Baikonur, wo der sowjetische Traum vom Weltall vor sich hinrottet

Betreten strengstens verboten! Doch immer wieder gelangen Bilder des Buran-Shuttles 1.02 an die Öffentlichkeit

Quelle: Constantine Vladimirovich / Shutterstock.com

Nach mehr als vier Jahrzehnten des Kalten Krieges musste die Sowjetunion Anfang der 90er-Jahre kapitulieren. Das technologische Wettrennen mit dem Westen hatte einen grossen Teil dazu beigetragen, dass der Ostblock letztendlich finanziell zerbrach. Ein Überbleibsel dieser Entwicklung steht bis heute in der kasachischen Steppe.

Es gibt nicht viele Gründe, Baikonur zu besuchen. Dennoch ist die kasachische Kleinstadt weltbekannt. Der Grund dafür ist das gleichnamige Kosmodrom, das sich gut 20 Kilometer entfernt befindet. Von hier aus startete im Juni Alexander Gerst zu seiner Mission zur Internationalen Raumstation ISS. Und auch der erste Flug eines Menschen ins Weltall ist unweigerlich mit dem dortigen Weltraumbahnhof verbunden. Am 12. April 1961 betrat Juri Gagarin in Baikonur die Raumkapsel, mit der er in den folgenden Minuten die Erde rumrundete. Der „Wettlauf ins All“ sollte 1969 dem US-Amerikaner Neil Armstrong die ersten Schritte auf dem Mond ermöglichen – und den Kalten Krieg bis zum Ende massgeblich prägen.

Die US-Mondlandung war für die Sowjets ein schwerer Schlag. Das Kräfteverhältnis in der Raumfahrt hatte sich zu Gunsten der Amerikaner verschoben. Deutlich wurde dies mit der Präsentation des ersten Space Shuttles in den 1970er-Jahren. Die kommunistische Führung musste reagieren und stampfte das teuerste Raumfahrtprogramm der Geschichte des Landes aus dem Boden: Buran. Die erzielten Resultate konnten das Blatt aber nicht mehr wenden – vielmehr rotten die Raumfähren und alle dazugehörigen Entwicklungsanlagen bis heute in einem Hangar bei Baikonur vor sich hin und locken Lost-Place-Jäger an.

Viel Aufwand, wenig Ertrag

Von 1976 an waren zehntausende Menschen an dem Projekt beteiligt, zu mehr als einem unbemannten Test Ende der 1980er reichte es allerdings nie – und das, obwohl sich die Shuttles äusserlich wie technisch weitestgehend ähnelten. Der Zusammenbruch der Sowjetunion war gleichbedeutend mit dem Ende der Buran-Forschung. Doch erst 1993 zog der damalige russische Präsident Boris Jelzin den offiziellen Schlussstrich.

Seitdem sind die Hangars und ihr Inhalt den harten Bedingungen in der kasachischen Steppe ausgesetzt. Mit Folgen! Das Gebäude, in dem das Shuttle Buran 1.01 geparkt war, kollabierte 2002. Übrig – und für Abenteurer deshalb noch interessanter – bleibt der Hangar, in dem sich Buran 1.02 und ein Prototyp befinden. Offiziell gilt für die gesamte Anlage: Betreten verboten. Ob das nun vorrangig mit Sicherheitsbedenken zu tun hat, oder doch der Tatsache geschuldet ist, dass Russland einen der grössten technologischen Fehlschläge seiner Geschichte nicht auf dem Silbertablett servieren will, sei dahingestellt.

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