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Home TREND Journal Musik MARLA GLEN
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Geschrieben von Corinne Sutter
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Dienstag, 31. Mai 2011 |
DER FRUST DER HUMANOLOGIN

Ein Interview mit der in Deutschland lebenden US-Soulsängerin ist nicht einfach, wie TREND-MAGAZIN-Mitarbeiterin CORINNE SUTTER erleben musste. MARLA GLEN sprach über ihre Enttäuschungen und über «Humanology», über Menschenkenntnis – das Leitthema ihres neuen Albums.
MARLA GLEN betritt das Zürcher Restaurant, Sonnenbrille tragend, Hündchen auf dem Arm, steuert mit hastigen Schritten zum Flügel und fragt mit ihrer tiefen, männlichen Stimme: «Findet das Interview hier statt?» Dann wendet sie sich mir zu mit einem «Nice to meet you». Das ist sie also, The GLEN.
Viele Künstler bemühen sich auch nach jahrzehntelangem Künstlerdasein um die Gunst des Interviewers, beantworten mit charmanter und stets interessierter Attitüde die zum wiederholten Mal gestellten Fragen. Nicht so MARLA.
TREND MAGAZIN: Ich habe einige Interviews gelesen… – MARLA GLEN: Ja, ich hoffe doch, dass du deine Hausaufgaben gemacht hast! – …und mehrfach gelesen, du hasst die Musikindustrie. – Ich sagte nie, ich hasse die Musikindustrie. Was ich aber nicht mag, ist, wie gearbeitet wird. Sie nehmen dich aus, wenn du noch keine Ahnung hast, und das ist nicht fair. Sie nutzten mich aus, zerstörten meinen Namen. Fällt es dir einfach, darüber zu sprechen? – Ich leide immer noch, aber ich schäme mich nicht dafür. Es ist keine Schande, durchs Leben zu gehen. Mich schmerzt, dass ich nie Gerechtigkeit erhielt.
Hast du dir je überlegt, dass du dankbar sein könntest für deine Vergangenheit, da du jetzt unabhängiger… – Dankbar? Dankbar für was? Nein, es ist dumm, das zu sagen. Weshalb sollte ich dankbar sein, weil jemand alles, wofür ich gearbeitet habe, gestohlen hat? Die sollten dankbar sein, dass sie mit mir zusammenarbeiten konnten. Stattdessen tun sie schlechte Dinge und kümmern sich nicht um Gott.
Gibt es irgendeine Möglichkeit, die Gerechtigkeit zurückzuerhalten? – Nein, denn alle scheinen mit im Spiel zu sein. Ich habe auf dem harten Weg gelernt, dass es ein dreckiges Spiel ist, welches sogar dein nächster Nachbar mitspielen kann. Oder deine Freundin oder Frau. Die lernen es schnell. Es gibt auch keine Anwälte, die sich die wahren Fragen stellen. Alle beschützen sich gegenseitig. Ich hatte welche, die ich bezahlte, die darauf die Seite wechselten, um mich noch mehr auszunehmen. Vielleicht wird es irgendwann geschehen, dass ich einen Anwalt kriege, der sagt: «Hey, diese Person war ungerecht, dass muss untersucht werden.» Mir gehts nur um die Gerechtigkeit, nicht um Geld. Die haben das Geld schon längst verprasst, benannten ihre Kinder nach mir – aber wie auch immer. Ich bin immer noch dieselbe und wurde keine von ihnen und habe die Chance, nochmals von vorne zu beginnen. Es muss aber wieder gleich kommen wie bisher, ich habe ein neues Album draussen. Aber ich sage mir immer, Achtung MARLA, das ist nur ein Test!
Ist es dir möglich, wieder zu vertrauen? – Ich vertraute nie irgendjemandem, ich gab den Leuten einfach Jobs und sie nahmen mich aus. Ich erhielt nie eine Chance zu vertrauen. Oder zu lernen.
