Susanne Fröhlich: «Seit ich faste, bin ich nahezu schmerzfrei»

Susanne Fröhlich hat über ihre Erfahrungen mit Fasten geschrieben

Quelle: Gräfe und Unzer/Gaby Gerster 2018

In ihrem Buch „Fröhlich fasten!“ erklärt Susanne Fröhlich, wie ihr persönlich das Nicht-Essen hilft. Die Autorin wollte damit Rheuma-Schmerzen bekämpfen, hat aber noch viel mehr gewonnen, wie sie im Interview verrät.

Fasten bleibt 2019 ein grosses Thema. Der Hype um das Intervallfasten, bei dem entweder täglich 16 Stunden oder zwei Tage pro Woche auf Nahrung verzichtet wird, ist längst noch nicht abgeebbt. Aber es gibt auch andere Ansätze. Bestsellerautorin Susanne Fröhlich (56) hat nach der Buchinger-Methode 35 Tage gefastet, um gegen Rheuma anzukämpfen. „Dass es tatsächlich so funktioniert, hätte ich in meinen kühnsten Träumen nicht gedacht“, erklärt die 56-Jährige im Interview. Inzwischen fastet sie regelmässig, in ihrem neuen Buch „Fröhlich fasten: Macht Verzicht tatsächlich gesünder und glücklicher? Ein Selbstversuch mit Antworten!“ (Gräfe und Unzer) hat sie ihre Erfahrungen aufgeschrieben.

Liebe Frau Fröhlich, Sie haben mit dem Fasten angefangen, weil Sie an Rheuma leiden. Waren Sie selbst überrascht, wie sehr Ihnen das Fasten geholfen hat?

Susanne Fröhlich: Ich war absolut fasziniert von der Wirkung des Fastens. Dass eine so simple Massnahme wie „Nicht-Essen“ solche Ergebnisse erzielen kann, hätte ich niemals für möglich gehalten. Ich habe es bei meinem ersten Fasten einfach nur für eine gewagte Option gehalten, gedacht: Ich probiere es, es kann ja nicht schaden. Dass ich mit dem Fasten meine Rheuma-Schmerzen in den Griff bekommen würde, war meine Hoffnung, aber dass es tatsächlich so funktioniert, hätte ich in meinen kühnsten Träumen nicht gedacht. Seit ich regelmässig faste, bin ich nahezu schmerzfrei und der Rheumafaktor in meinem Blut ist verschwunden. Das hat nicht nur mich, sondern auch meine Ärzte überzeugt.

Sie beschreiben im Buch, wie Sie nach der Buchinger-Methode 35 Tage gefastet haben. Ist diese Art des Heilfastens gut in den Alltag zu integrieren, kann man arbeiten, wenn man nicht isst?

Fröhlich: Das empfinden Menschen sehr unterschiedlich. Ich habe immer gearbeitet, Arbeiten lenkt ab und man denkt nicht rund um die Uhr an Essen. Harte körperliche Arbeit ist sicherlich noch mal etwas anderes….

Sie haben sich während des Fastens weiter mit Freunden in Restaurants getroffen. Ist das irgendwann für Sie oder Ihre Freunde zum Problem geworden?

Fröhlich: Beim ersten Mal war es sehr schwer. Ich hatte nicht wirklich Hunger, aber natürlich weiss mein Kopf und Hirn, wie gut Essen schmeckt. Im Restaurant kommt der wunderbare Geruch dazu. Das erfordert Willen. Einerseits. Andererseits ist so eine Mahlzeit schnell aufgegessen. Man muss also nur etwa 20 Minuten ausharren. Ich habe immer literweise Tee und Wasser in mich hineingeschüttet. Meine Freunde hatten mit meinem Verzicht wenig Probleme. Manchmal haben sie gesagt, dass meine Disziplin auch ein bisschen nervt. Es würde ihnen ihre eigene Gefrässigkeit deutlich machen… Insgesamt haben mich meine Freunde sehr unterstützt und es zum Teil dann auch selbst ausprobiert.

