„Alarmstufe Rot“: Herbert Grönemeyer hält flammende Rede

Herbert Grönemeyer sprach zu den Teilnehmern der

Quelle: imago images/Hartenfelser

Auf der „Alarmstufe Rot“-Kundgebung in Berlin hat Herbert Grönemeyer einen flammenden Appell an die Politik gerichtet. Die gesamte Veranstaltungsbranche stehe kurz vor dem Kollaps.

Seit 12:05 Uhr demonstriert das Aktionsbündnis „Alarmstufe Rot“ am heutigen Mittwoch (09. September) in Berlin. Mit der Grossdemo soll auf die wirtschaftlichen Nöte aufmerksam gemacht werden, in die die Veranstaltungsbranche durch die Corona-Pandemie gestürzt wurde. Die rund 6500 Kulturschaffenden wollen mit der Kundgebung auch ihre Forderungen an die Politik unterstreichen.

Bei der Abschlusskundgebung vor dem Brandenburger Tor ergriff unter anderem auch Sänger Herbert Grönemeyer (64, „Mensch“) das Wort und wandte sich in einem flammenden Appell an die Politik. Ein Mitschnitt der Rede wurde auf dem offiziellen Instagram-Account von „Alarmstufe Rot“ veröffentlicht.

In der Branche seien bundesweit rund eine Million Menschen beschäftigt und es werde ein jährlicher Umsatz von 130 Milliarden Euro erzielt. Damit sei die Veranstaltungsbranche der sechstgrösste Wirtschaftszweig Deutschlands, so Grönemeyer. Allein der Rock’n’Roll-Bereich habe eine Wirtschaftskraft wie der Autobauer Porsche. Der Unternehmenswert sei grösser als der, aller deutschen Bundesligen zusammen.

Ohne Crews sind Künstler „hilf- und glanzlos“

Allerdings stehe dieser Wirtschaftszweig vor dem Aus, da seit Beginn der Corona-Krise keine Grossveranstaltungen mehr stattfinden könnten. Doch gerade das Publikum sei „das Adrenalin der Künstler“. Und vor allem die vielen Menschen hinter den Kulissen seien in schweren Nöten: vom Trucker über den Roadie bis zum Security-Mitarbeiter. Ohne sie seien „Künstler hilf- und glanzlos“, so Grönemeyer. Sie alle seien grösstenteils alleine als Kleinunternehmer tätig und hätten meist keinen „doppelten Boden“.

Deshalb appellierte Grönemeyer mit Nachdruck an die Politik, die versprochene direkte und unbürokratische „Zugehensweise zur Grundsicherung“ zu finden. Ausserdem forderte der Sänger ein monatliches Überbrückungs- oder Kurzarbeitergeld für Solo-Selbstständige. Ebenso wie Subventionen für die Popkultur, die denen ähnlich seien, die zum Beispiel der Hochkultur zukommen würden.

Gesamte Branche steht vor dem Kollaps

Wenn dies nicht „schleunigst passieren“ würde, sei die Gefahr gross, dass die gesamte Branche bald kollabieren würde. „Ein Land ohne Live-Kultur ist wie ein Gehirn ohne geistige Nahrung, ohne Euphorie, Aufbruch, Lust, Diskurs, Lachen und Tanz. Es verdorrt, gibt Raum für Verblödung, für krude und verrohende Theorien, verhärtet und fällt seelenlos auseinander“, so der 64-Jährige.

Jede „einzelne Hand“ in der Veranstaltungsbranche habe das gleiche Recht auf Grundsicherung wie die Mitarbeiter anderer Unternehmen, die schnell und unkompliziert Hilfe bekommen hätten. Sie seien „die rauschende Seele und der öffentliche Herzschlag dieser Nation“. Deutschland stelle seinen „Zauber aufs Spiel und seine Zauberer zur Disposition“.