Megxit-Drama könnte der Anfang vom Ende der Monarchie sein

Prinz Harry und Herzogin Meghan haben sich nach Kanada zurückgezogen

Quelle: imago images/PPE

Was bedeutet der Rückzug von Prinz Harry und Herzogin Meghan für die Monarchie? Royal-Expertin Sophia Money-Coutts fürchtet, „dass wir gerade Zeuge eines Verfalls der königlichen Familie geworden sind“.

Hat der Rückzug von Prinz Harry (35) und Herzogin Meghan (38) schwerwiegende Konsequenzen für die britische Monarchie? „Wie viele Briten verstehe ich zwar absolut, warum Harry und Meghan das getan haben und habe Mitgefühl dafür, was sie durchgemacht haben“, erklärt Royal-Expertin Sophia Money-Coutts im Interview mit spot on news. „Aber ich bin auch traurig und fürchte, dass wir gerade Zeuge eines Verfalls der königlichen Familie geworden sind“, fügt die Tochter eines englischen Barons hinzu, deren erster Roman „Kann ich jetzt bitte mein Herz zurückhaben?“ (Penguin) gerade in Deutschland erschienen ist.

Weiter sagt Money-Coutts über den Megxit: „1867 schrieb der britische Schriftsteller Walter Bagehot den berühmten Satz über die königliche Familie: ‚Wir dürfen kein Tageslicht an die Magie heranlassen.‘ Er meinte damit, dass die königliche Familie geheimnisvoll bleiben muss, dass ihre Existenz davon abhängt, dass sie über geschmacklosen Konflikten oder Schismen steht. Und doch hat dieses jüngste Drama die britische Monarchie in einem sehr wichtigen Moment geschwächt.“

Es sei „beinahe frevlerisch, über die Zukunft nach der Queen zu sprechen“, so die britische Adelsexpertin, „aber da die Generationen unter ihr so widersprüchlich und viel weniger stabil aussehen, befürchte ich, dass Historiker zurückblicken könnten und sagen, dass die Dramen vom Januar 2020 den Beginn des Endes markiert haben“.

Das wäre zu kleinlich gewesen

Und wie haben wohl die Reaktionen von Queen Elizabeth II. (93), Prinz Charles (71) und Prinz William (37) ausgesehen, als Harry und Meghan ihren Rückzug ankündigten? „Soweit ich weiss, sind alle einfach sehr traurig“, sagt Sophia Money-Coutts. „Man muss bedenken, dass sie nicht nur die Königsfamilie sind, sondern auch eine Familie wie Ihre und meine. Und stellen Sie sich vor, Ihr Enkel oder Sohn oder Bruder hätte gerade angekündigt, dass er nicht mehr mit dem Rest von Ihnen fertig wird und dass er mit seiner Frau und seinem kleinen Sohn in ein anderes Land geht. Ich verstehe wirklich vollkommen, warum sie sich entschieden haben, nach Kanada zu gehen, aber genauso fühle ich mit denen, die zu Hause allein gelassen werden.“

Die Debatte um die Titel der Sussexes werde eine Weile andauern, glaubt die Autorin. „Die Queen wollte Harry und Meghan angeblich nicht nur die Titel ‚Königliche Hoheit‘ entziehen, sondern auch das Herzogtum und sie zum Grafen und Gräfin von Dumbarton degradieren. Dies hätte sie auf das gleiche Niveau gebracht wie Harrys Onkel, Prinz Edward. Die Hierarchie der britischen Titel ist eine dieser verrückten vornehmen Sachen – die Herzöge sind die Besten, ein Graf liegt darunter und ist deshalb weniger prestigeträchtig. Glücklicherweise wurde entschieden, dass dies zu kleinlich gewesen wäre, und so bleiben sie vorerst der Herzog und die Herzogin von Sussex.“

Wie sieht die Zukunft für Harry und Meghan aus?

