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Home TREND Journal Musik THOMAS D.
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Geschrieben von Corinne Sutter
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Donnerstag, 05. Mai 2011 |
DIE RÜCKKEHR DES REFLEKTOR FALKEN
Noch einmal liest er uns die Leviten – REFLEKTOR FALKE ist zurück, mit «Lektionen in Demut 11.0». Was für ein Albumtitel, mag sich der U-20-Leser zurecht fragen, unwissend, dass vor genau zehn Jahren dasselbe Album schon einmal erschien. Damals hatte der deutsche Rapper THOMAS D., Mitglied der FANTASTISCHEN VIER, sein zweites Soloalbum herausgegeben und in Sachen Tiefgang die Messlatte des deutschen Sprechgesangs so weit angehoben, dass es für die grosse Masse zu abgehoben gewesen sein dürfte. Abgehoben wie der Falke, der die Welt aus der Distanz als Ganzes erfasst und reflektiert.
THOMAS D.: Du wirst mich jetzt also während des Interviews karikieren? – CORINNE SUTTER für das TREND MAGAZIN: Genau – also, schau mir bitte immer direkt in die Augen. Übrigens: Gratulation! Endlich mal einer, der das Verb kennt! – THOMAS D.(frech grinsend): Ich bin schliesslich auch ein Mann des Wortes. – Also, ein «Mann der Wörter» würde es sicher besser treffen, in Anbetracht deiner Texte. (Anmerkung: Die Songtexte von THOMAS D. sind ganze Geschichten.)
Damit die junge Leserschaft einen Hintergrund zu deinem vor zehn Jahren geschaffenen Alter Ego «REFLEKTOR FALKE» hat: Wie kam es dazu? – Ich bin ein grosser Comicfan. Es war immer mein Traum, eine Kunstfigur zu schaffen, welche die Welt aus ihrer Perspektive reflektiert. Somit war der «Reflektor» von Anfang an klar. Und der «Falke» gefiel mir einfach.
Und dieser hat es auf den Menschen abgesehen, wobei die Kunstfigur in all ihren Aussagen deine Einstellungen vertritt: Du stehst für einen nachhaltigen Lebensstil ein und lebst diesen. Aktuell ist die Debatte um die AKWs sehr heiss. Was für Strom bezieht ihr in der M.A.R.S.? («Moderne Anstalt Rigoroser Spakker», die Landkommune, in welcher THOMAS D. mit Familie lebt.) – Zum Teil von Solarpanels. Aber ganz autonom kommen wir leider nicht aus. Auch sonst hat das nachhaltige Leben seine Grenzen, leider. Es ist oft unvermeidbar zu fliegen, und wie das den Fussabdruck verschlechtert, ist allgemein bekannt.
Wenn alle lebten wie ihr auf der M.A.R.S., würde unser System dann funktionieren? – Es ist anmassend, diese Frage zu bejahen. Jeder, der dies bisher von sich behauptete, wurde machtsüchtig oder zum Tyrannen. Natürlich versuchen wir so zu leben, dass wir unsere Zufriedenheit finden, ohne dabei zu schaden. Wir essen keine Tiere, schon alleine aus diesem Grund. Aber auch, da erwiesenermassen genügend Essen vorhanden wäre, um die gesamte Menschheit zu ernähren. Der Mensch bevorzugt es, Mais an Tiere zu verfüttern, auf dass wir sie essen können.
Wie fühlt es sich an, Texte geschrieben zu haben, die heute noch aktueller sind als 2001? – Es bringt nichts, zu denken, Mensch, hättet ihr doch alle auf mich gehört, so hätten wir manch Problem von Klimawandel bis Welthunger abwenden können. Es ist schwierig, Menschen zum Handeln zu bewegen. Die meisten fühlen sich wohl zu unwichtig, denken, ihr Verhalten hätte auf der Welt wenig Gewicht. Ich bin da ganz anders gesinnt, bin mir sicher, dass jeder Einzelne sehr viel bewirken kann. Es gibt Buddhisten, die für den Frieden beten und dafür von Manchem belächelt werden. Aber es wäre mir natürlich lieber gewesen, ich hätte nicht recht behalten und könnte heute sagen, die Scheibe sei damals aktuell gewesen, doch habe sie heute an Aktualität verloren.
Und jetzt hast du die identischen Texte nochmals eingesungen, mit warmen, vielschichtigen Melodien und Beats hinterlegt und erhoffst so, eine neue, breitere Hörerschaft zu erschliessen? – Es trifft sicher zu, dass ich neue Hörer erreichen möchte. Nur schon jene, die damals zu jung waren. Die Geschichte, ihre Aussagen sind mir einfach selber so wichtig, dass ich sie nochmals umsetzen, mitteilen wollte.
Angenommen, das Remake fände jetzt eine grosse Hörerschaft, die dann aber den Texten wenig Bedeutung beimisst. Würde dich als Poet das befriedigen? – Das wäre dann quasi die Stufe 1 der Hörer. Wenn jemand einfach ein tolles Hörerlebnis hat, ist das viel wert. Dann gibt’s aber immer auch jene, die den Text verinnerlichen, Teile der darin enthaltenen Messages für sich mitnehmen, was meinem Schaffen natürlich weiteren Sinn verleiht.
Apropos Sinn: Worin siehst du den Sinn des Lebens? – (überlegt lange) Das Leben als Ganzes ist völlig sinnlos. Es gibt für mich keinen Grund, weshalb es – insbesondere menschliches – Leben gibt. Aber der Mensch lebt. Die grösste Zufriedenheit und somit wohl der Sinn dürfte irgendwo zwischen einem Atemzug und dem nächsten liegen.
Dass die Karikatur nachdenklich ausgefallen ist, wundert kaum. «Seh ich alt aus», meint THOMAS, lacht los und erfreut sich besonders der Falken-Interpretation mit seiner Lieblingsmütze.
Album: THOMAS D. präsentiert REFLEKTOR FALKE: «Lektion in Demut 11.0»; www.thomasd.net
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Letzte Aktualisierung ( Freitag, 06. Mai 2011 )
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