Jannik Schümann in „9 Tage wach“: Wie spielt man einen Meth-Junkie?

Jannik Schümann als Eric Stehfest in

Quelle: ProSieben / Stephanie Kulbach

In der Autobiographie „9 Tage wach“ blickt Schauspieler Eric Stehfest auf seine Vergangenheit als Meth-Junkie zurück. Wie Jannik Schümann sich für die Hauptrolle in der gleichnamigen Buchverfilmung vorbereitet hat, verrät er im Interview.

Jannik Schümann (28) spielt in der Bestseller-Verfilmung „9 Tage wach“ (Sonntag, 15. März um 20:15 Uhr auf ProSieben und Joyn) Eric Stehfest (30), der in seiner Autobiographie über seine Drogenvergangenheit und den Konsum von Crystal Meth spricht. Warum Schümann für die fordernde Rolle abgenommen hat und wie seine Freunde ihm durch die schwierige Drehzeit geholfen haben, erzählt er im Interview mit der Nachrichtenagentur spot on news.

Die „Bad Boy“-Rolle ist eher ungewöhnlich für Sie. Hatten Sie Angst, den Erwartungen nicht gerecht zu werden?

Jannik Schümann: Ich hatte riesige Lust und gleichzeitig höchsten Respekt und auch Zweifel im Hinblick auf die Rolle. Als ich Jannis [Niewöhner, Anm. d. Red.] in „Beat“ gesehen habe, dachte ich, dass ich nicht in der Lage bin, so etwas zu spielen. Hinzu kommt, dass ich noch nie Drogen genommen habe. Einen Drogenrausch zu spielen und quasi 80 Prozent des Films high zu sein, war komplett neues Terrain für mich. Ich wollte nicht, dass es wie eine Karikatur wirkt und Leute mir ansehen, dass ich noch keine Drogenerfahrung habe, auch wenn man Crystal Meth nicht mit den gängigen Partydrogen vergleichen kann. Dazu noch mit Eric jemanden zu spielen, der noch lebt und gar nicht so viel älter ist als ich, erhöht den Druck, weil man ihn nicht enttäuschen möchte.

Wie kann man einen Drogensüchtigen spielen, wenn man es selbst nie erlebt hat?

Schümann: Ich habe mich intensiv mit meiner Kollegin Peri Baumeister und unserem Coach Jens Roth vorbereitet. Er ist für sein sehr körperliches Coaching bekannt und hat erzählt, dass Leute bei ihm im Training einen LSD-Trip nachempfunden haben, ohne die Droge konsumiert zu haben. Da wusste ich: Das ist mein Mann! Die Dreharbeiten danach waren anstrengend und sehr intensiv.

Haben Sie es bei so einer intensiven Geschichte nach dem Dreh geschafft, abzuschalten?

Schümann: Wir haben in Berlin gedreht, ich hatte es also nicht weit nach Hause und hatte meine Freunde um mich. In meinem engsten Freundeskreis ist niemand aus der Branche, wir haben uns abends getroffen und über ganz andere Dinge gesprochen. Das war ein gutes Mittel, um runterzukommen. Und unser Regisseur Damian [John Harper, Anm. d. Red.] hat sich wahnsinnig gekümmert und mich immer gefragt, ob ich so nach Hause gehen kann. An manchen Tagen ging das nicht, dann haben wir noch eine Runde im Wald gedreht, um die Emotionen rauszuschütteln.

Sie haben für die Rolle mehrere Kilo abgenommen. Wie haben Sie sich zu der Zeit gefühlt?

Schümann: Durch meine Kickboxer-Rolle in „Dem Horizont so nah“ hatte ich schon Fitnesserfahrung und wusste, wie ich am besten Fett verliere. Es ist kräftezehrend, wenn man Wochen vor dem Dreh anfängt, auf alles zu verzichten, selbst auf Obst, weil da Fruchtzucker drin ist, nur noch Wasser trinkt und keine Kohlenhydrate mehr zu sich nimmt. Gleichzeitig braucht man für die Dreharbeiten viel Kraft, die man sich gut einteilen muss.

Warum war Ihnen die Gewichtsabnahme wichtig?

Schümann: Die Produktion hat das nicht vorausgesetzt, aber ich wollte mir selbst glauben, dass ich in einer Reha-Klinik lande und das ging für mich optisch nur mit ein paar Kilos weniger. Ich hatte mein Ziel vor Augen und wusste, dass ich die 25 Tage durchhalten muss und dann auch ein Ergebnis rauskommt, mit dem ich zufrieden bin.

Sie haben sich intensiv mit dem Thema beschäftigt: Welchen Eindruck haben Sie von der Informationslage über Chrystal Meth in unserer Gesellschaft?

Schümann: Für die Vorbereitung auf die Rolle habe ich im Netz nicht viel an Artikeln oder Dokus gefunden, da hat mir vor allem der Informationsaustausch mit Eric und das Lesen seines Buches geholfen. Ich glaube, dass Serien und Filme, die gut recherchiert sind, einen grossen Beitrag leisten können. Durch „Breaking Bad“ ist Crystal Meth der breiten Masse bekanntgeworden, das war auch für mich das erste und einzige Mal, dass ich mit der Droge zuvor in Berührung gekommen bin.

Könnten Sie sich weitere „düstere“ Rollen vorstellen?

Schümann: Es ist für mich ein grosses Glück, welche unterschiedliche und extreme Rollenbilder in letzter Zeit auf mich zugekommen sind, das kann gerne so weitergehen. Kurz nach „9 Tage wach“ habe ich zum Beispiel für die neue Netflix-Serie „Tribes of Europa“ gedreht, in der ich einen genderfluiden Lustsklaven spiele – vom Drogenjunkie-Dasein hin zu Lippenstift und Rouge, das war schon verrückt.