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Muss der Weisheitszahn wirklich raus?

Weisheitszähne können zu Schmerzen und Entzündungen führen. Wer Beschwerden bemerkt

Quelle: djd/proDente/Peter Vogt

Druck im Kiefer, pochende Schmerzen, entzündetes Zahnfleisch. Machen Weisheitszähne Ärger, fragen sich viele, ob der Zahn raus muss. Doch das pauschale Ziehen gilt längst als überholt – und moderne Methoden eröffnen dem Backenzahn mitunter sogar ein zweites Leben.

Müssen Weisheitszähne immer raus? Lange Zeit galt das Ziehen der hintersten Backenzähne als Routineeingriff. Heute beurteilen Fachleute die Frage deutlich differenzierter: Viele Weisheitszähne dürfen bleiben, solange sie keine Beschwerden verursachen. Ob ein Eingriff nötig ist, entscheidet sich im Einzelfall – auch weil Weisheitszähne heute als körpereigener Zahnersatz dienen können.

Weisheitszähne: Ein Erbe der Evolution

Weisheitszähne sind ein evolutionäres Erbe aus Zeiten, in denen harte Nahrung kräftige Mahlzähne verlangte. Doch heute haben viele Menschen schlicht zu wenig Platz im Kiefer. Bei 20 Prozent sind die hintersten Backenzähne gar nicht erst angelegt. Bei den anderen 80 Prozent brechen die Weisheitszähne meist zwischen dem 17. und 25. Lebensjahr durch und vervollständigen das Gebiss auf 32 Zähne. Heikel wird es, wenn die Zähne nur teilweise durchbrechen oder schief im Knochen liegen. Mögliche Folgen sind dann Entzündungen, Druckgefühle oder Schmerzen.

Pauschales Ziehen gilt als überholt

Wer Beschwerden bemerkt, sollte diese frühzeitig zahnärztlich abklären lassen. Das heisst aber nicht, dass sofort die Zange zum Einsatz kommen muss. Ob die hintersten Backenzähne bleiben können, hängt von Lage, Form und Kiefergrösse ab. Haben die Weisheitszähne genügend Raum und fügen sich sauber in die Zahnreihe ein, besteht kein Grund zur Eile. Das bestätigt Privatdozent Dr. Frank Peter Strietzel von der Charité Universitätsmedizin Berlin: „Das pauschale Ziehen aller Weisheitszähne ist überholt. Viele können ein Leben lang im Mund verbleiben, wenn sie, wie alle anderen Zähne auch, regelmässig kontrolliert werden und keine Beschwerden verursachen.“

Wann ein Eingriff sinnvoll ist

Kritisch wird es bei Platzmangel, Karies, schiefem Wachstum oder wiederkehrenden Entzündungen. Bricht ein Weisheitszahn nur teilweise durch, können sich unter dem Zahnfleisch leicht Bakterien sammeln, warnt die zahnärztliche Initiative proDente e.V.. Schwellungen, Druck und pochende Schmerzen bis ins Ohr sind dann keine Seltenheit. Als guter Zeitpunkt, um die Weisheitszähne zu entfernen, gilt das Alter vor 25 Jahren, solange die Wurzeln noch nicht voll ausgebildet sind. Der Eingriff verläuft dann einfacher, die Wunde heilt schneller, das Komplikationsrisiko ist geringer.
Moderne Diagnostik hat sich durch neue Verfahren verändert. Dreidimensionale Röntgenaufnahmen zeigen genau, wo Nerven und Gefässe verlaufen, und ermöglichen minimalinvasive Eingriffe mit kleineren Wunden, die schneller heilen.

Ein zweites Leben für den Zahn

Zudem besteht heute die Chance für eine Art Zahn-Recycling: So kann ein gesunder Weisheitszahn eine Lücke an anderer Stelle schliessen. Bei dieser sogenannten autogenen Transplantation erkennt der Körper den eigenen Zahn als körpereigen und stösst ihn nur selten ab. Biologischer, körpereigener Zahnersatz also, der das Knochenwachstum anregt und Abstossungsreaktionen ausschliesst. Bei Jugendlichen überlebt der verpflanzte Zahn nach fünf Jahren in rund 90 Prozent der Fälle.

Ob ein Weisheitszahn bleibt oder weicht, klärt sich also im Einzelfall. Neben Zahnärzten sind Kieferchirurgen und Kieferorthopäden wichtige Ansprechpartner.

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