Hattest du keine freundschaftlichen Beziehungen zu deinen Mitarbeitern? – Nein, ich habe keine Freunde. Aber ich habe meinen Hund, den besten Freund für den Menschen. – Und Familie? – Ich habe keine Familie. Seit 18 Monaten bin ich geschieden, habe keine Freundin und bin alleine in dieser Welt.
Möchtest du denn Freunde? – Nein. Wenn ich welche hatte in der Vergangenheit, kamen sie mit diesem Lachen, veränderten sich und bissen mich wie eine Schlange. Die einzige Zeit, in welcher ich Freunde hatte, war in meiner Kindheit. Aber die Menschen ändern sich so schnell. Sie lernen sich zu betrügen, zu ermorden, und ich mag das nicht. Die kennen keine Liebe mehr, sondern benutzen sie als Werkzeug.
Ist es denn ein Nachteil, ein Weltstar zu sein? – Ah, ich bin kein Weltstar. Ich bin Sängerin und muss meine Platten verkaufen. Und ich möchte nicht überleben, ich möchte leben mit meinem Talent. Ich möchte behandelt werden, als würde ich bei MC DONALD’S arbeiten. Ich denke, ich bin eine normale – ah, was, normal –, ich denke, ich bin eine gewöhnl… ah, was, gewöhnlich! (lacht laut)…
Ich würde dich auch eher als starke denn als gewöhnliche Persönlichkeit bezeichnen. – Nein, die meisten andern sind einfach nicht stark genug. Stehen nicht auf für ihre Bedürfnisse, behalten sie für sich, bis sie Krebs kriegen. Oder sie bringen sich um, weil sie die echte Essenz des Lebens nicht kennen. Deswegen heisst mein Album auch «Humanology», die Kenntnis des Menschen. Statt den Körper zu trainieren, trainiere ich meine Seele. Daher kommt vielleicht die starke Persönlichkeit. Das ist meine Art, wie ich durchs Leben gehe. Aber natürlich mit der Hilfe des «Elohim», von ABRAHAM, ISAAK und JAKOB. So simpel ist es.
Wirst du weiterforschen in der Humanologie? – Oh nein, ihr seid enttäuschend. (lacht) Durch die Musik ist’s okay, ich möchte die Welt ja nicht verändern. Ich habe einfach mein Talent, das mir hilft, etwas Lebenswahrheit herauszubringen. Ich singe über alles: Mütter, Kinder, Hunde, Katzen, Bäume… Meine Songs sind simpel. Und die Nachricht von Gott ist genauso einfach. Nur ignorieren sie alle.
Hast du dich schon einmal gefragt, ob vielleicht irgendwann bei dir der Zeitpunkt kommt, da alles gesagt ist? – Ich hoffe, mich in fünf Jahren zur Ruhe setzen zu können, um mit meinem Hund durch die Wälder zu ziehen, auf dem Land zu leben und meine eigenen Kartoffeln zu züchten. Aber ich werde im Musikbusiness bleiben. Es gibt immer wieder neue Fans. Solange ich meine Stimme behalte, werde ich singen. Und mit diesem Album beginnt der Kreislauf sowieso erst gerade wieder von Neuem. Für dieses Mal hoffe ich, endlich Spass zu haben, denn ich hatte bisher nie Spass im Musikbusiness.
Was bedeutet dir Musik? – Es ist mein Job. Und es ist der einzige, den ich habe. – Keine Leidenschaft? – Ich bin nicht hier, um Musik zu lieben, sondern um Nachrichten nach aussen zu tragen. Ich lernte nie zu singen, Mundharmonika zu spielen, ich ging nicht zur Schule und besitze keine Diplome – es ist einfach mein natürlicher Job, nichts mehr und nichts weniger.
Und diese Nachrichten sind verpackt in ausdrucksstarke Songs, gesungen mit einer Leidenschaft und Authentizität, die nicht vermuten liessen, dass obige Sätze von deren Sängerin stammen.
Album: «Humanology» (O-Tone / Zyx)
www.marlaglen.net
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Letzte Aktualisierung ( Mittwoch, 01. Juni 2011 )
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