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RAGE
Geschrieben von Matthias Haller   
Montag, 10. Oktober 2011
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PAKETBOTE DER ZUKUNFT
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Wenn der Quasi-Erfinder des Ego-Shooter-Genres ein neues Spiel auf den Markt bringt, dann horcht die Spielergemeinde neugierig auf. Mit «Rage» hat sich id Software einiges vorgenommen. Ob man sich dabei evtl. sogar zu viel vorgenommen hat, erfahrt ihr in unserem Review.

In der Zukunft steht die Menschheit einmal mehr vor ihrer Vernichtung. Der Asteroid Aprovis rast auf die Erde zu und droht alles Leben zu vernichten. Eine ausgewählte Gruppe von Menschen wird tief unter der Erde in sogenannten Archen in den Kälteschlaf versetzt, in der Hoffnung den Einschlag zu überleben und somit den Fortbestand der menschlichen Rasse zu sichern. Wir schlüpfen in die Rolle einer dieser Auserwählten, der einige Jahrzehnte später unsanft aus seinem Schlaf erweckt wird.


Düstere Zukunft

Die Kältekammer öffnet sich, Funken fliegen umher und die stark verwesten Leichen in den anderen Kammern lassen darauf schliessen, dass unser Hauptprotagonist Glück hatte, dass er mit dem Leben davonkommen ist. Nach einem kurzen Update durch den Bordcomputer werden wir aus der Arche in die Freiheit entlassen. Die Sonne bricht durch einige Wolken am ansonsten strahlend blauen Himmel, und es scheint so, als hätte sich zumindest die Atmosphäre vom Einschlag erholt. Dennoch merkt man deutlich, dass hier kein Stein auf dem anderen geblieben ist, karg erstreckt sich vor uns eine Steinwüste, in der Ferne machen wir einige Ruinen aus. Noch bevor wir uns auf den Weg machen können fällt uns ein grausam entstelltes Wesen an. Ein Schuss fällt und das Biest ist niedergestreckt. Ein Fremder in einem Buggy hat uns das Leben gerettet  und fordert hastig dazu auf, mit ihm mitzukommen. Die Welt, wie wir sie kennen existiert nicht mehr, Gangs und Mutanten sorgen im Wasteland für Angst und Schrecken unter den in Siedlungen lebenden Überlebenden der Katastrophe. Wo unser namenloser Held da hineingeraten ist und wohin in die Reise führt, ist zu dem Zeitpunkt noch nicht abzusehen, doch man muss schnell lernen, um in der Welt von «Rage» zu überleben.


Lieferservice 2.0

Nach einem sensationellen Auftakt, der in Sachen Atmosphäre schon mal ganz grosses Kino bietet, und schon allein durch die Grafikpracht für runterklappende Kinnladen sorgt, folgt aber ziemlich schnelle Ernüchterung. Aber fangen wir von vorne an. «Rage» versteht sich als Open-World-Action-Spiel mit Rennspiel-Einlagen. Das klingt im ersten Moment spannend, doch leider fällt die Umsetzung überraschend eintönig aus. Zwar darf man die offenen Welt von Beginn an weitestgehend frei bereisen, doch um die Story voranzutreiben und neue Missionen freizuschalten, gilt es die Aufgaben, die euch von diversen Einwohnern der verschiedenen Siedlungen gegeben werden in festgelegter Reihenfolge abzuarbeiten. In 90 Prozent der Fälle laufen die Aufträge folgendermassen ab: Man erhält einen Gegenstand, liefert diesen an anderer Stelle ab, erhält wieder einen Gegenstand oder eine Info, die man dann wieder zurückbringt. Dabei kurvt man mit seinem Buggy zwischen den immer gleichen Schauplätzen hin und her, erledigt die ständig an selber Stelle wiederauftauchenden Gegner, nur um dann wenige Minuten später genau das Gleiche nochmals durchzumachen. Schon nach kurzer Zeit kommt man sich vor wie der sprichwörtliche Bote vom Dienst, der nur aus dem Kälteschlaf geweckt wurde, um einen genetische überlegenen Postboten für die Siedler abzugeben. Nur selten, wie in einer Missionen, in der man aus einer Ruinenstadt Teile für einen durchgeknallten Wissenschaftler besorgen muss, blitzt ein wenig durch, wie genial das Spiel hätte werden können, doch leider bilden solche Einsätze die Ausnahme. Mit einem haushohen Ungetüm im Nacken und ständig neu anrückenden Horden von entstellten Mutanten, die einen durch dunkle Gänge jagen, kommt richtig Stimmung auf und man ist heilfroh, wenn man einigermassen unversehrt aus den Ruinen entkommt.


Kaufrausch

Für absolvierte Missionen erhält man Geld, welches man bei örtlichen Händlern in neue Waffen, Munition und Gagets investieren kann. Besitzt man die nötigen Baupläne, kann man sich z.B. Selbstschussanlagen, Granaten oder Heilungs-Items basteln. Ausserdem kann man nicht benötigte Gegenstände verkaufen, davon finden sich bei genauerem Hinsehen nämlich reichlich in den einzelnen Level-Abschnitten. Besonders Munition sollte man immer genügend dabei haben, da die Feinde zahlentechnisch weit überlegen sind. Unverständlich ist, dass man Waffen und Munition erledigter Gegner nicht aufsammeln kann, lediglich spärlich verstreute Munitionsvorräte darf man seinem Inventar hier und da hinzufügen.
Da man einen grossen Teil des Spiels in einem Fahrzeug unterwegs ist, ist es auch durchaus ratsam dafür zu sorgen, dass das Gefährt ordentlich Feuer-Power und Upgrades am Start hat. Die benötigt man auch in den Renn-Heruasforderungen, in denen die Gegner nicht gerade zimperlich zur Sache gehen.


