Fast wie bei „Dallas“: Die zerrütteten Verhältnisse beim Tönnies-Clan

Unternehmer und Schalke-04-Präsident Clemens Tönnies steht unter Beschuss.

Clemens Tönnies befindet sich wegen des Corona-Ausbruchs in seinem Fleischkonzern in den Negativschlagzeilen. Hinter den Kulissen brodelt es in der Familie schon länger.

Clemens Tönnies (64) ist der bekannteste Metzger Deutschlands und inzwischen auch der meist umstrittene. Von den etwa 7.000 Mitarbeitern seines riesigen Schweineschlachtbetriebs Tönnies Holding in Rheda-Wiedenbrück (in Ostwestfalen) haben sich über 1.300 Arbeitnehmer (Stand: 21. Juni 2020) mit dem Coronavirus infiziert. Der Fleischunternehmer steht aber nicht nur unter gewaltigem politischem Beschuss, auch in seinem Familienclan kracht es tierisch.

Familienfehde zwischen Onkel und Neffe

Neffe Robert Tönnies, der Mitinhaber des Schlachtbetriebs, geht seinen Onkel Clemens in einem Schreiben vom 17. Juni hart an. „In dem Brief wirft Robert Tönnies der Geschäftsleitung und dem Beirat des Konzerns unverantwortliches Handeln sowie die Gefährdung des Unternehmens und der Bevölkerung vor“, schreibt der „Spiegel“.

Schliesslich fordert der Neffe den Onkel laut „Wirtschaftswoche“ zum sofortigen Rücktritt auf: „Clemens, Dir selbst würde ich raten, Deinen Platz für Max zu räumen. Nur mit neuen Gesichtern können wir glaubwürdig in die Zukunft gehen.“ Mit Max ist Maximilian Tönnies gemeint, der Sohn von Clemens Tönnies.

Die Familienfehde zwischen Onkel und Neffe, die durchaus an Szenen der Kult-TV-Serien „Dallas“ oder „Denver-Clan“ erinnert, dauert schon mehrere Jahre an. Die Corona-Krise hat nun für einen traurigen Höhepunkt des Streits gesorgt.

Der Grossbetrieb in Ostwestfalen wurde 1971 vom vier Jahren älteren Clemens-Bruder Bernd Tönnies (1952-1994) als Grosshandel für Fleisch und Wurst gegründet. 1994 starb Bernd Tönnies, der auch Präsident von Schalke 04 war, an den Folgen einer Nierentransplantation. Er hinterliess zwei Söhne: Clemens jun. und Robert.

Nach Bernds Tod wurde Clemens Tönnies Chef des Unternehmens, das unter seiner Leitung stark expandierte und zu einem der grössten Fleischverarbeiter Europas wurde. Auch bei Schalke beerbte Clemens seinen Bruder Bernd. Er wurde Vorsitzender des Aufsichtsrats.

Neffe bezichtigt Onkel der Undankbarkeit

Vor etlichen Jahren kam es bereits zum grossen Familienkrach, der mehrmals vor Gericht landete. Seit 2009 bestand bei den Besitzverhältnissen ein Patt, sodass Clemens 50 Prozent besass und Robert ebenfalls 50 Prozent. Dies war durch eine Schenkung von 5 Prozent von Robert an seinen Onkel entstanden. Robert Tönnies forderte aber seine Schenkung wegen „groben Undanks“, wie es juristisch ausgedrückt wird, zurück.

Der Streit zwischen den beiden dauerte bis 2017, dann einigte man sich aussergerichtlich. Robert und Clemens Tönnies wollten künftig als gleichberechtigte Gesellschafter die Weichen gemeinsam stellen – mit Erfolg. Das Unternehmen hat laut eigenen Angaben im Jahr 2018 einen Jahresumsatz von 6,65 Milliarden Euro erwirtschaftet.

2019 forderte Robert Tönnies den Verkauf des Unternehmens

Doch letztes Jahr flammte die Auseinandersetzung erneut auf. Nun wollte der Mitgesellschafter Robert Tönnies den Verkauf des Fleischkonzerns erzwingen. Streitwert: 600 Millionen Euro. Von einer „rasant fortschreitenden Zerrüttung“ zwischen Neffen und Onkel soll laut „Wirtschaftswoche“ in der Klageschrift die Rede gewesen sein.

Clemens Tönnies, der via Schalke-Sponsor Gazprom seit Jahren freundschaftliche Beziehungen zu Russlands Präsident Wladimir Putin (67) unterhält und den Kreml-Chef gern mit gepökeltem Eisbein aus Westfalen versorgt, hat inzwischen auf die Rücktrittsforderung seines Neffen geantwortet. Er wolle sich der Verantwortung stellen – und bleiben: „Ich werde dieses Unternehmen aus der Krise führen.“