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INTERVIEW MIT DJ TIËSTO & FREESTYLE GAMES
Neben einer ausgiebigen Test-Session mit "DJ Hero 2", hatte TREND MAGAZIN Reporter MATTHIAS HALLER auch die Möglichkeit zum Interview mit dem weltbekannten DJ TIËSTO, der DAVID GUETTA als europäischen Botschafter für das Spiel ablöst. Ausserdem standen die Entwickler von FREESTYLE GAMES sowie der DMC-Champion 2004, DJ BLAKEY, Rede und Antwort.
Spätestens seit den Olympischen Spielen sollte TIËSTO auch Techno- und Trance-Verweigern ein Begriff sein. Als erster und bisher einziger DJ durfte TIËSTO die Eröffnungszeremonie musikalisch begleiten. Einer der Höhepunkte in seiner langjährigen Karriere, einer von vielen wie er meint. Den Sommer über spielt er in Ibiza jeden Montag im PRIVILEGE, dem grössten Club der Welt, in einer gigantischen, völlig auf ihn zugeschnittenen Show vor 10’000 Fans. Wir haben den Star-Plattendreher zum Interview getroffen und ein wenig über das Spiel und die Musikszene auf Ibiza geplaudert.
 TREND MAGAZIN: Was ist das besondere auf Ibiza zu spielen? – DJ TIËSTO: Der grösste Unterschied ist das internationale Publikum. Hier hast du einen bunten Mix aus Russen, Deutschen, Italiener, Spaniern, die ganze Welt kommt hier her um Party zu machen. Wenn ich in ein anderes Land für einen Auftritt eingeladen werde, dann wird meistens von mir erwartet, dass ich meine Hits spiele. Aber auf Ibiza kann ich mich musikalisch voll ausleben und alles spielen.
Bist du den ganzen Sommer über auf der Insel? – Ja. Jeden Montag habe ich meine eigene Nacht im PRIVILEGE, bis zum letzen Wochenende im September. Also noch vier weitere Shows zu absolvieren…
Und wo wohnst du dann aktuell? – Also in Holland lebe ich nicht mehr. Ich habe derzeit drei zu Hause: vier Monate lebe ich hier (Ibiza), vier Monate in Stockholm und vier Monate in Los Angeles.
Wie bist du das erste Mal mit Videogames in Berührung gekommen? – Das ist schon ewig her, ich glaub es war ein ATARI. Ich hatte eine Menge der alten Spiele, vor allem "Batman" hat mir damals sehr gut gefallen. Aber natürlich auch der Klassiker "Space Invaders".
Besitz du jetzt auch eine Konsole? – Ja, ich habe eine PSP mit der ich sehr viel Spiele, vor allem "FIFA" und Poker ist auch absolut mein Ding. Es ist ziemlich realistisch und man kann viel draus lernen. Ich liebe es Poker zu spielen, und spiele das deshalb auch viel auf der PSP.
Sind Games einen guter Ausgleich für dich um von deinem hektischen DJ-Alltag abzuschalten? – Ja, aber das Problem ist, dass ich so vernarrt ins Spielen bin, dass ich einfach nicht aufhören kann. Anstelle zwischendurch eine Pause zu machen, spiele ich ohne Unterlass, machmal vier Stunden am Stück.
Hättest du dir je vorstellen können, ein Videogame-Charakter zu werden oder Ambitionen dazu gehabt? – Nein natürlich nicht, aber das ist doch der Traum jedes Kindes, einmal so ein Videospielheld zu werden, wie die, die einen von klein auf begleiten. Ich bin jetzt seit über zehn Jahren dabei und ich sehe einfach wie Videospielkultur immer weiter und weiter wächst. Jedes Jahr gibt es etwas Neues und es ist fantastisch nun Teil dieser Welt zu sein.
Und bist du zufrieden mit deinem virtuellen Ebenbild? – Auf jeden Fall, die haben das wirklich ordentlich hinbekommen und mir sogar ein bisschen mehr Muskeln als in Wirklichkeit spendiert (lacht).
