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Home TREND Journal Musik FAITHLESS
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Geschrieben von Corinne Sutter
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Freitag, 07. Mai 2010 |
DANCE IST MEHR ALS ELEKTRONISCHE MUSIK
Das mit Dancetracks erfolgreich gewordene britische Trio kehrt nach Ausflügen in andere Stilrichtungen wieder zur Tanzfläche zurück. Das TREND MAGAZIN sprach mit SISTER BLISS am Telefon.
TREND MAGAZIN: Der FAITHLESS-Sound ist unverkennbar. Hattet ihr, als ihr 1992 mit FAITHLESS gestartet seid, ein bestimmtes Bild vor Augen, was ihr kreieren wolltet? – SISTER BLISS: Das ist eine gute Frage. Es gibt auf jeden Fall keine Regeln. Ich glaube, was wir zusammen geschaffen haben, war die Verschmelzung all unserer oft gehörten Stile. ROLLO und ich mögen House, MAXI mag Reggae. Und dies führte zu Ambientmusik, meistens Dance. Jedes Album wurde mit dem selben Geist geschaffen, ist jedoch voller unterschiedlichster Stile, was auch zeigt, dass wir wohl mehr sind als einfach eine Danceband.
Du hast ja auch klassisch Klavier studiert. – Oh, das waren bloss einige Stunden in der Pubertät. Nach vier Jahren war aber klar, dass mir die Klassik nicht allzu sehr entspricht. Man braucht viel Disziplin und das Musizieren ist mir zu engstirnig. Ich liebe Jazz, programmierte Drums. Überhaupt die Zusammenarbeit mit MAXI JAZZ, seiner Philosophie, zu produzieren, ist unglaublich erfüllend, was erklärt, weshalb ich seither nichts als Musik mache.
Was muss ich mir unter dieser Philosophie vorstellen? – Oh, damit ist der ganze Prozess gemeint, wie wir gemeinsam ein Album entwickeln. Aber auch dieser ist nicht einfach immer gleich. Wir probieren bei jedem Album etwas anderes aus. Anfangs entstanden die Songs eher aus einer gewissen Ungläubigkeit, Frustration von MAXI JAZZ – weshalb wir überhaupt FAITHLESS hiessen. Einmal schrieben wir das Ganze in nur einer Tonart und versuchten, Musik nach unsern eigenen Regeln zu schreiben. Das letzte Album, «To All New Arrivals», ging vom Titel aus. Das aktuelle jedoch ist eher wieder wie das erste Album. Wir schrieben einfach Musik, frei vom Musikstil. Wir hatten für längere Zeit nicht einmal Songtitel.
Was der vermutlich natürlichste Weg ist. Musik zu machen ohne einen grösseren Plan. – Da gab es einen Plan; überhaupt ein Album zu machen, und zwar ein gutes. Wir haben vier Jahre keines mehr rausgegeben, darum war es uns wichtig. (Baby schreit.) Hör auf zu schreien, ich bin am Telefon. – Du brachtest dein Kind mit auf die Tour? – Ja, sie ist erst halbjährig und kann sich noch nicht beschweren. Nein, im Ernst, sie liebt es, unterwegs zu sein. – Ja, wir haben uns für dieses Album viel Zeit genommen und es langsam immer weiterentwickelt. Und es ist eine gute Zeit für Dancemusik, sie war global nie stärker. Die 35-Jährigen hören uns immer noch und bringen ihre Kids mit an die Konzerte. Wir haben ein riesiges Netzwerk an DJs auf der ganzen Welt, auf welches wir uns verlassen können. Dancemusik wird nicht im Radio gespielt, wenn es nicht billiger Kommerz ist. Ja, und jetzt hoffen wir, dass das Album gefällt. Es ist klanglich sehr farbig und trägt eine positive Message in sich.
Und diese Message bildet die Basis, auf welcher anschliessend die Musik komponiert wird? – Nein. Der Prozess spielte sich wie gesagt bei jedem Album anders ab. Bei diesem hatten wir lange überhaupt keinen Text und lange am Sound rumgefeilt. Das veränderte dann auch die Beziehung zu SONY. Sie haben uns bisher super Dienste erwiesen, doch jetzt hat es nicht mehr gepasst, wir brauchten Zeit, was uns zu einem unserer besten Entscheide führte, das Album selbst zu produzieren. Nun kann uns niemand sagen, wir sollten uns aufs Album fokussieren. Denn das fiel uns unter Zeitdruck schwer. Ich habe gerade ein Baby gekriegt und ROLLO hat zwei Kinder. Ja, und jetzt ist es an der Zeit, dass wir unsere eigenen Fehler machen (lacht). Aber als Risiko sehen wir es nicht, denn die ganze Szene ist ein grosser Freundeskreis, den zusammenhält, dass wir lieben, was wir tun. Es ist nicht so kompetitiv wie die Popmusik. Die Leute hören Dancemusik wegen des überwältigenden Gefühls, das sie überkommt, wenn sie in einen Club treten. Dance ist viel mehr als bloss elektronische Musik. Er erschafft ein unglaubliches Zusammengehörigkeitsgefühl unter den Leuten – und auch mit uns: Wir haben eine treue Fangemeinde, auf die wir uns verlassen können. Das haben wir am vergangenen Dienstag im VOLKSHAUS gespürt und freuen uns jetzt schon, bis wir im Sommer wieder zurück sind!
Album: «The Dance» (Musikvertrieb)
Live: «Zürich Openair», 27. bis 29.8.
www.faithless.co.uk
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