Fasten ist hauptsächlich Kopfsache, erklären Sie. Wie bereitet man sich am besten mental darauf vor, wenn man eine Kur plant und wie übersteht man die ersten, schwierigen Tage?

Fröhlich: Fasten ist radikal. Das ist das Gute und das Schlechte am Fasten. Man hat keinerlei Verhandlungsspielraum. Für mich – eine Frau, die nicht besonders gut im Mass halten ist – ist das perfekt. Es gibt eben nichts. Die ersten Tage können sehr hart sein. Ich hangle mich von Tag zu Tag und versuche immer nur, den nächsten Tag und nicht die gesamte Strecke im Auge zu behalten. Ausserdem weiss ich inzwischen um die wunderbaren Effekte des Fastens. Die Wirkung ist toll, da fällt das Durchhalten leichter. Es ist ein fantastisches Gefühl, etwas zu schaffen, was man vorher für nahezu unmöglich gehalten hat. Auch das kann berauschend sein.

Beim Fasten stellt sich bei vielen Menschen irgendwann ein Hochgefühl ein. Haben Sie das bei all Ihren Fasten-Kuren erlebt und wie wirkt sich das aus?

Fröhlich: Ich hatte dieses Fastenhoch bei jeder meiner Fastenkuren. In unterschiedlich starker Ausprägung. Es ist ein bisschen so, als hätte man stimmungsaufhellende Substanzen zu sich genommen. Man fühlt sich voller Energie, seltsam beschwingt. Geradezu gedopt. Aber ich kenne auch Freunde, die gefastet haben und bis heute auf ihr Fastenhoch warten.

Haben Sie einen speziellen Trick, wie Sie mit Krisen während des Fastens umgehen?

Fröhlich: Ich entscheide nicht sofort, sondern vertage die Entscheidung auf den nächsten Tag. Dann sieht alles oft schon ganz anders aus.

Was ist für Sie die unangenehmste Nebenerscheinung des Fastens?

Fröhlich: Es gibt eben leider nichts zu essen! Man hat manchmal das Gefühl, dass jede soziale Handlung, jedwede Geselligkeit sehr eng mit Essen verknüpft ist.

Sie haben während Ihrer ersten Fasten-Erfahrung nicht nur Ihr Zuhause aufgeräumt, auch Freundschaften haben Sie überdacht: Wie gross ist der Einfluss des Nicht-Essens auf die Psyche?

Fröhlich: Viel grösser als ich dachte. Fasten hat neben der körperlichen eben auch noch eine psychische Komponente. Man hat durch den Nahrungsverzicht Zeit und bei mir wächst jedes Mal das Bedürfnis, auch mental aufzuräumen. Klar Schiff zu machen. Fasten ist die perfekte Zeit, um Dinge und Haltungen und Beziehungen zu überdenken.

Sie haben wegen des Rheumas gefastet, dabei aber auch einige Kilo abgenommen. Eignet sich Fasten für eine langfristige Gewichtsabnahme?

Fröhlich: Ich denke schon. Man bekommt durch den raschen Gewichtsverlust einen Motivationsschub und lernt anders zu essen. Achtsamer und bewusster. Ausserdem: Wer es schafft, eine ganze Weile nichts zu essen, wird auch mit Einschränkungen leichter zurechtkommen.

Hat sich Ihr Ess-Verhalten durch regelmässiges Fasten langfristig verändert?

Fröhlich: Ja. Begierden verändern sich. Ich salze weniger, brauche kaum mehr Zucker.

Wie viele Fasten-Tage würden Sie für Einsteiger empfehlen?

Fröhlich: Für gesunde Menschen sind fünf bis zehn Tage ein guter Zeitrahmen. Ansonsten nach Absprache mit dem Arzt.

Ist der Jahresbeginn ein besonders guter Zeitpunkt, um eine Fastenkur in Angriff zu nehmen?

Fröhlich: Ich finde ja. Man hat über die Feiertage oft irre viel gegessen und da tut eine Pause besonders gut. Ausserdem ist man häufig voller guter Vorsätze und da ist es am besten, sie direkt in die Tat umzusetzen. Was man nicht probiert, kann auch nicht gelingen…