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Geschrieben von Juerg Kilchherr
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Freitag, 04. November 2011 |
LEBEN, LIEBEN UND MUSIK IN THUN

Thun gilt für viele als Tor zum Berner Oberland oder als Station des letzten WKs. Doch wie erleben Musiker die Stadt mit 42’000 Einwohnern heute? TREND-MAGAZIN-Mitarbeiter JUERG KILCHHERR schlendert mit der Poprockband UNDISCOVERED SOUL durch die Strassen.
Die meisten Touristen strömen vom Bahnhof an den Schiffssteg des Thunersees, doch Sänger JAY und der Gitarrist MICHI von UNDISCOVERED SOUL können keine hundert Meter gehen, ohne dass ihnen jemand hallo sagt. Die zwei sind keine Einheimischen und erst seit rund zwei Jahren hier sesshaft, doch viele Junge, die hier leben, kamen aus den Dörfern und Bergen nach Thun und blieben hier und so kennt man sich wieder, was der Stadt etwas Heimeliges gibt.
Die Schiffslände und der Schadaupark sind die Grünflächen, wo sich viele Jugendliche treffen, und hier gibt’s einen Überblick, wer denn hier eigentlich lebt. Es sind im Gegensatz zu den reichen Gemeinden des linken Seeufers wie Oberhofen, wo POLO HOFER wohnt, das gemeine Volk und viele Ausländer aus verschiedenen Nationen, die das Leben Thuns prägen. Und im Unterschied zu Bern, das in letzter Zeit gehetzt und wirtschaftsorientiert wirkt, ist der Schwatz mit dem Kollegen in den Gassen hier gern gesehen.
Und so findet man die Musiker oft auf dem Mühleplatz, wo ab den ersten warmen Sonnenstrahlen bis tief in den Herbst hinein das leichte Leben stattfindet. Cafés, Bäckereien, mehrere Restaurants und unzählige Stühle im Freien prägen das Bild, während die Aare meterhoch unter der alten Brücke davonschwimmt. Hier seien einige Texte und Ideen entstanden zum Debüt «Dresscode Love». Mit diesen melodiösen Liedern über die Suche nach sich selbst und der Liebe geht die Band im November auf Englandtournee, obwohl sie in der Schweiz keinen Plattenvertrag hat. Trotzdem verkauft sich ihre CD wegen der akustischen Aufnahmen in den Gassen gut.
Die Thuner Altstadt ist gut erhalten und somit Zeugin vom Handel aus dem 12. Jahrhundert. Auf den einzigartigen Hochtrottoirs in der oberen Gasse lädt der Kleinhandel zum Shoppen ein. Der Ausgang findet seit der Schliessung der Unterhaltungsmeile Servelareal nun am Ufer oder den wenigen verbleibenden Lokalen wie dem Café MOKKA statt. UNDISCOVERED SOUL durfte hier zum 25-jährigen Jubiläum der Musikbeiz spielen, die auch heute der Treffpunkt für Konzerte und musikalische Entdeckungen ist.
Im Winter könne aber Thun schon langweilen. «Vor allem jene, die nicht Ski fahren», meint MICHI und schaut vom Dach seiner Wohnung auf das Alpenpanorama. Kontakt zu den Touristenorten des Berner Oberlandes habe man seit der Schliessung des Servelareals weniger und der Blues hänge noch Jahre nach der Schliessung über dem ganzen Oberland. Leider hat die Stadt auch das Drogenmilieu nicht im Griff und so werden wir angequatscht. Auch seien die Gewalt an manchen Wochenenden und die Differenzen mit den Ausländern Gründe, warum es zu Problemen kommen könne, gibt MICHI zu verstehen und fügt an, dass er im Alter von 22 Jahren (!) auch ganz gerne zu Hause bleibe. «Dafür bin ich tagsüber gerne am Kaffeetrinken und Flirten, denn Thun
hat einfach die schönsten Frauen der Schweiz», sagt er nicht ohne zu schmunzeln. Packt die Koffer und reist wie manche Musiker (PHILIPPE FANKHAUSER) oder die Videokünstlerin CHANTAL MICHEL ins Ausland und wird Jahre später als Künstler zu Hause anerkannt.
UNDISCOVERED SOUL, Album: «Dresscode Love»
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