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RUSHIT
Geschrieben von Juerg Kilchher   
Donnerstag, 05. Mai 2011
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RAPPER AUS BERNS GHETTO
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Dort, wo Bern hässlich ist, liegt der Bezirk Bethlehem mit seinen vielen Wohnblocks, dem hohen Ausländeranteil, Drogenhandel und Gewalt. Hier wohnt der Rapper RUSHIT HAZERI seit seinem dritten Lebensjahr. Es ist das Gäbelbachquartier, das ihn roh gemacht, den Slang gelehrt hat.

Aber trotz oder gerade wegen seiner albanischen Wurzeln hat er sich hier ein Durchsetzungsvermögen und scheinbar unverwüstliches Selbstvertrauen antrainiert. Aktuell läuft sogar der Film «Moi c’est moi» in den Kinos, der von RUSHITs 14. bis
16. Lebensjahr handelt. Der schlanke Junge mit dem lebhaften Blick spricht damals wie heute gerne über sich selbst und seinen Traum, mit seiner Musik und seinen Raps über das Leben als Kosovo-Schweizer berühmt zu werden.
Nun ist er fünf Jahre älter, an der Schwelle zum Mannwerden und hat ein Problem. Seine Familie wird aus der Wohnung geworfen, weil eines Morgens die Polizei die Bude wegen Verdacht auf dubiose Geschäfte stürmte. RUSHITs Vater wird bei einem Schusswechsel verletzt. Dabei hatte sich der Rapper in letzter Zeit doch so Mühe gegeben. Zwar hat er auch nach vier Jahren Suche keine Lehrstelle gefunden, aber er steht nun vor dem Mittag auf, holt die Freundin von der Schule ab und hat nachts innert Wochen 18 Songs für ein kommendes Mixtape, das im Mai unter dem Titel «Die Strassen von Bern» erscheinen soll, fertiggestellt. Darauf werden keine Gäste zu hören sein, nur seine Hiphop-Kombo BLOCKJUNGE. Anders als das im Internet kursierende Video «Wie so» rappt RUSHIT nun auf Berndeutsch und spricht dabei nur von sich selbst und seiner Familie. Wie der Film soll die Platte eine Dokumentation von einem Mensch am Rande der Gesellschaft sein, den die Schweiz für seine fremden Wurzeln straft. Er sucht eigentlich nur das, was jeder von uns braucht, um zu überleben: Aufmerksamkeit und Anerkennung. Sein Vorbild ist BUSHIDO und sein Antrieb ist die Angst, in die Kriminalität abzurutschen, wenn es mit der Musik nicht klappt.
Rap gibt seinem Leben einen Sinn und schenkt ihm die Hoffnung auf das grosse Geld, das er dort zu finden glaubt. Früher hatte RUSHIT dafür noch gedealt und stets ein Messer bei sich getragen. Heute wirkt er ruhig, gefasst, spricht auch über Kleidung, sein Lieblingsgetränk Eistee und seine Freundin. Sie scheint ihn etwas geläutert und den Egoismus eingedämmt zu haben, nicht aber den Wunsch Musik zu machen. Der ist nach wie vor riesengross. Nicht zuletzt deshalb, weil er dann andere Blicke als Verachtung und Hass, wie einige Internetbeiträge zeigen, auf sich ziehen würde. Und dafür lohnt es sich doch, auf den Strassen der Bundeshauptstadt zu leben.


BLOCKJUNGE, Mixtape: «Die Strassen von Bern»
 
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