„The Taste“-Coach Tim Raue: Das kann er in der Küche gar nicht leiden

Er stellt sich der Herausforderung von

Quelle: © SAT.1 / Benedikt Müller

Sternekoch Tim Raue ist der neue „The Taste“-Coach. Was ihm an der Sat.1-Kochshow am besten gefällt, was er in der Küche nicht gelten lässt und mit welchem Juror es die meisten Reibereien gibt, erzählt er im Interview.

Tim Raue (45) sitzt neben Frank Rosin (53), Alexander Herrmann (48) und Maria Gross (40) in der diesjährigen Jury von „The Taste“ (ab Mittwoch, 2. Oktober 2019, 20:15 Uhr auf Sat.1). Was dem Sternekoch bei seiner Aufgabe am meisten Spass macht, mit welchem Jury-Kollegen es „lautstärker“ werden kann und was er in der Küche überhaupt nicht leiden kann, verrät er im Interview.

Sie müssen keinem mehr beweisen, dass Sie ein Spitzenkoch sind. Warum nehmen Sie die Herausforderung von „The Taste“ an?

Tim Raue: Mir gefällt dabei, dass ich ein Mentor bin. Das macht mir tatsächlich noch mehr Spass, als ich geglaubt hätte, weil ich nicht nur mit Profi- sondern mit Hobbyköchen zu tun habe. Die sind in ihren Gedankenwelten völlig frei und nicht so eingeschränkt, wie jemand, der den Beruf gelernt hat.

Also können selbst Sie noch etwas dazulernen?

Raue: Auf jeden Fall. Ich konnte Geschmackskompositionen etwas abgewinnen, die ich mir noch nicht einmal in Alpträumen vorgestellt hätte. Was die Kreation an sich angeht, mische ich mich nicht ein. Wenn jemand Sauerkraut, Schokolade und Muscheln verbinden möchte, dann werde ich ihm nicht erzählen, dass ich das blöd finde.

Wie sieht für Sie dann ein perfekter Löffel aus?

Raue: Für mich sind die Zutaten immer sekundär. Ich bin ein absoluter Aromenkoch. Süsse, Säure und Schärfe müssen auf dem Löffel sein, damit Spass am Gaumen entsteht.

Sie kämpfen gegen drei andere Coaches. Vor wem haben Sie denn am meisten Angst?

Raue: Angst habe ich nie, vor allen Dingen, wenn es ums Kochen geht. Ich bin jemand, der extrem ehrgeizig ist und immer gewinnen möchte. Jeder hat seine Stärken und Schwächen in der Jury: Maria Gross ist sehr emotional, Alexander Herrmann ist sehr dezidiert und Frank Rosin kocht aus dem Bauch heraus.

Mit welchem Juror gibt es die meisten Reibereien?

Raue: Ich habe mit allen Auseinandersetzungen, wenn ich nicht ihrer Meinung bin. Mit Frank Rosin ist das etwas lautstärker, mit Maria Gross teilweise hitzig und mit Alexander Herrmann eher ein stiller Wettkampf, wo es darum geht, wer eine Haaresbreite weiter vorne liegt. Das Fiese bei „The Taste“ ist, dass die Gastjuroren noch einmal eine ganz andere Geschmacksvorstellung haben.

Von welchem Coach würden Sie sich am ehesten bekochen lassen?

Raue: Seit der Zusammenarbeit wollte ich gerne in die Restaurants von Frank Rosin und Alexander Herrmann. Letzterer hat mich damit gelockt, dass ich zu den Bayreuther Festspielen konnte und bei ihm übernachten und essen durfte. Es war grandios und schwer beeindruckend.

Sie sind sehr ehrgeizig. Was bringt Sie in der Küche schnell auf 180?

Raue: Für mich sind Ordnung und Disziplin entscheidend, sonst kommt man schnell ins Schwimmen. In der Küche gibt es keine zwei Meinungen. Es gibt einen Chef oder Chefin, die klar vorgibt, wo es langgeht. In dieser Staffel ist bei jedem der vier Juroren eindeutig zu sehen, wie sie es finden, wenn das einmal nicht so ist (lacht).

Und wie kommen Sie abseits der stressigen Arbeit zur Ruhe?

Raue: Ich gehe abends mit dem Hund im Park spazieren oder höre eine Meditations-App. Ich habe lange gebraucht, bis ich begriffen habe, wann ich mir Zeit für mich gönne. Ich bin jemand, der immer Vollgas gibt und bin damit auch immer wieder auf den Boden gefallen.

Sie haben vor kurzem mit Günther Jauch ein neues Restaurant in der Villa Kellermann in Potsdam eröffnet, in dem Sie auf gutbürgerliche Küche setzen. Wieso?

Raue: In meinem Hauptrestaurant ist die Küche asiatisch geprägt. Ich bin Berliner und wollte noch ein Restaurant haben, in der ich die Gerichte meiner Heimat und meiner Grossmutter wenig verfälscht zeigen kann. Die Königsberger Klopse sehen immer noch aus wie Königsberger Klopse, aber ich bringe noch mehr Aromenwelten mit ein und entschlacke das Ganze mit hochwertigen Zutaten.

Ihre berühmtberüchtigten Königsberger Klopse durfte vor ein paar Jahren auch schon Barack Obama geniessen. Wie war das für Sie?

Raue: Für das Staatsbankett zu kochen, hat uns zum Durchbruch verholfen. Die Obamas meinten damals, dass es für sie das leckerste war, was sie jemals bei einem Staatsbankett hatten. Das hat uns ein grosses Lächeln ins Gesicht gezaubert.