Hast du dir aus dem Spiel Inspirationen für deine Live-Sets holen können, oder ist zu übertrieben, was wir im Spiel an Mixkünsten erleben? – Zu übertrieben nicht, aber ich brauche bei meinen Live-Sets viel mehr Zeit. Es ist zwar nicht völlig an den Haaren herbeigezogen, aber schon ziemlich hochdosiert. Aber wenn man spielt will man schliesslich die ganze Zeit über gefordert werden, live verhält es sich da etwas anders.
Was hältst du von der Mischung verschiedener Musik-Genre im Spiel, und lässt du in deine Sets auch andere Stilrichtungen einfliessen? – Wie erwähnt spiele ich auf Ibiza sowieso anderen Sound als sonst, aber insgesamt muss ich auch sagen, dass ich mich von Trance mittlerweile so gut wie verabschiedet habe. Nun spiele ich viel elektronischere Musik, lasse auch mal ein DAFT-PUNK-Riff einfliessen. Trance habe ich jahrelang gespielt, jetzt habe ich es irgendwie gesehen. Jetzt lege ich einfach dass auf, was mir und den Leuten gefällt. Ich bin wirklich froh, dass ich meinen Stil ändern konnte und die Leute dies akzeptieren.
Hörst du privat auch elektronische Musik? – Ich höre mir berufsbedingt sehr viel Musik an und gerade tut sich in der Szene ja einiges. Jeder DJ schickt mir seine Produktionen, da kommen pro Woche gut und gerne 150 Tracks zusammen. Jeden Tag werde ich mit Musik konfrontiert und höre dementsprechend viel an. Aber ich mag auch Indie und Rock. Es gibt für mich eigentlich keinen Tag ohne Musik.
Danke für’s Interview und ich freue mich auf dein Set heute Nacht. – Das wird so gross, dass man es eigentlich mehr ein Konzert nennen müsste, aber lass dich überraschen.
JACK (FREESTYLE GAMES) INTERVIEW:
TREND MAGAZIN: Hallo Jack. Du bist bei "DJ Hero 2" für die Soundmixes zuständig. Wie gross ist ist das gesamte Entwicklerteam des Spiels. – JACK: Insgesamt müssten an dem Projekt ca. 100 bis 150 Leute beteiligt sein. Wir haben verschiedene Büros, eines in London und eines etwas ausserhalb der Stadt, die jeweils mit verschiedenen Aufgaben betreut sind. Die einen kümmern sich um das Soundmixing, andere um das Programmieren des Codes sowie die Grafiken und den Art Style.
Bist du selbst auch im Spiel integriert? – Nein, dafür bin ich wohl noch nicht berühmt genug (lacht). Aber vielleicht eines Tages, wer weiss…
Ich dachte da auch an eine Art"Easter Egg", so wie man es aus den Spielen der Achtzigerjahre kennt, wo sich die Entwickler gerne mal versteckt verewigt haben. – (Lacht laut) Aha, so eine Art Cameo-Auftritt oder ein witziges Poster im Hintergrund. Gute Idee, wäre noch eine Überlegung wert. Aber verrate es bloss niemandem.
Wie lange dauert es um ein Mash-up zu programmieren? – Für einen Mix brauchen ich ca. ein bis zwei Wochen. Dann muss man aber noch die ganzen Marker setzen und das gesamte Level gestalten, sowie etwas Feintuning betreiben, wofür aber die Gameplay-Experten in den anderen Büros zuständig sind.
Einige der Tracks im Spiel sind brandaktuell. Wie lange habt ihr während des Entwicklungsprozesses neue Songs ins Spiel integriert? – Es ist ein kontinuierlich Prozess. Wir machen praktisch dauernd neue Mash-ups, die aber teilweise noch lizensiert werden müssen. Wir haben das Spiel praktisch jetzt gerade erst fertiggestellt, aber die Arbeit läuft im Hintergrund trotzdem weiter. Man weiss im Vorfeld oft nicht für welche Tracks man die Lizenz bekommt, da sich die Lizenzierung teils recht kompliziert gestaltet. Deshalb ist es am besten, einfach stetig weiterzuarbeiten, und Tracks die auf der Kippe stehen, evtl. erst am Ende der Produktion einzubauen.
