Fastenzeit beginnt: Das passiert mit unserem Körper, wenn wir fasten

Dr. Petra Bracht und Prof. Dr. Claus Leitzmann geben in "Klartext Abnehmen" Antworten auf die wichtigsten Fragen zum Thema Gewichtsverlust.

Quelle: Mosaik Verlag

Am 22. Februar beginnt die christliche Fastenzeit. Was passiert eigentlich mit unserem Körper, wenn wir auf Essen verzichten? Prof. Claus Leitzmann klärt im Interview auf und verrät die Vorteile des Intervallfastens.

Am 22. Februar beginnt die christliche Fastenzeit. Die meisten Menschen nehmen sich laut einer Studie vor, in den 40 Tagen auf Alkohol, Süssigkeiten oder Fleisch zu verzichten – häufig mit dem Ziel, die Gesundheit zu verbessern und einige Kilos zu verlieren. Wie kann das erfolgreich gelingen? Ernährungswissenschaftler Prof. Dr. Claus Leitzmann und Ernährungsmedizinerin Dr. Petra Bracht beantworten in ihrem Buch „Klartext Abnehmen“ die wichtigsten Fragen zum Thema Abnehmen. Im Interview mit der Nachrichtenagentur spot on news klärt Prof. Leitzmann über die Vorteile des Fastens auf und erklärt, was im Körper passiert, wenn wir auf Nahrung verzichten.

Viele wollen die Fastenzeit nutzen, um ein paar überschüssige Kilos zu verlieren, und sich generell besser zu fühlen. Welche Methode empfehlen Sie?

Prof. Dr. Claus Leitzmann: Es kommt darauf an, was man erreichen möchte. Das klassische Fasten von ein bis vier Wochen ohne Nahrung oder mit wenig Kalorien in flüssiger Form wird überwiegend aus gesundheitlichen Gründen befolgt, dabei kann man ein bis zwei Kilo pro Woche abnehmen. Form und Länge des Fastens müssen individuell, bei Krankheiten auch mit einer/n mit Fasten erfahrenen Ärztin/Arzt des Vertrauens abgestimmt werden.

Um nebenbei ein paar überflüssige Kilos zu verlieren, ist das periodische oder Intervallfasten empfehlenswert, das aus zwei Phasen besteht. In der ersten Phase kann innerhalb von 8 Stunden gegessen werden, die übrigen 16 Stunden wird „gefastet“. Am leichtesten ist diese Methode durchzuführen, wenn erst ab mittags gegessen und die letzte Mahlzeit vor 20 Uhr beendet wird. Für Frühstücksliebhaber oder wenn diese Zeiteinteilung nicht gut mit der Arbeitszeit zu vereinbaren ist, kann die Essensphase auf zehn Stunden erweitert werden. Es besteht auch die Möglichkeit, nur einmal am Tag zu essen.

Was passiert in unserem Körper, wenn wir fasten?

Prof. Leitzmann: Das Intervallfasten ist ein Korrektiv, bei dem sich der Stoffwechsel umstellt und der Körper reinigt, vergleichbar mit einem „Grossputz“. Dabei verbraucht der Körper in den ersten zwei Tagen die gespeicherten Kohlenhydrate. Danach wird die Autophagie eingeleitet, ein raffiniertes Recyclingsystem des Körpers, das die Zellen von belastendem Abfall befreit wie gealterte oder funktionslose Zellbestandteile. Diese werden mit einer Hülle umgeben und von Enzymen abgebaut, die der Zelle wieder zum Neuaufbau gesunder Zellbestandteile zugeführt werden. Moderate Bewegung wie Gehen und Entspannungsübungen sowie Tanzen oder im Garten arbeiten sind empfehlenswerte begleitende Betätigungen.

Wie geht man mit Gelüsten auf Fettiges, Süsses oder andere ungesunde Lebensmittel um?

Prof. Leitzmann: Diese Produkte entscheiden, ob das periodische Fasten gesund ist oder wirklich zu einer Gewichtsabnahme führt. Denn sehr fettige, süsse oder salzige Produkte sind nicht nur ungesund, sondern sie bewirken auch eine Nahrungsaufnahme über den Hunger hinaus. So nimmt man nicht ab. Deshalb ist das Meiden dieser Produkte eine Voraussetzung für den Erfolg. Um Gelüsten zu widerstehen, hilft ein Glas Wasser trinken, ein Telefongespräch führen, eine paar Dehnungsübungen machen, an die frische Luft gehen oder sich anderweitig ablenken. Insgesamt ist ein gewisses Mass an Geduld und Willenskraft, oder wie man früher sagte an Disziplin, erforderlich. Wer wirklich abnehmen will, bringt die Energie auf, um erfolgreich zu sein.

Ausser der Gewichtsabnahme: Welche Vorteile hat das Fasten noch?

Prof. Leitzmann: Wer einmal erfolgreich gefastet hat, kann bestätigen, dass sich bereits nach einem Tag positive Effekte einstellen, die als Gewinn empfunden werden.  Die Atmung wird intensiver, der Puls und der Blutdruck werden gesenkt, die Verdauung wird unproblematischer und der Schlaf tiefer. Insgesamt breiten sich eine angenehme Gemütslage, eine Daseinsfreude und ein Drang nach körperlicher Aktivität aus. Dabei ergeben sich neue Kontakte, vielleicht sogar neue Freundschaften, alles wichtig für mehr Lebensfreude.

Ist dauerhaftes Intervallfasten gesund oder sollte man das lieber regelmässig ein paar Wochen machen?

Prof. Leitzmann: Die gesundheitlichen Wirkungen sind primär abhängig von der Zusammensetzung der Mahlzeiten. Deshalb empfehlen wir eine vollwertige, pflanzliche Ernährung. Je länger diese in Verbindung mit dem Intervallfasten praktiziert wird, desto nachhaltiger sind die Wirkungen, denn der Körper stellt sich auf diesen neuen Rhythmus ein. Wer sich nicht dauerhaft auf das Intervallfasten einstellen will oder kann, profitiert trotzdem von der lebenslang praktizierten vollwertigen pflanzlichen Ernährung.

Gibt es Menschen, für die Intervallfasten nicht geeignet ist? 

Prof. Leitzmann: Intervallfasten ist eigentlich für alle Menschen geeignet. Ausnahmen sind Kinder und Erwachsene mit besonderen Schwierigkeiten bei der Nahrungsaufnahme oder mit Stoffwechselstörungen, die mit einer 16-stündigen Fastenphase nicht vereinbar sind. In diesen Fällen sollte eine/r mit Intervallfasten vertraute/r Ärztin/Arzt eingeschaltet werden.

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