Bestsellerautor Alexander Stevens: Das darfst du beim Online-Dating nie machen

Dr. Alexander Stevens und das Cover seines neuen Buchs

Quelle: [M]© Hartwig/Piper Verlag

Verhängnisvolle Affären“ heisst das neue Buch von Bestsellerautor Alexander Stevens. Was er Liebeshungrigen, die im Netz auf der Suche sind, rät, erklärt der bekannte Anwalt hier.

Vom amüsierten Kopfschütteln bis zu purem Entsetzen dürfte dieses Buch viele Reaktionen auslösen: In „Verhängnisvolle Affären: Wenn Online-Dates beim Anwalt landen“ berichtet Bestsellerautor Dr. Alexander Stevens von 20 wahren Dating-Fällen mit juristischem Nachspiel. Der Anwalt für Sexualstrafrecht, der durch zahlreiche TV-Auftritte bekannt ist, verrät im Interview, welche Geschichte er selbst am tragischsten fand und er gibt Tipps für eine sichere Partnersuche bei Tinder und Co.

In „Verhängnisvolle Affären“ geht es um Online-Bekanntschaften, die vor Gericht endeten. Sie beschreiben Fälle vom versehentlichen Inzest bis hin zu vorgespielten Agenten-Geschichten. Welche der Geschichten fanden Sie selbst am schlimmsten?

Alexander Stevens: Emotional am tragischsten ist sicherlich der Fall von Mutter und Sohn, die – ohne voneinander zu wissen – miteinander Sex im selben Dark-Room eines Swingerclubs haben und dann auch noch vom eigenen Ehemann bzw. Vater in flagranti erwischt wurden… Am skurrilsten ist aber wohl der Fall eines nigerianischen Austauschstudenten, der sich mangels ausreichender Sprachkenntnisse auf einer vermeintlichen Dating-Seite für „Black Men“ anmeldet; als der bayerische Verfassungsschutz auf den Studenten aufmerksam wird, stellt sich heraus, dass die von ihm rege genutzte Dating-Seite „Haselnuss-Romantik – Laune für Schwarz-Braune“ eine von Neonazis genutzte Dating-App ist. Das Absurde: Auf der Seite hatte er tatsächlich zahlreiche Frauen gefunden, die mit dem nigerianischen Austauschstudenten ein kleines Schäferstündchen abgehalten hatten….

Online-Dating boomt seit vielen Jahren. Seit wann haben Sie als Anwalt vermehrt damit zu tun, weil sich Betrüger und schlimmere Verbrecher die Anonymität des Internets zunutze machen?

Stevens: Ich meine, dass vor allem mit der Dating-App Tinder nicht nur die Möglichkeiten von schnellem, unkompliziertem Sex, sondern auch die Straftaten im Bereich des Datings merklich zugenommen haben: Dabei sind es nicht nur westafrikanische Mafia-Banden, die sich als Traumpartner ausgeben, um die liebestollen Frauen und Männer nach Strich und Faden auszunehmen. Online-Dating-Apps erwecken ganz neue Optionen für Kriminelle, zum Beispiel wenn ein Räuber ein unkompliziertes Fluchtfahrzeug benötigt: einfach ein Tinder-Date ausmachen und sich am Ort des Geschehens „abholen“ lassen…

Bei einigen der in Ihrem Buch beschriebenen Fälle wurden keine Strafen verhängt, wie bei dem Mann mit Schamhaar-Fetisch oder dem einfachen Studenten auf der Sugardaddy-Seite, der gar kein Geld hatte. In welchen Fällen sollten Menschen, die sich geschädigt fühlen, auf alle Fälle zur Polizei oder zu einem Anwalt gehen und wann lohnt sich das nicht?

Stevens: Wenn es um Sex, sexuelle Belästigung und nicht selten auch „nur“ um blosse Enttäuschungen geht, hat jeder Mensch seine ganz eigene Toleranz- und Hemmschwelle. Grundsätzlich rate ich aber immer dann, wenn es zu finanzieller Abzocke oder uneinvernehmlicher (sexueller) Gewalt kommt, umgehend zur Polizei zu gehen: Denn selbst wenn man meint, das wegstecken zu können, darf man nicht vergessen, dass es ja theoretisch auch weitere Opfer treffen könnte.

Was würden Sie als Anwalt Menschen raten, die auf Singlebörsen oder Seitensprung-Portalen unterwegs sind?

Stevens: Niemals ein erstes Online-Date irgendwo abseits, an einem verlassenen Ort oder gar zu Hause treffen.

Vorsicht bei Profilen, die zu schön sind, um wahr zu sein: Der durchtrainierte Kinderarzt mit privatem Ponyhof und Schloss am Meer ist nicht selten ein westafrikanischer Love-Scammer.

Aufmerksam sollte man auch sein, wenn der Partner sich lieber auf Englisch unterhalten will – weil die Betrüger oft im Ausland sitzen und nur schlecht oder gar kein Deutsch sprechen, geben sie sich oft als Airline-Personal oder amerikanische Soldaten aus…

Die Profilbilder des Partners einer Google-Bilder-Suche unterziehen: Nicht selten sind es Fake-Profile, die Betrüger mit den Fotos ahnungsloser Personen erstellen: Wenn es zum selben Profilbild mehrere Profile mit unterschiedlichen Namen gibt, weiss man Bescheid…

Dass sich auf Portalen, die Liebeshungrige ansprechen, auch Verbrecher tummeln, ist bekannt. Haben Sie das Gefühl, dass das nun angekommen ist und die Menschen vorsichtiger werden in Zukunft?

Stevens: Nein – ganz im Gegenteil! Wenn es um Liebe, Sex und Zärtlichkeit geht, setzt der gesunde Menschenverstand aus. Das ist ja auch der Hauptgrund für mein Buch, um den Lesern auf humorvolle Art aufzuzeigen, was alles beim Online-Daten schiefgehen kann – und glauben Sie mir: Die Fälle im Buch sind nur die Spitze des Eisbergs.

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