Also kommen nicht die Künstler auf euch zu und fragen, ob ihr deren Songs ins Spiel einbaut? – Nein, in der Regel läuft es nicht so. Natürlich gibt es Künstler, die ihre Songs gerne hergeben und sofort einwilligen. Einige haben es jetzt auch nicht ins Spiel geschafft, die wir dann in vielleicht "DJ Hero 3" berücksichtigen werden. Es geht im Endeffekt darum, Trends frühzeitig abzuschätzen und Hitkandidaten frühzeitig zu erkennen. Z.B. DEADMAUS ist schon seit Jahren gut im Geschäft, ich wusste das er gross rauskommt, aber der die Breite Masse hat er erst vor ca. einem Jahr erreicht, weshalb wir ihn auch erst jetzt gross featuren und nicht schon in "DJ Hero 1". Jetzt sind seine Mixes im Spiel und er ist auch einer der spielbaren Charaktere. Man muss die Szene ständig im Auge behalten und abschätzen können, wer gross rauskommt.
Also kam DEADMAUS zu euch ins Studio um die Mixes zu machen oder habt ihr diese erstellt? – Er hat uns voll unterstützt und uns die Originaldaten seiner Songs zukommen lassen, also die ganzen Files für Drumsets, Melodien usw. Damit konnten wir dann die Mash-ups für das Spiel programmieren. Das ist natürlich schon gewaltig, wenn man an solches Material rankommt. Der Mann ist wirklich ein unglaublich talentierter Produzent und wir haben eng mit ihm und den anderen Künstlern zusammengearbeitet.
Gefallen dir die ganzen Musikstile im Spiel oder ist es schwierig einen Rocksong vernünftig abzumischen, wenn man nicht auf das Zeug steht? – Das ist eine interessante Frage, und wie du weisst war im ersten "DJ Hero" ja sehr viel HipHop-Musik. Es ist kein Geheimnis, dass ich eher auf Dance Music stehe, und deshalb bin ich natürlich froh, dass ich in "DJ Hero 2" mehr Mixes in dieser Richtung machen durfte. Dance Music liegt mir einfach mehr und es ist einfach die Stimmung eines Songs aufzugreifen den man auch mag. Ich meine ich mag auch HipHop, aber bin einfach nicht der grösste Fan. Aber wir haben viele HipHop-Begeisterte in unserem Team, und die sind besser geeignet, die Ideen für Mash-ups aus dieser Richtung zu liefern. Es arbeiten ungefähr 15 Leute an den Mixes, da ist immer einer dabei, der auf bestimmt Musikrichtungen spezialisiert ist.
Musstet ihr jeden Mix von den Künstlern absegnen lassen? – Ja, jeder Künstler musste eine Freigabe erteilen. Es war teilweise schon hart, wenn ich mich wirklich in einen Mix reingehängt habe und der Künstler dann nicht zustimmte. Ich meine, keiner hat meine Arbeit gehasst, aber einige waren schon sehr kritisch, wenn man ihren Song in ein völlig neues Outfit gepackt hat. Insgesamt war die Arbeit mit allen Künstlern durchweg positiv, es gab vielleicht zwei oder drei, die ich hier jetzt nicht namentlich nennen möchte, mit denen es etwas schwierig war. Aber die meisten fanden es extrem cool, was wir produziert haben. Es war jedenfalls immer eine Zitterpartie und wäre sehr frustrierend gewesen, wenn ein mit viel Herzblut produzierter Song nicht freigegeben worden wäre. Was zum Glück nur einmal der Fall war.
Es eine Veröffentlichung der Songs auf einer CD-Compilation geplant? – Wir wären die ersten, die dazu bereit wären, da wir ja auch sehr stolz auf die Musik im Spiel sind. Leider ist es auf Grund der Lizenzbestimmungen extrem kompliziert, eine CD-Veröffentlichung zu realisieren.
