Nino de Angelo: „Nach ‚Jenseits von Eden‘ wollte ich aufhören“

Nino de Angelo schaffte in den 80er Jahren den Durchbruch.

Quelle: © Franz Schepers

Nino de Angelo meldet sich mit seinem neuen Album „Gesegnet und Verflucht“ zurück. Wie der Schlagersänger die vielen Rückschläge seiner Karriere überlebt hat, erzählt er im Interview.

Mit „Jenseits von Eden“ stürmte Nino de Angelo (57) 1983 die deutschen Charts und wurde zum gefeierten Star. Doch kurz darauf gab es in der Karriere des Schlagersängers mit italienischen Wurzeln einen Knick. Zwar veröffentlichte er weiterhin Alben, der ganz grosse Erfolg blieb allerdings aus. Statt mit seiner Musik sorgte de Angelo zwischenzeitlich mit privaten Problemen für Schlagzeilen. Doch nun meldet sich der Sänger mit seinem neuen Album „Gesegnet und Verflucht“, welches am 26. Februar erscheint, fulminant zurück.

In den rockigen Songs zieht der 57-Jährige mit teils düsteren Texten ein Resümee über sein Leben. Im Interview mit der Nachrichtenagentur spot on news spricht Nino de Angelo über seine Misserfolge nach „Jenseits von Eden“, seine Verlobte Simone und darüber, wie er es geschafft hat, am Leben zu bleiben.

Ihr neues Album heisst „Gesegnet und Verflucht“. Inwiefern treffen diese beiden Wörter auf Ihr Leben zu?

Nino de Angelo: Voll und ganz. Auf der einen Seite ist mein Leben gesegnet, auf der anderen Seite verflucht. Gesegnet mit schönen Dingen, wie Talent. Ich hatte viel Glück und durfte viel Schönes erleben. Auf der anderen Seite die Kehrseite der Medaille: Ich war lange Zeit erfolglos und musste mit vielen Krankheiten zurechtkommen. Viele Menschen haben einmal Krebs – ich hatte ihn zweimal, fast dreimal. Dann noch die Herz-OP und die Lungenkrankheit COPD.

Sie geben in Ihrem Album tiefe Einblicke in Ihr Seelenleben. Hat es Sie Überwindung gekostet, so offen zu sein?

De Angelo: Nein. Für mich ist dieses Album sehr wichtig. Es ist ein Resümee meines Lebens und sehr autobiografisch. Was hast du erreicht? Was hast du falsch und was gut gemacht? Das sind alles Dinge, die ich gerne aufschreiben wollte. Ich musste die Texte allerdings in ein anderes musikalisches Gewand packen, Schlager eignet sich dafür nicht. Deshalb ist die Musik viel rockiger und düsterer. Einfach weil die Themen düster sind. Ich hatte das Glück, einen Produzenten kennenzulernen, der das mit mir durchgezogen hat.

Sie hatten viele Höhen und Tiefen in Ihrem Leben. Sind Sie dankbar für all diese Erfahrungen?

De Angelo: Selbstverständlich. Auch wenn man auf manche Sachen nicht stolz ist. Das ganze Leben ist für mich ein Lernprozess und da gehören Höhen und Tiefen dazu. Vielleicht nicht unbedingt in dem Masse, wie ich sie erlebt habe. Aber es hat mich auch weise gemacht, weil man aus allem etwas herausziehen kann. Auch wenn man mit brennenden Flügeln aus der Hölle kommt, das Leben geht weiter. Ich bin dankbar, dass ich noch lebe und darüber singen kann.

Woher nehmen Sie diese positive Einstellung? Andere wären vielleicht daran zerbrochen.

De Angelo: Ich war oft kurz davor. Aber es ist der unerschütterliche Glaube an das Gute, an die Liebe und an mich selbst, der mich aufrecht hält. Natürlich spielen auch viele Menschen, die mir sehr nahestehen, eine Rolle: meine Kinder, meine Eltern, meine Verlobte Simone. Sie ist auch ganz wichtig für mich gewesen. Simone hat mir den nötigen Halt gegeben. Allein schafft man es auch nicht.

Auf Ihrem Album gibt es den Song „Romeo & Juliet“. Das Lied handelt von der grossen Liebe. Haben Sie den Song Ihrer Verlobten gewidmet?

De Angelo: Ja. Die Musik für diesen Song habe ich in den 90er Jahren geschrieben. Ursprünglich war ein englischer Text gedacht. Als ich am Album geschrieben habe, ist mir dieser Song wieder eingefallen. Allerdings ist mir kein deutscher Text eingefallen, der mich wirklich berührt hat. Eines Tages sass Simone im Studio und es sprühte aus mir heraus. In einer Stunde war der Song fertig. Simone hatte Tränen in den Augen. Sie hat sich so gefreut.

Ihr 40. Bühnenjubiläum ist auch nicht mehr weit. Haben Sie jemals darüber nachgedacht, aufzuhören?

De Angelo: Sehr oft. Eigentlich direkt nach „Jenseits von Eden“. Ich weiss noch, dass ich neben dem Schlagzeuger von Trio, Peter Behrens, bei der Hitparade sass und zu ihm sagte: „Eigentlich würde ich jetzt gerne wieder aufhören.“ Denn noch grösser ging es nicht mehr. Und ich merkte früh, dass ich aufgrund meines unbeugsamen Wesens irgendwann Ärger bekommen würde. Ich habe auch selten auf Manager gehört. Ich wollte einfach leben und mich nicht in einen goldenen Käfig sperren lassen. Auch als der Misserfolg kam, habe ich überlegt, mich zurückzuziehen.

„Jenseits von Eden“ findet sich ebenfalls auf dem neuen Album. Was bedeutet Ihnen Ihr grösster Hit?

De Angelo: Das ist der wichtigste Song in meinem Leben. Damit ging alles los. Was danach kam, war nicht optimal. Man hätte auf diesen Erfolg aufbauen sollen. Meine Manager hatten wahrscheinlich nur Dollarzeichen im Kopf und wollten mich so oft wie möglich damit losschicken, um viel Geld zu verdienen. Denen war meine Weiterentwicklung als Musiker ziemlich egal. Ich hatte nur Flausen im Kopf und war damit beschäftigt, mein Geld auszugeben. Ich habe mich viel zu spät um meine weitere Karriere gekümmert.

Im März veröffentlichen Sie ein Buch mit zehn Tipps, um nicht vor die Hunde zu gehen. Welcher ist der Wichtigste?

De Angelo: Von mir kann man Tipps bekommen, wie man gewisse Situationen überlebt. Das Wichtigste ist, an sich zu glauben und nicht aufzugeben. Ich hatte schon oft Situationen im Leben, wo ich hinschmeissen wollte – auch mit dem Leben. Aber man muss dranbleiben. Man sollte an das Gute und an die Liebe glauben, Selbstliebe inbegriffen. Einfach sich selbst akzeptieren, mit allen Fehlern. Man muss nichts bereuen im Leben. Man sollte nur gewisse Fehler nicht zu oft machen.