Ob das finanziell unabhängige Leben, wie es sich Harry und Meghan vorstellen, funktioniere, müsse man abwarten. „Ich denke, es könnte einige Kinderkrankheiten geben, die beseitigt werden müssen, wenn sich die Sussexes in ihrem neuen Leben einrichten. Ich glaube auch nicht, dass ein Umzug nach Kanada bedeutet, dass die Presse ihnen das Leben leichter machen wird. Wenn überhaupt haben sie etwas von ihrem Schutz verloren, als sie sich entschlossen, nicht länger offizielle Mitglieder der königlichen Familie zu sein.“

„Ich bewundere Meghan und wofür sie in vielerlei Hinsicht steht“, antwortet Money-Coutts auf die Frage, ob Prinz Harrys Frau nicht in die königliche Familie passt, „aber soweit ich das beurteilen kann, stiess sie eindeutig auf Schwierigkeiten innerhalb der königlichen Familie und bei bestimmten Mitgliedern in dieser. Diese Beziehung wurde immer schwieriger zu managen. Ich denke, sie wäre eine fantastische Bereicherung der ersten Reihe der Royals gewesen. Ich erinnere mich an die fröhlichen, lächelnden Bilder von William und Kate, Harry und Meghan in Sandringham Weihnachten 2018. Sie wurden als ‚Fab Four‘ bezeichnet und die Zukunft sah rosig aus. Aber im Laufe der Zeit machte die Rolle sie eindeutig unglücklich und ich verstehe total, dass sie und Harry das ändern mussten“.

Für die Zukunft der Sussexes hofft Sophia Money-Coutts, „dass ihre Entscheidung ihnen mehr Glück bringt, aber ich denke nicht, dass die nächsten Jahre, in denen sie versuchen, eine neue Rolle zu finden, für sie so einfach werden. In Grossbritannien ist ihre Entscheidung mit grossen Emotionen verbunden und sie sind zu so kontroversen Persönlichkeiten geworden, sodass ich nicht sicher bin, ob es ein sanfter Ritt werden wird“.

Das ist Sophia Money-Coutts

Sophia Money-Coutts ist Tochter eines englischen Barons. Ihre Familie führt die englische Privatbank „Coutts“, in der unter anderem die Queen ihr Geld anlegt. Die Royal- und Promi-Redakteurin arbeitete schon für den „Evening Standard“, die „Daily Mail“ und das Magazin „Tatler“, was auch ihren ersten Roman „Kann ich jetzt bitte mein Herz zurückhaben?“ beeinflusst hat – die Heldin der Geschichte, Polly Spencer, arbeitet für das „Posh!“-Magazin.

Und wie viel Realität steckt im Buch? „Ein kleines Bisschen“, sagt sie. „Ich habe fünf Jahre für das Magazin ‚Tatler‘ gearbeitet, und es waren einige der glücklichsten Jahre meines Berufslebens. Aber es war verrückt. An einem Tag habe ich den Elefantenpolo-Champion aus Schottland interviewt (eine wahre Geschichte, er ist der Herzog von Argyll), an einem anderen Tag wurde ich auf die Bahamas geschickt, um Prinz Charles‘ Patentochter zu interviewen. Und für eine weitere Geschichte wurde ich zu einer exklusiven Fetischnacht nach London geschickt, die Einfluss auf eine ganz bestimmte Szene in dem Roman hatte…“

Ihr Buch sei „eine sehr britische Liebesgeschichte mit exzentrischen Aristokraten, einem grossen Schloss, mehreren Hunden, einem gutaussehenden Playboy und meiner sehr chaotischen, aber wundervollen Heldin Polly, die für ein Klatschmagazin arbeitet“, erklärt die Autorin. „Ich weiss nicht, ob ‚Fleabag‘ in Deutschland so beliebt war wie in Grossbritannien – aber ich denke, ‚Kann ich jetzt bitte mein Herz zurückhaben?‘ ist eine Kombination aus ‚Downton Abbey‘ und ‚Fleabag‘: urkomische, vornehme Leute und lustiger Sex. Glaube ich jedenfalls!“