Zweite Staffel „Surviving R. Kelly“: Neuer Vorwurf von seinem Bruder

R. Kelly sitzt seit 2019 im Gefängnis

Quelle: Jamie Lamor Thompson/Shutterstock

Die Dokuserie „Surviving R. Kelly“ geht in den USA in die zweite Runde. In den neuen Folgen erhebt sein Bruder Carey neue Vorwürfe, auch weitere Opfer kommen zu Wort.

„Surviving R. Kelly“ hat Anfang des Jahres 2019 für mächtig Wirbel gesorgt. In der Dokuserie haben zahlreiche Frauen schwere Vorwürfe gegen den R&B-Sänger erhoben. Die TV-Sendung wird als Auslöser für die Anklagen wegen sexuellen Missbrauchs angesehen, denen sich R. Kelly (52) dieses Jahr in den USA stellen muss. Der 52-Jährige sitzt seit 2019 hinter Gittern. In den USA sind nun neue Folgen der Dokuserie angelaufen. In „Surviving R. Kelly Part II: The Reckoning“ kommen etwa neue vermeintliche Opfer Kellys zu Wort und Carey Kelly behauptet, sein berühmter Bruder wollte ihn bestechen.

An der ersten Staffel wollten sich über 50 Personen beteiligen, für die zweite Staffel seien es über 70 gewesen, wie „The Hollywood Reporter“ berichtet. Sieben vermeintliche Opfer Kellys haben sich für die ersten Folgen interviewen lassen, nun sind es zehn Frauen. Die Produzenten Brie Miranda Bryant und Jesse Daniels erzählen im Interview mit „The Hollywood Reporter“, dass sie zunächst keine weiteren Folgen der Dokuserie drehen wollten, dann jedoch festgestellt hätten, dass sie eine gewisse „Verantwortung“ haben. Mit der neuen Staffel wollen sie tiefer in einige Bereiche eintauchen.

„Es ist es nicht wert, dass ich meine Seele verkaufe“

Wie bereits bei Staffel eins haben erneut zwei Brüder des Sängers, Bruce und Carey Kelly, an der Serie mitgewirkt. Carey Kelly schildert Medienberichten zufolge etwa in „Surviving R. Kelly Part II: The Reckoning“, dass ihn sein berühmter Bruder einst dazu bewegen wollte, „ein Verbrechen zuzugeben, mit dem ich nichts zu tun hatte“. R. Kelly soll zu ihm gesagt haben: „Ich kaufe dir ein Auto, ich besorge dir einen Plattenvertrag, ich gebe dir 50.000 Dollar.“

Dabei sei es um ein Sextape aus dem Jahr 2002 gegangen, in dem R. Kelly angeblich beim Geschlechtsverkehr mit einer Minderjährigen zu sehen ist. 2008 stand der deswegen vor Gericht. Der Sänger wurde damals freigesprochen, da sich die Geschworenen nicht darüber einig waren, ob das Mädchen in dem Video wirklich minderjährig war.

Carey Kelly sollte behaupten, dass er der Mann in dem Video sei. Doch er machte seinem Bruder einen Strich durch die Rechnung. Er habe ihm gesagt, dass er für kein Geld der Welt behaupten würde, dass er in dem Video zu sehen sei. „Es ist es nicht wert, dass ich meine Seele verkaufe“, so Carey Kelly.

Aaliyah als „Opferlamm“?

In „Surviving R. Kelly Part II: The Reckoning“ spricht zudem unter anderem Tiffany Hawkins. Sie erzählt US-Medienberichten zufolge, sie sei 15 Jahre alt gewesen, als sie den Sänger kennenlernte. Sie habe auf seine Bitte hin auch ihre jungen Freunde mit R. Kelly zusammengebracht und mit ihm eine sexuelle Beziehung geführt, obwohl sie ihn nicht attraktiv gefunden habe. Das habe sie machen müssen, da sie gewusst habe, es würde ihn zufriedenstellen, damit sie weiter in seinem Umfeld bleiben dürfe, so Hawkins.

Die damals aufstrebende Sängerin reichte im Jahr 1996 Klage gegen R. Kelly sowie seine Platten-, Verlags- und Managementfirma ein. Sie behauptete darin, sie habe durch die angebliche Beziehung zu dem Sänger, die geendet haben soll als sie 18 Jahre alt war, „Verletzungen und emotionale Schäden“ davon getragen. Der Fall wurde schliesslich aussergerichtlich beigelegt.

Ausserdem kommt Musikproduzent und Unternehmer Damon Dash (48) zu Wort. Er äussert sich US-Medienberichten zufolge über die annullierte Ehe von R. Kelly und der verstorbenen Sängerin Aaliyah (1979-2001). Die beiden heirateten 1994, als Aaliyah gerade mal 15 Jahre alt war. Damon Dash behauptet, die Sängerin wollte nach der kurzen Ehe nichts mehr mit R. Kelly zu tun haben. Sie sei „einfach nur froh gewesen, von ihm weg zu sein“, so Dash. R. Kelly habe laut Dash Aaliyah als „Opferlamm“ benutzt, um seine sexuellen Neigungen zu vertuschen und klagt an, warum durch diese Ehe nichts ins Rollen gebracht wurde.

Fürsprecher für R. Kelly gibt es noch

Doch nicht nur neue Vorwürfe werden aufgegriffen und vermeintliche neue Opfer kommen zu Wort. Als Fürsprecherin für den gefallenen Sänger tritt Lindsey Perryman-Dunn an. Sie hat von 1999 bis 2007 für R. Kelly gearbeitet. Sie sei seine Studiomanagerin, persönliche Assistentin und dann Geschäftsführerin gewesen. Perryman-Dunn erklärt in den neuen Folgen, sie habe den Sänger niemals etwas Unangemessenes tun sehen. Sie dreht den Spiess gar um und sagt, seine vermeintlichen Opfer seien bloss „verärgert“. Sie seien schliesslich erst ins Rampenlicht gekommen, als sie im Fernsehen zu sehen waren.

In einem Statement, das CNN vorliegt, erklärte Steve Greenberg, Kellys Anwalt, dass sich der Sänger und sein Team derzeit auf die Gerichtsverfahren konzentrieren und sie hoffen, dass durch diese „die Wahrheit ans Licht kommt“. Greenberg wirft der Dokuserie vor, sie besitze keinerlei Glaubwürdigkeit, sei gewinnorientiert, einseitig und nur auf Propaganda ausgelegt. Es handele sich um „eine Reihe von Behauptungen auf einer eigenen Insel“.

Der Sänger streitet alle Vorwürfe ab und plädiert in den Gerichtsverfahren, denen er sich im April und Mai 2020 in den USA stellen muss, auf „nicht schuldig“.