Grafikbombast fordert Tribut

Die Grafik von «Rage» lässt sich mit einem Wort beschreiben: bombastisch. Der Detailgrad gepaart mit tollen Licht- und Partikeleffekten sowie teils gestochen scharfen Texturen ist ein Fest für die Augen. Viele Liebe wurde auch in die einzelnen Siedlungen und dort lebende Charaktere gesteckt. Die teils mit mechanischen Teilen ausgestatteten Protagonisten haben alle eine eigene Persönlichkeit und könnten direkt einem Kinofilm entsprungen sein. Die Animationen sehen durchweg klasse aus, seien es nun angreifende, teils an Wänden entlanglaufende Mutantenviecher, ein Spinnenroboter, der zur Verteidigung eingesetzt werden kann oder die vielfältigen Gesprächspartner, auf die man im Laufe der Kampagne trifft. Doch auf den zweiten Blick erkennt man dann doch, dass hier nicht alles Gold ist was glänzt. So wirken einige Texturen bei näherer Betachtung extrem matschig und verwaschen. Zudem laden die Texturen teils sichtbar spät nach, was den auf den ersten Blick überragenden Gesamteindruck doch deutlich schmälert. Ganz schlimm wird es, wenn man den Titel nicht auf der Festplatten installiert. Dann laden die Texturen praktisch ununterbrochen nach, jede Drehung, jeder Schritt wird mit einploppenden Grafikelementen quittiert. Trotz der Auslieferung auf drei Disks ist das Grafikfeuerwerk offenbar zu viel des Guten für die XBOX 360. Installieren ist also Pflicht und fällt mit 22 Gigabyte Speichervolumen auch noch saftig zu buche.


Inszenierung vom Feinsten

Auch die Geräuschkulisse kann sich hören lassen. Angefangen bei den fast durchweg guten, deutschen Synchronstimmen, über satte Explosions- und Waffen-Sounds, bis hin zu Umgebungsgeräuschen, wie z.B. dem Hall der Schritte, wenn man sic in einer Katakombe bewegt, sorgen für eine authentische und dichte Atmosphäre. Wenn der Wind durch verlassene Ruinen weht und dabei Staub aufwirbelt wähnt man sich beinah in einem Film, als in einem Spiel. Überhaupt wirkt die Welt sehr glaubhaft und in den Siedlungen läuft so einiges, was einem tatsächlich den Eindruck vermittelt sich in einem Filmset zu bewegen. Der Detailgrad ist enorm hoch, und alles wirkt wie aus einem Guss. Dass das Ganze eben durch Ladezeiten und Pop-ups bei den Texturen erkauft wird, ist der bittere Beigeschmack, denn man entweder hinnimmt oder sich ständig darüber aufregt.


Fazit: Eine offene Spielwelt mit Endzeitszenario, Rennspielelemente und eine bombastische Grafik sind eigentlich die richtigen Zutaten, um einen Shooter-Hit auf die Beine zu stellen. Dass dabei letztendlich nur unglaublich hübsches Mittelmass herausgekommen ist, hat vor allem das monotone und uninspirierte Missions-Design zu verschulden. Als Postbote mit der Lizenz zum Töten erledigt man die immer gleichen Aufgaben an den immer gleichen Schauplätzen. Das ständige Hin und Her zeigt schon nach ein, zwei Spielstunden Ermüdungserscheinungen, kann aber durch einige durchaus gelungene Missionen gerade noch gerettet werden. Die eigentlich gelungene Atmosphäre erhält durch technische Mankos wie ständig ins Bild poppende Grafikelemente und teils extrem verwaschene Texturen einen herben Dämpfer. Und wenn man zum x-ten Mal eine Gegnerwelle nach der anderen niedergemäht hat, ist auch aus den Shooter-Abschnitten irgendwann die Luft raus. Die Fahrsequenzen bieten dafür eine nette Abwechslung, und wurden gut ins Spiel integriert. Nur die Steuerung der Vehikel nicht ganz ideal und teils viel zu direkt. «Rage» ist alles andere als ein schlechtes Spiel geworden, aber der erhoffte Über-Shooter des Jahres ist es leider nicht. Wie man eine Hammer-Optik mit einer spannenden Kampagne verknüpft hat jüngst SONYs «Resistance 3» eindrücklich vorgemacht. Mit einem Kaliber wie diesem kann sich das id-Software-Abenteuer nicht messen. Wer sich dessen bewusst ist, erhält aber sehr solide Action-Kost, der es einfach an Abwechslung mangelt.


«Rage»; Action; XBOX-360-Version; (id Software / Bethesda)

Wertung: 85%

+ Bombastische Grafik
+ Glaubhafte, detaillierte Endzeitwelt
+ Viele Waffen und Gadgets
+ Sehr gute deutsche Synchro
+ Licht- und Partikeleffekte
+ Tolle Animationen
+ Ausgefallene Charaktere
+ Spannende Story
+ KI sorgt für packende Shoot-outs
+ Gute Soundkulisse im Allgemeinen

- Lahmes, sich wiederholendes Missions-Design
- Heftige Pop-ups
- Texturen laden häufig und sichtbar nach
- Teils sehr verwaschene Texturen
- Gegner tauchen immer wieder auf
- Häufiges Backtracking
- Viele ähnliche Gegner


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Letzte Aktualisierung ( Dienstag, 11. Oktober 2011 )
 
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