So haben sich die Leute selbst geholfen und die Songs selbst illegal im Internet veröffentlicht. – Das stimmt, und wir haben wirklich versucht, das zu verhindern. Andererseits macht es mich natürlich sehr stolz, wenn ich sehe wie die Hits auf YOUTUBE stetig ansteigen und wie gross das Interesse an unserer Musik ist. Für mich wäre es grossartig, wenn eine offizielle Compilation veröffentlich würde, aber es ist wie gesagt sehr schwierig. Ich würde mir keine grossen Hoffnungen darauf machen… vielleicht gibt es mal eine mit ausgewählten Songs.
Kannst du mir schon etwas zu geplantem Download Content sagen? – Es gibt auf jeden Fall Pläne, letzte Jahr haben wir ja schon ordentlich DLC angeboten. Einige Tracks, bei den der Lizenzierungsprozess noch läuft werden später als Download erscheinen. Von ist DLC natürlich grossartig, weil wir die Spieler konstant mit neuen Inhalten bedienen können, wodurch das Spiel für sie weiter interessant bleibt. Ich denke Musikspiel sind prädestiniert für Updates, da es ja ständig neue Acts und Songs auf dem Markt gibt.
Vielen Dank für das interessante Interview und vielleicht gibt es ja demnächst Produktionen von dir selbst zu hören. – Ganz bestimmt! Jeder in unserem Team produziert oder legt selbst auf. Auch ich produziere schon seit Jahren und im ersten Spiel gab es auch schon Songs von unseren eigenen Leuten zu hören. Da wird also sicher noch etwas kommen und "DJ Hero" ist da natürlich die ideale Plattform, um die Songs einer breiten Masse vorzustellen.
DJ BLAKEY INTERVIEW:
TREND MAGAZIN: Du warst also bereits DMC-Champion? – DJ BLAKEY: Ja, 2004 habe ich den Contest gewonnen.
Welche Mixes hast du zum Spiel beigesteuert? – Generell habe ich die Ideen zu den Mixes geliefert und sie vorab an zwei Plattenspielern ausprobiert, ob sie überhaupt funktionieren. Mein Input war also mehr die Grundidee zu den Mash-Ups.
Und gefallen dir wirklich alle Songs im Spiel? War es nicht hart sich z.B. mit LADY GAGA auseinanderzusetzen? Musikalisch bewegst du dich ja auch eher im Bereich HipHop. – Ja, auf jeden Fall! Die Songs im Spiel sind genial und bieten auch für jeden Geschmack etwas. LADY GAGA gefällt mir auch tatsächlich ganz gut und ich insgesamt habe ich mich in letzter Zeit mehr der Dance Music zugewendet, spiele sie auch mehr in meinen DJ-Sets.
Gibt es irgendwelche Dinge im Spiel, die für einen normalsterblichen DJ so in der Realität nicht möglich wären? – Im Spiel geht es insgesamt etwas flotter zur Sache, als bei einem echten DJ-Set. Man arbeitet viel mit dem Crossfader und holt mit wenigen Handgriffen viel aus dem Spiel heraus, was natürlich, um das Ganze spielbar zu machen, etwas vereinfacht wurde.
Ich habe gesehen das du für deine Sets eine Laptop verwendest. Ist dieser für ein Mash-up in der Art wie im Spiel dringend nötig? – Eigentlich nicht, denn für solche Mixes verwende ich zusätzliche Buttons die an den Plattenspielern befestigt sind, mit denen ich bestimmte Stellen in einem Song immer wieder abspielen kann. So wie die Cue-Funktion an modernen CD-Playern. Ohne diese wäre es doch sehr schwer solche komplizierten Mixes live zu performen.
Wie sieht es aus mit eigenen Produktionen? Gibt es was von dir im Spiel zu hören, oder womöglich später als Download Content? – Vielleicht (lacht und schaut prüfend zu versammelten PR Manager-Riege, die genau drauf achten, was erzählt wird).
Okay, ich seh’ schon, da herrscht noch Schweigepflicht… dann danke ich Dir für deine Zeit und hoffe, dass Du vielleicht bald mal in der Schweiz einen Auftritt hast.
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