieben sind. – Kontakte zu Freunden und Fans zu pflegen, ist das A und O. Aber auch respektvoll mit Newcomer-DJs umzugehen. Ich musste leider feststellen, dass gewissen Schweizer Top-DJs der Erfolg echt in den Kopf gestiegen ist. Aber je höher sie steigen, desto schneller fallen sie. Ich bin lange im Business und habe so viele DJs kommen und gehen sehen. Aussagen wie «die Alten sollen Platz für die Neuen machen» verliefen voll im Sand. Man muss sich Erfolg verdienen. Nicht erkaufen oder erzwingen! Der Konsument ist nicht blind!
Hast du denn nach all den Jahren noch Lampenfieber? – Ja, aber nicht mehr so wie am Anfang. Mir ist es immer wichtig, dass ich die Partygänger mitreissen kann. Ich komme und spiele nicht einfach nur, um Kohle abzuholen und dann wieder zu gehen. Zusammen mit BLACK AND WHITE BROS (STEPHEN DAVIS) gelingt uns das jedes Mal!
Kann dich während dem Auflegen irgendetwas aus der Fassung bringen? – Ja, manchmal. Es gibt Newcomer-DJs, die mir zig Mal auf die Finger schauen oder auf den Screen der Player und kräftig die Titel, die ich spiele, abschreiben. Auch die gemeinsamen Pics lenken vielfach ab! Aber ich nehme mir immer diese Zeit – und die Fans schätzen das gerade.

Mix-Compilation: «Ugly House Gold 2009» (TBA)
www.whiteside.ch
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