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PETE DOHERTY
Geschrieben von Corinne Sutter   
Donnerstag, 02. Februar 2012
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BÜHNENINVASION BEI PETE DOHERTY

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Einen Musiker, der während und seit seiner Beziehung zu einem Model – in PETEs Fall KATE MOSS – bekannt wurde, geht man mit gemischten Gefühlen hören. Gut möglich, dass ihm ohne die seiner Exfreundin zu verdankende Publicity die Türen nicht im selbigen Masse offen stünden, ihn seine musikalischen Fertigkeiten weniger weit gebracht hätten.


Andererseits hat sich nicht irgendein Model in ihn verliebt, nein, KATE MOSS, welche sich kaum über Auswahl beklagen dürfte. Diese Tatsache, gepaart mit jener, dass PETE in KATEs Branche wohl nicht mit Aufträgen überhäuft würde, oder zu gut Deutsch, aussieht wie die meisten Sterblichen, spricht doch wieder für ihn als Person und somit vielleicht auch Musiker.
Was man von einem Musiker, der durch Skandale internationale Bekanntheit erlangte, erwarten kann, lässt seine verstorbene und einst viel gelobte Kollegin AMY WINEHOUSE vermuten. Ihre Konzerte bewiesen, dass ihre Skandale keineswegs der Mediengeilheit wegen he­raufgespielt, sondern eiskalte Realität waren. So waren denn viele Fans enttäuscht über ihre Performance, da sie halt doch an die übliche marketingkonforme Übertreibung der in der Klatschpresse publizierten Tatsachen geglaubt hatten, während sich andere vielleicht sogar gerade der Sehenswürdigkeit wegen für den Konzertbesuch entschieden hatten. Zumal ich nicht letzterer Gruppe angehöre und bei Konzerten primär von der Musik berührt und erst sekundär von der Person des Musikers aufgewühlt werden möchte, hatte ich am 21. Januar den für eine Grösse wie PETE DOHERTY doch sehr kleinen, 300 Personen fassenden Club BRIXTON JAMM in London mit gemischten Gefühlen betreten.
Diese blieben denn auch bestehen – anfangs. Doch keineswegs wegen der musikalischen Darbietung des erstaunlich vital aussehenden PETEs. Nein, diese sollte ich gar nicht erst mitbekommen. Der visuelle Zugang zum etwa vier Meter vor mir stehenden Musiker war behindert durch eine Wand in die Luft gehaltener Smartphones. Mit den aus meiner Sicht doch zu kleinen Screens und meist verwackelten Fotos oder Videos vorliebzunehmen, kam nicht infrage. Da das Gedränge gross war, versuchte ich mich, auf der Suche nach einer Ecke mit Publikum höheren Alters, ganz auf die Musik zu konzentrieren. War diese bei den Vorbands noch ohrenbetäubend laut, so galt dieses Attribut nun dem Livegesang der vor und vor allem hinter mir stehenden jungen Männer, welche voller Inbrunst mitlallten. Dank der kurzen zeitlichen Verzögerung ihres Chors drang immer wieder kurz DOHERTYs echte Stimme zu mir durch und ich hatte somit zwei Gründe, einen neuen Stehplatz zu suchen. Bier sei Dank, musste regelmässig ein Zuhörer seinen Platz verlassen, weshalb ich mich bald noch näher vor der Bühne befand und die Sicht auf den Akteur vor mir kaum mehr gestört wurde. Von diesem Moment an konnte ich seine von Melancholie, Abgründen und Sensibilität geprägte Stimme sowie sein versiertes Gitarrenspiel, welches meine Erwartungen weit übertraf, voll geniessen.
Die Dauer des Konzerts entsprach in etwa einem üblichen Set, der Preis der Tickets der Hälfte eines normalen – nur war das Konzert alles andere als normal. Nachdem THE FRANCIS JETTY – leider viel zu laut gepegelt – vielversprechende Songs performten, betrat PETE DOHERTY die Bühne. Er nahm von Beginn weg viel Augenkontakt, darunter auch verschmitzten, zum Publikum auf. Innig spielte er seine Songs – so lange, bis er nicht mehr spielen konnte. Begonnen hat das Chaos, als PETE seine Gitarre einem Zuschauer übergeben hatte, welcher interessanterweise mithilfe eines Typen der Crew auf die Bühne hochklettern konnte. Der junge Mann klimperte auf der Gitarre, PETE trommelte auf das Schlagzeug und warf sich dann ins Publikum. Darauf kroch auch der ziemlich betrunkene und sprichwörtlich grosse Fan, der direkt neben uns und somit auch gerade bei der Bühne stand, auf die Bühne. Obschon dann auch die Bodyguards eingriffen, galten fürs Publikum von diesem Moment an keine Gesetze mehr. So tummelten sich zahlreiche Fans auf der Bühne, jetzt allerdings unter etwas strengerer Beobachtung der überforderten Bodyguards. Wer ganz ausfällig wurde, wurde wieder runtergestossen, andere wie wir durften auf Augenhöhe geniessen. Dies schien ganz nach PETEs Geschmack zu sein, welcher nicht nur sich mehrmals, sondern am Ende des Konzertes auch seine Gitarre ins Publikum schmiss.
PETE DOHERTY spielt nicht nur regelmässig im besagten JAMM, sondern auch sonst in kleinen, intimen Clubs in London, wo sich der Musiker sichtlich wohlfühlt. Meine Empfehlung habt ihr.
Letzte Aktualisierung ( Donnerstag, 02. Februar 2012 )
 
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