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HYSTERIA: OH MY GOD!
Geschrieben von Graziella Putrino   
Montag, 05. Dezember 2011
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Jolly Molly...
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Ganz elegant, auf einem roten Kissen, überreicht der Schlossdiener seiner Majestät, The Queen of England, ihren Jolly Molly, damit auch sie, in königlichem Gemache, einen beson-deren Teil ihres Intimbereiches bis zum souveränen Hochgenuss durchvibrieren darf.

Diese ist eine der letzten Szenen vom Film „Hysteria“. Bis zum Moment, wo der Jolly Molly der Queen überreicht werden kann, muss der junge Arzt, welcher von den gestandenen älteren Kollegen als Greenhorn und gegen den Strom schwimmend ausgelacht wird, mit der Entlassung aus einem Lazarett und einem nicht gerade fördenden Arbeitszeugnis, sich auf der Suche nach einem neuem Arbeitsumfeld machen. Die älteren Semester der Ärzte gedenken aber keineswegs, sich von einem Neuling in der Medizin, in Sachen Hygiene, Keime und Ansteckungskrankheiten, belehren zu lassen und gewähren dem leidenschaftlichen Mediziner keinerlei Möglichkeit, am Krankenbett tätig zu werden.
Auf der verzweifelten Suche nach einem neuen Arbeitsumfeld, stösst der junge Arzt Mortimer Granville (Hugh Dancy) auf Dr. Robert Dalrymple (Jonathan Pryce). Als gestandener Arzt hat er einen sehr guten Ruf. Zudem gilt er als vermeintlicher Frauen-Experte und ist der erste, welche die Frauen mit der Neu-Diagnose Hysterie behandelt. Die Symptome sind meistens Traurigkeit, Geschlagenheit, Depressionen, launisches Verhalten und Aggressivität. Der erfahrene Arzt besteigt mit seinem trainierten Zeigefinger „den kleinen Hügel“ der Frauen und befreit sie immer mehr von ihren Symptomen.
Als er in beiden Händen von Krämpfen von diesen medizinischen Massage am Kitzel geplagt wird, findet Mortimers medizinische Laufbahn als unerwarteten Partner von Dr. Dalrymple und als Schwiegersohn in spe einen Durchbruch und eine Festanstellung. Die Frauen stehen stundenlang Schlange, um sich vom charmanten Mortimer therapieren zu lassen. Mortimer fühlt sich aber als Menschenhelfer berufen und will alle Kranken behandeln und nicht nur ein sorgeloses Leben führen. Dies behagt Dr. Dalrymple nicht. Als Mortimer wegen einer akuten Sehnenscheideentzüdung gezwungen wird eine Schiene zu tragen, gelingt ihm das Therapie-ren mit dem linken Zeigefinger zur Unzufriedenheit einer der betuchtesten Patientin nicht.
Dr. Dalrymple entlässt Mortimer fristlos. Seine Verlobung mit der jüngeren Tochter Dr. Darlymple nimmt auch ein unbefriedigendes Ende.
Wieder ohne Arbeit und mit einer akut schmerzenden Hand,tut Mortimer sich mit seinem alten Freund und Wissenschaftler Edmund St. John-Smythe zusammen. Dieser experimentiert mit der Elektrizität. Auf dem Sofa seines Freundes setzt er das elektrische Staubenfederngerät – die Erfindung seines Freundes- in Betrieb. Dabei spürt er an der Hand und am ganzen Körper einen wohltuende Wirkung. Fasziniert von dieser Wohltat, fühlt er sich beflügelt und beschliesst, dass dies die Lösung ist für das Therapieren von hysterischen Frauen. Mortimer probiert die Wirkung an der ehemalige Prostituierte Jolly Molly,  welche sein „Versuchska-ninchen“ vor dem Einsatz in der Praxis ist. Nach ihr benennt er diesen Freudegerät.
Es dauert auch nicht lange, bis auch zwischen ihm und Emilys fortschrittlicher und rebellen Schwester Charlotte (eine brillante Maggie Gyllenhaal), welche einen ebenbürtigen Mann sucht und ebenfalls gegen den Strom schwimmt und für die Rechte der Frau -gegen den Willen ihres Vaters sich einsetzt- die Funken sprühen. Mortimer ist inzwischen durch die Patentierung von Jolly Molly stinkreich geworden und setzt sich stark für das Vorhaben Charlottes ein, ein Ärmenhaus mit Schule und Klinik bauen zu lassen.

Der Film zeigt ohne einen Funken an Vulgarität eine Realität, welche auch im Zeitalter der iPod  und Internet in der Medizin nicht eingebüsst hat. Denn, wenn viele Ärzte bescheidener wären, würden sie sich zumindest selber eingestehen, dass die Medizin keine absolute Wissenschaft ist und dass man in dieser Disziplin ständig Anfänger ist. Somit das Etikettieren von vielen Krankheiten für den entsprechenden Mensch nicht nur belastend sein kann, sondern ihn krank macht. So wie einst die Frauen mit der Diagnose Hysterie, welche seit 1952 mit den unverhältnisvollen Folgen abgeschaffen wurde.


Liebeskomödie; (Präsens) UK / FR / DE 2011; Kinostart: 12.1.
 
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