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EL SHADDAI: ASCENSION OF THE METATRON
Geschrieben von Matthias Haller   
Donnerstag, 22. September 2011
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BIBLISCHES BILDERGEWITTER
el-shaddai.jpg

Wenn Videospiel gleich Kunst ist, dann ist „El Shaddai“ das Paradebeispiel dafür. Das visuell berauschende Werk setzt die grafische Umsetzung an erste Stelle. Ob der Titel ausser optischem Blendwerk noch mehr zu bieten hat, erfahrt ihr in diesem Artikel.

Die Story von „El Shaddai“ ist vor allem eines: verwirrend. Wer nicht gerade seinen Doktor in christlicher und jüdischer Religionsgeschichte gemacht hat, der wird oftmals einfach nur Bahnhof verstehen, während man Hauptcharakter Enoch durch das bunte Fanatasy-Wirrwarr begeleitet. Enoch ist übrigens geschichtlich gesehen der Urgrossvater von Noah. Ja genau, der mit der Arche. Der Schriftgelehrte befindet sich auf einer göttlichen Mission und hat nicht weniger zum Ziel, als die gefallenen Erzengel zurück in den Himmel zu prügeln. Begleitet wird er von Lucifel, seines Zeichens ebenfalls ein Himmlischer mit Hang zur Lässigkeit. Lucifel versorgt Enoch mit allem Wissenswerten rund um das Thema Kampf gegen die Erzengel und Gebrauch der göttlichen Waffen. Ausserdem dürfen wir bei unserem Kollegen in Schwarz, der mich irgendwie an Travis Touchdown aus „No More Heroes“ erinnert, auch speichern.


LSD-Tripp fürs Auge

Das herausragendste Merkmal von „El Shaddai“ ist seine optische Umsetzung, hinter der „Okami“-Schöpfer Takeyasu Sawaki steckt. Und das merkt man auch. Aber anders als in „Okami“ konzentriert sich der Kreativkopf hier nicht nur auf einen visuell ausgefallen Stil, sondern bombardiert den Spieler alle paar Minuten mit neuen Design-Spielereien, eine verrückte als die andere. Minimalistisches Farbenspiel in Schwarz und Weiss wechselt sich mit bunten Levelabschnitten, teils so grell, dass die Netzhaut im Auge beinah ihren Geist aufgibt. Das sieht ganz klar schick aus, hat aber auch sein Nachteil, worauf ich später noch eingehen werde.


God of Style

Doch was  hat „El Shaddai“ ausser Grafikspielereien noch zu bieten? Nüchtern betrachtet nicht viel. In bester „God of War“-Manier prügeln wir uns mit Brad-Pitt-Verschnitt Enoch nämlich durch das Aufgebot an skurrilen Fantasiewesen, blocken hier einen Angriff und entwaffnen da einen Gegner. Apropos Waffen: Davon kann Enoch immer nur eine bei sich tragen. Je nach Aggressor sollte die Waffenwahl dabei gut überlegt sein. Die einen eigenen sich eher zum Fernangriff, andere verrichten im Direktkontakt gute Dienste. Da die Gegner teils recht zäh sind, arten manche der Auseinandersetzung aber zum wahren Geduldsspiel aus. Einfach nur Buttonmashing führt hier selten ans Ziel, sondern direkt in den Himmel, bzw. zum letzten Checkpoint.


Knick in der Optik

Ebenfalls zum Geduldsspiel werden manche der Sprungpassagen. Während die 2D-Jump&Run-Einlagen nicht nur eine witzige Abwechslung bieten, sondern sich auch einigermassen bewältigen lassen, führen Hüpferein im dreidimensionalen Raum häufig dazu, dass man aufgrund der überladenen und teils schwer einschätzbaren Optik einfach ins Leere springt. Das nervt zwar, aber dank fairer Rücksetzpunkte artet es zum Glück nicht aus.

Alles richtig hat man hingegen bei der Vertonung des Abenteuers gemacht. Sowohl die englische Sprachausgabe als auch der epische Soundtrack passen hervorragend zum Spiel. Die Sprecher wurde sehr gut ausgewählt und machen einen mehr als ordentlichen Job. Insgesamt hinterlässt „El Shaddai“ so einen positiven Eindruck, schon alleine deshalb, weil sich endlich mal jemand traut etwas gänzlich Anderes auszuprobieren, als der 08/15-Einheitsbrei den Hack&Slays sonst so bieten.


Fazit:
„El Shaddai“ ist sicher kein Spiel für jedermann, und wäre da nicht die imposante grafische Umsetzung, würde vermutlich kein Hahn nach dem Titel krähen. Unterm optische auffallend Kleid ist „El Shaddai“ nämlich nicht mehr als simples Hack&Slay in bester „God of War“-Manier, ohne dabei die spielerische Klasse des Spartaners Kratos zu erreichen. Aber das Spiel will sich auch gar nicht mit dem griechischen Schlachtengemetzel messen, sondern lieber mit seiner aussergewöhnlichen Geschichte und stylischer Optik unterhalten. Ob einem das genügt, muss jeder für sich entscheiden. So richtig weggehauen hat mich der Titel zwar nicht, sehenswert war er aber allemal!


„El Shaddai: Acension of the Metatron“; Action-Adventure; PS3-Version (XBOX 360); (Ignition Entertainment / Konami)

Wertung: 75%

+ Beindruckende visuelle Umsetzung
+ Sehr abwechslungsreiche Levels
+ Epochaler Soundtrack
+ Sehr gute Synchronisation (englisch)
+ 2D-Hüpfabschnitt

- 3D-Hüpfabschnitte teils zu unübersichtlich
- Story teils kaum nachvollziehbar
- Unterm Strich sehr simple Spielmechanik
- Teils nervige Kämpfe mit zu zähen Gegnern

Letzte Aktualisierung ( Donnerstag, 22. September 2011 )
 
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