Denkt man an Spiele zu Filmen, läuft es den meisten Gamern kalt den Rücken
hinunter. So waren meine Erwartungen an „Merida – Legende der Highlands“ sehr
tief. Dies hat sich zum Teil bestätigt, Spass hatte ich jedoch zu genüge.
Cutscene Time!
In den
ersten zehn Minuten des Spiels wird man von Zwischenvideos überschwemmt. Zu
gezeichneten Hintergrundbildern sprechen die Figuren darüber, was bisher
geschah. Zum Glück zog sich das nicht durch das ganze Spiel, sonst wäre es
schneller in die Verpackung zurückgewandert, als man das Wort „Cutscene“
aussprechen kann.
Mit der Kraft der Elemente
Merida trägt
einen Talisman, mit welchem sie ihren Pfeilen Elementarkräfte verleihen kann.
Erde, Feuer, Wind und Eis. Jeder Gegner ist gegen ein bestimmtes Element
anfällig, was durch ein kleines Symbol über seinem Kopf angezeigt wird. Zudem
fungieren die Pfeile auch zum Kreieren von Plattformen. Mit Eispfeilen lassen
sich Eisschollen auf dem Wasser erstellen und Erdpfeile lassen kleine Bäume
wachsen. Das Wechseln der Elemente wird gegen Ende des Spiels im Kampf sehr
wichtig, was diesem zumindest ein wenig Komplexität verleiht.
Lineare Levels und unglaubliche Upgrades
Das
Levelsystem ist simpel. Man betritt den ersten Level, schliesst ihn ab und
schaltet den nächsten frei. Man hüpft auf Plattformen, bekämpft Gegner mit
Schwert und Bogen, und reinigt zum Schluss einen verfluchten Wegstein. Die Levels
sind dabei sehr linear gehalten, vom vorgegebenen Pfad kann man jeweils nur
kurz abweichen, um versteckte Gegenstände zu finden.
Etwa zwei
Mal pro Level darf man in einem Laden einkaufen. Die Münzen dazu gibt es von
besiegten Gegnern, versteckten Töpfen und Blumen, die man abschneidet. Damit kann man verschiedene Verbesserungen, wie höhere Effizienz von
Heiltränken, oder bessere Schwertangriffe einkaufen. Viel spannender waren aber
die sogenannten „aufladbaren Schüsse“. Was anfangs nur ein stärkerer Schuss mit
Aufladezeit ist, wird mit dem Kauf weiterer Upgrades zur
Massenvernichtungswaffe. Die Explosionen sind riesig, die Anzahl abgeschossener
Pfeile gewaltig und mein Spassfaktor rasant gestiegen.
Helfende Tatzen
Pro Level
gibt es jeweils einen Abschnitt, in dem man die Steuerung von Meridas, in einen
Bären verwandelter, Mutter, oder ihrer drei ebenfalls verwandelten Brüder
übernimmt.
Als Mamabär darf man sich durch Horden von Feinden metzeln. Das macht Spass.
Die anschliessende Zwischensequenz, welche immer dieselbe ist, tötet diesen
aber gleich wieder. Mit Hilfe der Bärenbrüder müssen simple Rätsel gelöst
werden, meistens um eine Tür zu öffnen. Seltsamerweise waren die ersten Rätsel
schwieriger als die späteren.
Technische Umsetzung hapert
Die grössten
Negativpunkte am Spiel sind im technischen Bereich. Zum einen die Helligkeit,
welche sehr wechselhaft ist. Besonders in dunklen Gebieten sieht man die
Spielfigur öfters nicht gut. Dann die grafische Umsetzung. Das Leveldesign ist
eigentlich schön, es gibt Klippen, verschneite Wälder und sogar einen Vulkan.
Umgesetzt wurde dies aber sehr lieblos, wie man es sich von Filmspielen gewohnt
ist. Schade.
Die
Steuerung geht einigermassen gut von der Hand. Das Zielen mit dem Bogen könnte
besser sein, aber mit dem Erwerb der Pfeilverbesserungen sprengt man sowieso
den halben Bildschirm mit einer Salve.
Fazit
Merida hat
mich überrascht. Ich habe ein langweiliges Action-Adventure erwartet, aber
einen kurzweiligen Baller-Platformer erhalten. Nach fünf Stunden hatte ich den,
ziemlich spannenden, Schlusskampf jedoch gewonnen und das Spiel somit
durchgespielt. Den vollen Preis eines Wii-Spiels ist Merida nicht wert. Kostet
es aber auch nicht. Für jüngere Gamer, welche nach dem Kinofilm noch mehr
Abenteuer mit dem königlichen Rotschopf erleben möchten, ist es aber sicherlich
kein Fehlgriff.
Bilder:
4players, spiegel.de