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ENSLAVED: ODYSSEY TO THE WEST
Geschrieben von Matthias Haller   
Mittwoch, 06. Oktober 2010
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FANTASTISCHES ENDZEIT-MÄRCHEN

Das Team, welches sich auch für den PS3-Exklusivtitel «Heavenly Sword» verantwortlich zeichnet, liefert mit «Enslaved: Odyssey to the West» ein episches Abenteuer ab, dass einen nicht zu Letzt dank der aussergewöhnlichen Hauptcharaktere schnell in seinen Bann zieht.

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200 Jahre in der Zukunft liegt die Welt in Trümmern. In einem nicht näher angesprochenen Krieg haben sich die grossen Nationen beinah komplett ausgelöscht, die Menschheit steht am Rande des Abgrunds, und nur wenige haben überlebt. In den Ruinen der Grossstädte haben mechanische Maschinenwesen, die so genannten Mechs, die Herrschaft übernommen, die gnadenlos Jagd auf jeden Machen machen, der ihnen vor die metallischen Klauen kommt. Im Auftrag des mysteriösen Drahtziehers Pyramid fangen sie die Überlebenden und machen sie zu Sklaven oder töten sie. Unter diesen Gefangen befinden sich auch die beiden Hauptprotagonisten. Der eine ist der martialische Monkey, der seinem Namen alle Ehre macht. Als Kind wurden seine Eltern getötet und er wuchs alleine im Wald auf. Klettern kann der Muskelberg so gut wie kein Zweiter, und auch im Nahkampf weiss sich das Raubein zu helfen. Genau das Gegenteil davon ist die zierliche Trip (die der Heldin aus «Heavenly Sword» zum Verwechseln ähnlich sieht), ein Computer- und Technikgenie, dass eigentlich in einer kleinen Kommune lebt, die Abseits der grossen Städte erbaut wurde, und abgeschnitten von der Aussenwelt versucht sich vor den Mechs zu verbergen. Bisher zumindest, denn sie wurde ebenfalls auf das Sklavenschiff verfrachtet, auf dem sich auch Monkey befindet.

In der fulminanten Eröffnungssequenz erleben wir, wie Trip und Monkey mit Mühe und Not vom Schiff fliehen können. Weil Trip es niemals alleine gelingen würde zurück nach Hause zu gelangen, verpasst sie dem bewusstlosen Monkey ein Stirnband, dass ihn zu ihrem Sklaven macht. Noch viel brisanter ist die Tatsche, dass bei ihrem Tod auch Monkey das Zeitlich segnet. Grund genug für den Kletteraffen dafür zu sorgen, dass seiner Begleiterin nichts zustösst. So machen sich die Beiden auf eine abenteuerliche Reise, während der sie nicht nur auf zahlreiche Gefahren treffen, sondern auch Ungeheuerliches aufdecken.

Das sich Entwickler NINJA THEORY vom genialen Action Adventure «Uncharted 2» hat inspirieren lassen merkt man dem Spiel sofort an. Das Gameplay gliedert sich, wie das Abenteuer von Nathan Drake auf der PS3, in Action- und Geschicklichkeits-Sequenzen. Trifft das ungleiche Paar auf Gegner, dann gilt es Trip mit handfesten Argumenten vor diesen zu schützen. Mit seinem massiven Stab kloppt man so die Mechs zusammen, bis nur noch ein Stück Schrott von den Robotern übrig ist. Zudem kann Monkey mit seinem Stab auch Plasma- und Betäubungsschüsse abfeuern, allerdings nur in begrenzter Anzahl. Trip dagegen sorgt dafür, dass wir mit Hilfe einer elektronischen Libelle eine Überblick über die weitläufigen Gebiete erhalten, verschlossene Türen deaktiviert werden oder Monkey seine Fähigkeiten und Waffen aufrüsten darf. Überall in den Levels liegen duzende Orbs verteilt, die man sammeln und gegen neue Upgrades eintauschen kann. Neben gesteigerter Gesundheit oder Regeneration, kann man so z.B. auch stärkere Schilde, mehr Feuerpower oder neue Kampf-Moves erwerben, die einem das Leben deutlich leichter machen.

Immer wieder sind aber auch Monkey Kletterkünste gefragt, die einen in teils schwindelerregende Höhe verfrachten. Wirklich anspruchsvoll sind die Kletterpassagen jedoch nicht ausgefallen, da ein simpler Knopfdruck reicht, und Monkey jedes Mal zielsicher zum nächsten greifbaren Punkt springt. Die Herausforderung besteht, wenn überhaupt, darin in die richtige Richtung zu lenken, bzw. schnell genug weiterzuspringen, wenn Ankerpunkte wegbrechen, oder Teile von oben herunter stürzen. Hin und wieder schwingt sich Monkey auch auf Cloud, eine Art Energieschild, und surft damit in bester Skater-Manier übers Wasser und Hindernisse. Insgesamt ist das Gameplay sehr ausgewogen und hält einen über die volle Spieldauer bestens bei der Stange. Nur ab und zu macht die Kamera Zicken und lässt einen kurz orientierungslos zurück, wenn z.B. nach einer Zwischensequenz oder Kamerafahrt der Blickwinkel nicht mehr stimmt.

Wie «Uncharted 2» bedient sich auch «Enslaved» einer sehr kräftigen Farbpalette und entwickelt so einen ganz eigenen und charakteristischen Look, der hervorragend zum Sci-Fi-Märchen passt. Die Charaktermodelle und Mechs sehen sehr gut aus und in Sachen Gesichtsanimation spielt der Titel in der absoluten Oberliga. Die Emotionen werden dadurch sehr gut transportiert, wozu auch die guten Deutschen Synchronsprecher beitragen. Im Original wird Monkey übrigens vom «Gollum»-Darsteller Andy Serkis gesprochen, der auch schon in «Heavenly Sword» Stimme und Bewegungen des Bösewichts beisteuerte. Getragen von einem wundervollen Soundtrack kann man so vollends in der Welt von «Enslaved» versinken und leidet und freut sich in jedem Augenblick mit den Charakteren mit. Vereinzelt spät nachladende und teils grobe Texturen, sowie vereinzelt Clipping-Fehler und Objekte an denen man hängen bleibt fallen da nicht mehr wirklich ins Gewicht. Nur manchmal geht die Frame Rate gewaltig in den Keller geht und das Spiel gerät dann sehr stark ins Stocken. Kommt aber zum Glück nicht sehr häufig vor und sei deshalb verziehen.

Fazit: «Enslaved: Odyssey to the West» ist ein sehr atmosphärisches Action Adventure geworden, dass einen mit seiner spannenden Story und den sympathischen Hauptcharakteren sofort in seinen Bann zieht. Bis das überraschende Ende nach ca. 7-8 Stunden über den Bildschirm flimmert, hat man Höhen und Tiefen mit Trip und Monkey durchlebt und möchte die Beiden nicht mehr missen. Auf der technischen Seite erlaubt sich der Titel ein paar Schnitzer, doch die positiven Aspekte überwiegen derart, dass man darüber gerne hinwegsieht. Wir können den Titeln nur allen Spielern ans Herz legen und hoffen auf ein baldiges Wiedersehen mit den beiden Hauptprotagonisten.

«Enslaved: Odyssey to the West»; Action Adventure; XBOX-360-Version (PS3); (Ninja Theory/Namco Bandai)

 
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