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WARUM IMMER DIE ZOMBIES?
Geschrieben von Anna L. Ettlin   
Samstag, 11. August 2012
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DIE ZEIT DER ZOMBIESPIELE

ZIEHT SICH HIN

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DayZ und The War Z schlagen wie Bomben in die Videospielszene ein. Zombies haben noch lange nicht ausgedient – obwohl sie eine reiche Geschichte hinter sich haben. Oder bringt Z im Namen einfach Glück?


„Hallo

Wir ham von deiner Pool-Party gehört. Finden wir lustick. Wir komm rüber.

Herzlichst,

die Zombies“

So lautet einer der Briefe, die die Antagonisten aus Pflanzen vs. Zombies an den Spieler schicken. Doch eigentlich sollte ein Brief von den Zombies anders lauten. Zum Beispiel könnten sie uns fragen, warum wir sie so gerne umbringen, wo die Armen doch schon tot sind. Oder wie wir auf die Idee kommen, unseren zombifizierten Zeitgenossen lächerliche Eigenschaften zuzuschreiben, wie mangelnde Resistenz gegenüber von Pflanzen, Unfähigkeit, Wasser zu überqueren, unstillbarer Hunger nach Gehirn oder gar Rechtschreibschwäche.


Und wie kommen wir eigentlich darauf?

Es gibt zahllose Zombie-Darstellungen in den Unterhaltungsmedien, aber in Videospielen scheinen sie besonders fest Fuss gefasst zu haben. Das bezeugt der bahnbrechende Erfolg der DayZ-Mod für Arma II. Weit über eine Million Spieler haben sich die Open-World-Mod geholt und die Entwickler wollen noch bis Ende 2012 ein eigenständiges Spiel daraus machen – weniger als ein halbes Jahr nach der Erstveröffentlichung. Das hat aber wohl nicht mit Zombies zu tun, sagen manche. DayZ ist eine detaillierte Simulation einer postapokalyptischen Welt, einzigartig und komplex. Es hat bloss Zombies drin.


Das mag ja sein, aber...

Hammerpoint Interactive, ein Entwicklerstudio, von dem noch nie jemand gehört hat, spriesst aus dem Boden wie ein Pilz im Regen und kündigt für Herbst 2013 ein Spiel an: ein Open-World Survival-Horror MMO, mehr Simulator als Spiel. Mit Zombies. Anstatt als fantasielos und opportunistisch beschimpft zu werden, erhält The War Z innerhalb von 24 Stunden über 100‘000 Anmeldungen für die Closed Beta. Sergey Titov von Hammerpoint International behauptet, die Idee habe man im Studio schon lange gepflegt. Na dann, ein Hoch auf Open-World-Spiele – die Zombie-Frage ist damit jedoch nicht beantwortet.


Woher kommen die ganzen Zombies?

Das Wort Zombie wird auf afrikanische Völker und vor allem auf deren Nachkommen auf der Insel Haiti zurückgeführt. Voodoo-Zombies haben mit den uns vertrauten hungrigen Untoten allerdings wenig zu tun: Sie sind willenlose Gestalten, die einem Bokor (Schwarzmagier) dienen. Tot sind sie nur im eigenen Glauben, denn der Bokor versetzt seine Opfer in einen Scheintodzustand. Nach dem Erwachen haben die armen Zombies keine Wahl, als den eigenen „Tod“ zu akzeptieren und dem Magier zu gehorchen. So lautet jedenfalls die beliebteste Theorie. Direkt an die Voodoo-Lehre angelehnt ist das Spiel Shadow Man, das 1999 für PC, PlayStation und Dreamcast erschien.

Die meisten unserer Videospielzombies verdanken ihre Existenz und Beschaffenheit aber fast ausschliesslich dem Film Die Nacht der lebenden Toten von George A. Romero. Der low-budget Horrorfilm erreichte nach seiner Premiere in 1968 Kultstatus und prägte den Begriff Zombie bis in die heutige Zeit: unersättliche wandelnde Leichen, die ihre Existenz weniger der Magie und mehr der Chemie zu verdanken haben – und zu unserem Glück weder besonders schnell sind, noch durch intellektuelle Leistungen glänzen.


Filme sind OK, aber wir reden hier von Games!

Zwischen Romeros Erfolg und dem Einzug seiner Kreaturen in elektronische Unterhaltungsmedien verging über ein Jahrzehnt – hauptsächlich aufgrund des geringen Alters der besagten Medien. Doch die Videospielindustrie hat schnell aufgeholt. Mittlerweile existieren viele Zombie-Games – und noch mehr Games mit Zombies drin. Angefangen hat der Wahn in den flauen Jahren nach dem Video Game Crash von 1983, der der zweiten Konsolengeneration in Nordamerika ein trauriges Ende bereitet hatte. Pong und Space Invaders waren den Käufern verleidet – wahrscheinlich, weil keine Zombies darin vorkamen.

1984, ein Jahr vor dem Erscheinen der NES, kamen gleich zwei Zombie-Spiele auf den Markt: Zombie, Zombie, ein Action-Spiel  für ZX Spectrum und der Actiontitel The Evil Dead für Commodore 64. Systemanforderungen von 48 kB Arbeitsspeicher und Kassettenlaufwerk werden viele der heutigen Gamer in Staunen versetzen. Oder in Lachkrämpfe. Andere werden wohl einen Nostalgieschub verspüren. Wie dem auch sei, die Zombies waren gekommen und mussten nun von den Spielern endgültig ins Jenseits befördert werden.

