Ex „DSDS“-Star Aline Bachmann: „Ich hatte Angst, dass ich sterbe“

Sängerin Aline Bachmann erwägt eine zweite Teilnahme an

Quelle: Moritz Thau

Aline Bachmann ist dem TV-Publikum als übergewichtige „DSDS“-Kandidatin bekannt. Heute wiegt sie über 110 Kilo weniger und äussert sich im Interview kritisch über ihre Zeit bei der Castingshow.

Aline Bachmann (27) nahm früher bis zu 10.000 Kalorien täglich zu sich. 2014 fiel sie als pfundige Kandidatin bei „Deutschland sucht den Superstar“ auf. Erfolg hatte sie in der Castingshow keinen. Dennoch gab die Sängerin nicht auf. Sie kämpfte weiter und machte als YouTuberin und Influencerin Karriere. In ihrem Buch „Nie wieder Opfer“ schreibt Bachmann von ihrem langen, beschwerlichen Weg zum neuen Ich. Über 110 Kilogramm ist sie heute leichter. Eines hat sich jedoch nicht verändert, wie sie der Nachrichtenagentur spot on news sagt: Aus dem Rampenlicht ist die 27-Jährige nicht zu verdrängen.

Woher rührt Ihr Drang nach Aufmerksamkeit?

Aline Bachmann: Ich hatte immer den Traum, Sängerin zu werden. Ich wollte auf die Bühne. Ich wollte mich als Person entfalten und für andere ein Vorbild sein. Mit meiner Ausbildung zur Altenpflegerin lief es nicht so gut. Ich habe den Beruf zwar gern gemacht, auch mit Leidenschaft, aber es war nicht das, was ich wollte. Also habe ich mich gefragt: Aline, was könnte dich glücklich machen? Und so kam dann der Schritt in die Öffentlichkeit, Videos zu drehen und Leute zum Lachen zu bringen. Das war meine Erfüllung damals.

Damals? Bereuen Sie heute den Schritt ins Rampenlicht und Ihre Teilnahme an „DSDS“?

Bachmann: Nein, den Schritt an die Öffentlichkeit bereue ich nicht. Ich habe ihn sehr gern gemacht und will ihn auch weiterhin gehen. „DSDS“ hingegen ist so ein Thema für sich. Damals fand ich das Ganze schon sehr ausgeschlachtet, wie sie mich dargestellt haben. Mittlerweile weiss ich, wie das Fernsehen tickt. Ich weiss, dass Einschaltquoten wichtig sind. Und ich hätte mich diesbezüglich auch schon in meinem jungen Alter besser beraten lassen müssen.

In Ihrem Buch schreiben Sie von Ihrem Traum, einmal bei „GNTM“ mitzumachen. Also gleich hinein in die nächste TV-Castingshow?

Bachmann: Für mich öffnen sich zurzeit sehr viele Türen. Eine Teilnahme bei „GNTM“ ist daher nicht ausgeschlossen. Ausserdem spiele ich mit dem Gedanken, vielleicht doch nochmal zu „DSDS“ zu gehen, um zu zeigen, was aus mir geworden ist. Aber das sind Dinge, mit denen ich mich erst beschäftige, wenn es so weit ist. Jetzt habe ich andere Dinge im Fokus. Ich denke, das ist noch ein kleiner Prozess von drei bis sechs Monaten, in dem ich selbst entscheiden möchte, wie es in Zukunft weitergeht.

Mit dem drastischen Gewichtsverlust hat sich Ihr Kleidungsstil sicher verändert. Was tragen Sie mittlerweile am liebsten?

Bachmann: Ich trage tatsächlich fast nur Schwarz. Ich verstecke gern. Denn es ist ein Prozess, den Körper neu kennenzulernen. Meine Psyche muss erst noch wahrnehmen, dass ich so langsam auch mal andere Dinge anziehen kann. Wenn man 26 Jahre lang übergewichtig war, ist es nach einer so schnellen Abnahme nur schwer zu realisieren, dass man schlank ist. Man guckt in den Spiegel und sieht sich noch dick.

Wie arbeiten Sie dem entgegen?

Bachmann: Ich liege etwa im Bett und fasse bewusst meinen Körper an, um zu merken, dass ich schlank bin. Ich mache sehr oft Bilder und schaue sie mir an. Ich nehme ein Massband und messe alles ab, um zu realisieren, dass ich abgenommen habe und dass ich nicht mehr in diesem Körper bin, in dem ich vor einem Jahr noch gesteckt habe. Von Tag zu Tag traut man sich andere Sachen. Und dann kriegt man die Resonanz von Freunden oder Familie, dass es gut aussieht. So geht das vonstatten.

In Ihrer schwersten Zeit haben Sie knapp 200 Kilogramm gewogen. Hatten Sie denn gar keine Angst um Ihr Leben?

Bachmann: Doch. Meine Mutter und auch ich, wir hatten Angst, dass ich sterbe. Das war immer Gesprächsthema bei uns in der Familie. Meine Mutter stand manchmal nächtelang bei mir am Bett und hat darauf geachtet, ob ich auch wirklich atme, weil ich eine Schlafapnoe entwickelt hatte. Ich hatte Atemaussetzer in der Nacht. Und da macht man sich dann schon Gedanken. Mir war bewusst, dass ich sterben könnte oder werde, wenn es so weitergeht. Aber ich habe trotzdem weiter gegessen.

In welchem Moment haben Sie für sich entschieden, bis hierhin und nicht weiter?

Bachmann: Das war, als ich meinen letzten Auftritt in der Comödie Dresden hatte. Am 29. November 2019. Ich musste Adeles „Skyfall“ singen, war aber sehr, sehr angeschlagen. Ich stand nur auf der Bühne und habe mich nicht bewegt. Danach bin ich in der Garderobe in Tränen ausgebrochen und habe mir gedacht: Aline, du kannst keine hohen Töne mehr singen, weil du einfach die Luft nicht hast. Ich konnte meine Leidenschaft nicht mehr ausleben, nur wegen des Übergewichts. Also habe ich noch in derselben Nacht meinen Doktor in der Türkei angerufen und habe weinend gesagt: Bitte, bitte, helfen Sie mir, ich muss abnehmen. Dann ging alles ganz schnell, am 16. Dezember wurde ich operiert.

Hat der Gewichtsverlust Einfluss auf Ihre Stimme?

Bachmann: Nein, da ist alles beim Alten – zum Glück.

Und haben Sie nach der Magenband-Operation mit anderen Nebenwirkungen zu kämpfen?

Bachmann: Starker Haarausfall. Und neben der sehr geringen Aufnahme von Nahrungsmitteln und Flüssigkeit auf jeden Fall auch Vitaminmangel. Das ist eine Begleiterscheinung, die ich behandeln muss. Ich spritze mir selbstständig Vitamine und Tabletten nehme ich auch.

Wie geht es jetzt für Sie weiter?

Bachmann: Wir machen jetzt noch eine Brustvergrösserung und eine Nasenkorrektur. Und dann bin ich erst mal fertig. Vielleicht kommen später auch noch die Beine. Derzeit bin ich aber schon sehr zufrieden mit meinem Körper.