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TOMMY VERCETTI
Geschrieben von Juerg Kilchher   
Freitag, 05. November 2010
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RAP OHNE VULGÄRE KRAFTAUSDRÜCKE

Er rappt mit seiner hoher Stimme schneller, als die Berner denken können. TOMMY VERCETTI sorgt mit seinem Debütalbum «Seiltänzer» für Furore. TOMMY VERCETTI passt jedoch in kein Klischee.


tommy01_farbe.jpgAls SIMON K. aus der Menge der Menschen zum TREND-MAGAZIN-Interview im Bahnhof Bern auftaucht, ist er zwar als TOMMY VERCETTI der erfolgreichste Berner Rapper der Stunde, doch auch nach 40 Minuten Gespräch über den Musiker ist kein Rapperklischee bestätigt. Liegt es daran, dass er aus einem behüteten Elternhaus in Ostermundigen stammt, kein Problemkind war und erst jetzt, nach zehn Jahren als Freizeitrapper im Underground, als gesetzter 29-Jähriger an die Öffentlichkeit tritt? Vielleicht ist der als Grafiker Arbeitende einfach etwas scheu und nimmt den Mund nie voll, sondern sucht lieber nach den richtigen Worten in seiner Alltagssprache, die er auch in seinem Sprechgesang einsetzt. Zwar hat er als Mittelschichtskind eines Druckers immer Rap gehört. Weil dieser Stil mehr erzählen kann als Liederstrophen, mag er noch heute die US-Rapper, suchte aber nie direkten Kontakt zur Berner Szene und geht auch heute fast nie an Konzerte.
Er hat mit den Produzenten PABLO NOUVELLE und ONUR, beides Musiker von den GAMEBOIS, und KOOL-SAVAS-DJ SIR JAI als Mischer drei Spezialisten gefunden, die seine dreijährige Arbeit am «Seiltänzer»-Album mit Beats und einem Schuss Pop versahen, der die Stimmungen VERCETTIs auf den Punkt brachte, sodass das Album gleichzeitig leicht und echt rüberkommt.
Als Student der visuellen Kommunikation lernte TOMMY Inhalte mit einer Ästhetik zu verpacken und so sucht man auch auf der Platte vergeblich nach vulgären Kraftausdrücken. Für ihn sei das Texten eine Freude an der Sprache, die er zusammen mit seiner Sucht nach Schoggi auch beim Lesen von Klassikern empfindet. Ansonsten liebt der Mann, der nun mit seiner Freundin in der Stadt wohnt, GREIS zu seinen Freunden zählt, die Philosophie und Politik. Als Junger sei er im letzten Jahrzehnt oft in der alternativen Kulturstätte REITHALLE gewesen und habe sich viele Gedanken über die Globalisierung und den Sozialismus gemacht. Er diskutiere noch heute gerne darüber mit seinen Freunden. Er hasst den Stress und Zynismus oder Autoritäten. Viel lieber sucht er seine Ruhe, wo er seinen Gedankengeburten nachhängen kann. So sei sein Debüt auch der Versuch gewesen, seine Haltung zum Leben, seinen Mann zu stehen, rüberzubringen. Interessant ist beim Gespräch über diese Haltung, dass TOMMY VERCETTI den Tod, die Religion und die Ethik nicht ausklammert wie auch seine Angst, dass vielleicht der «Seiltänzer», weil er so kompakt ist, sein einziges Werk sein könnte, in dem er schon alles gesagt und gegeben hat.
Doch in den nächsten Wochen stehen Gigs an und dann wird sich zeigen, ob der SIMON K. mit viel Hirn und dem geliehenen Namen aus einem Videospiel die Leute auch live begeistern kann.

Album: «Seiltänzer» (Musikvertrieb)
www.tommyvercetti.ch
 
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