Sie waren gekommen um zu bleiben. 1986 erschien das erste Spiel von Ubisoft: Zombi. 26 Jahre später wird eine exklusive Neuveröffentlichung angekündigt: ZombiU für die WiiU-Konsole.  Mehr Pixel, weniger Pixeloptik – inwiefern ZombiU Nostalgiewert hat, oder überhaupt anstrebt, wird sich zeigen. Aber die Zombies sind dabei.

Es ging weiter: Sweet Home für NES, Corpse Killer für Sega Saturn und Isle of the Dead für DOS erschienen – zusammen mit weiteren Zombie-Titeln – zwischen 1989 und 1994. 1995 kam ein Lightgun-Arcade-Spiel dazu: Area 51. Zwar waren die Hauptfeinde Aliens, jedoch verstärkten sie ihre Kräfte mit Menschen, die durch genetische Manipulation zu... richtig, Zombies wurden.

Auch der Dinosaurier der Ego-Shooter, Doom, pflegte die innige Beziehung zwischen Zombies und mehr oder minder effektiven Waffen. Das Kultspiel von id Software unterliess, wie viele andere Games, zumindest in der englischen Version den Gebrauch des Z-Worts. Doch ob man sie beim Namen nennt oder nicht, die Untoten bleiben untot,  und lassen sich seit über zwanzig  Jahren von Millionen von Gamern nicht wieder totkriegen.

Der grosse Feldzug der Röchelmonster gegen die Videospielindustrie begann aber erst im Jahr 1996, mit der Veröffentlichung von Resident Evil. In der Spencer-Villa entstand der archetypische Zombiespiel-Zombie: Ein Mensch, der durch einen hochansteckenden Virus zu einer hirnlos hungrigen, verwesten Kreatur mutiert. Viral war auch das Spiel selber: Sowohl die Resident-Evil-Franchise als auch die Zombie- Games, die es in Massen inspirierte, erfreuen sich bis heute grosser Beliebtheit. Dieser Erfolg ist hoffentlich nicht einer Umbrella Corporation der Videospiele zuzuschreiben.

 

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Wer ist Schuld?

Am ehesten verdanken wir den Zombie-Befall der Videospiele uns selber – den Spielern. Wir mögen Zombies und die Entwickler sind sich dessen durchaus bewusst. Der Zombie-Boom hat seit den Neunzigern nicht abgenommen: Die Diablo-Serie, Left 4 Dead und das dezent daran angelehnte Dead Island, The Walking Dead (und das andere The Walking Dead), die Call-of-Duty-Franchise und sogar Minecraft setzen eine mehr oder minder grosse Anzahl Wanderleichen auf den Spieler an.

Die Entwickler nehmen ihre Quotenzombies nicht zwingend ernst: Das Strategiespiel S.P.A.Z. schafft es bereits im Titel, Piraten, Zombies und Weltall unter ein Dach zu bringen. Lollipop Chainsaw stellt untoten High-School-Schülern ein blondes Cheerleader-Mädchen mit einer riesigen Kettensäge entgegen. I Made a Game With Zombies in It wurde in 2009 ein Indie-Hit auf Xbox Live. Im gleichen Jahr erschien der Tower-Defense-Liebling Pflanzen vs. Zombies. Humoristische Titel gab es aber schon früher: Zombies Ate My Neighbours hiess ein SNES-Spiel aus dem Jahr 1993. Der Wunsch, diese Monsterart zu töten, hängt wohl von der persönlichen Wohnsituation des Spielers ab.

Einige Games sind indirektem Zombiebefall erlegen. So zum Beispiel Skyrim, das die Gruftbewohner Draugr der nordischen Mythologie entlehnt. Zugegeben haben die Draugr weder mit Voodoo noch mit Viren etwas zu tun. In der Folklore des Nordens sind sie wesentlich schlauer und stärker als unsere herkömmlichen Zombies, doch handelt es sich dabei um auferstandene verwesende Leichen mit einem ausgeprägten Geschmack für frisches Wikingerfleisch. Was wiederum bekannt klingt.

Tatsache ist, Zombies geben einen grossartigen Gegner ab: gruslig, aber menschenähnlich, gefährlich in Scharen, aber durchaus besiegbar. Horrorpotenzial entnehmen sie unseren Urinstinkten, der Angst vor dem Tod und dem Ekel vor den Toten. Da sie einmal Menschen waren, lässt sich auch einiges an Emotionen in die Geschichte einbringen, so etwa durch Freunde und Familienmitglieder des Helden, die dem Virus verfallen sind.

Mehr als nur eine originelle Idee, die Zombieapokalypse mag vielen sogar plausibel erscheinen. Während auf der Erde ein ausgeprägter Mangel an Aliens herrscht (was Verschwörungstheoretiker bestimmt abstreiten würden), haben wir genug Tote und genug Viren – und wohl ausreichend Angst vor den beiden in den dunklen Ecken unseres Unterbewusstseins. Deswegen, vielleicht aber auch einfach so, macht Zombies erschiessen einen Heidenspass. Und die Stoppt-Gewalt-In-Spielen-Leute können einen höchstens der Leichenschändung beschuldigen. Welche, übrigens, zur Selbstverteidigung erfolgt.

Ausserdem sind Dinge, die mit Z beginnen einfach cool – siehe Zocken, Zebras und Zuckerwatte.

 
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