Caroline Müllner zum Thema Angstfrei durch Hypnose

Caroline Müllner: Angstfrei durch Hypnose

Das Thema Angst beschäftigt fast jeden von uns. Gerne würden wir unser Leben verändern, Altes loslassen und Neues beginnen. Oft hält uns aber unsere Angst vor diesem Schritt zurück. Aber was ist Angst ganz genau? Und was können wir tun, um unsere Ängste zu überwinden? Das TREND MAGAZIN hat sich mit der Hypnosetherapeutin Caroline Müllner über die Themen Angst und Hypnose unterhalten.

Caroline, du bist als Hypnosetherapeutin tätig und behandelst Menschen unter anderem, um ihre Ängste oder Blockaden zu lösen. Was bedeutet Angst genau? Und warum leiden wir darunter?
Angst ist ein Grundgefühl, das sich in ganz verschiedenen Formen zeigt. Etwa in Versagensängsten, fehlendem Selbstvertrauen oder einem geringen Selbstwertgefühl. Angst entsteht immer dann, wenn wir der Meinung sind, dass die neue Situation gefährlich ist und wir nicht die Fähigkeiten besitzen, diese zu meistern. Dabei ist es unter Umständen objektiv betrachtet gar nicht einmal so, dass die Situation wirklich gefährlich ist oder wir die Fähigkeit tatsächlich nicht haben. Stark ausgeprägt sind solche Ängste, wenn man diesbezüglich negative Erfahrungen in der Kindheit gemacht hat, beispielsweise, wenn Erwachsene oder Gleichaltrige einem bewusst oder unbewusst konstant vermittelt haben, dass man irgendwelche Fehler oder Schwächen hat. Diese Wahrnehmungen werden im Unterbewusstsein gespeichert und manifestieren sich in Meinungen wie „Ich bin unfähig“ oder „Ich schaffe das nie“. Diese Glaubenssätze sind einem meist nicht bewusst. Sie steuern einen aber tagtäglich im Denken, Fühlen und Handeln und sind der Grund dafür, dass manche nicht mutig neue Wege gehen können, obwohl sie eigentlich die besten Voraussetzungen dazu hätten.

Wie kann ich mir eine Hypnose vorstellen?
In der Hypnose liegt man wach mit geschlossen Augen hochkonzentriert auf einer Liege oder einem Sessel und richtet seine Aufmerksamkeit nach innen. Erreicht wird dieser Zustand durch eine spezifische Sprechweise des Hypnosetherapeuten, die es dem Klienten erlaubt, sich körperlich und geistig zu entspannen. Die Hinführung in den Trancezustand dauert je nach Klient zwischen 15 und 20 Minuten. Er ermöglicht es, dass das Bewusstsein des Hypnotisierten in den Hintergrund rückt und man damit Zugang zu Bereichen seines Unterbewusstseins erhält, in denen viele Erfahrungen, Emotionen, Meinungen und Glaubenssätze gespeichert sind. In diesem Zustand kann sich der Klient an Situationen, Gefühle und Wahrnehmungen selbst aus der frühesten Kindheit erinnern. So können blockierende, kindliche Glaubenssätze aufgedeckt und richtiggestellt werden, indem sie durch neue, der Wirklichkeit angepasste positive Suggestionen ersetzt werden.

Ich habe schon gehört, dass man Hypnose auch ganz natürlich im Alltag erlebt, ohne sich in einen bestimmten Zustand zu versetzen. Stimmt das? Und wie passiert das?
Ja, das stimmt. Der Unterschied zwischen einem hypnotischen Zustand und einem Wachzustand während des Tages liegt eigentlich nur in der Gehirnwellenaktivität. In Hypnose produziert unser Gehirn vorwiegend Alpha-Wellen. Diese Hirnaktivität mit 14-8 Hertz pro Sekunde kann man auch kurz vor dem Einschlafen am Abend oder kurz nach dem Aufwachen am Morgen messen, sowie bei langen Autofahrten, beim Fernsehen oder beim Lesen eines Buches, wenn man von der Geschichte so gefesselt ist, dass man nichts um sich herum mitbekommt. Mental gesehen befinden wir uns dann in einer anderen Aufmerksamkeitsebene, die nach innen anstatt nach aussen gerichtet ist.

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Caroline Müllner ist Diplom-Kauffrau (Univ.) und Hypnosetherapeutin. Als Geschäftsführerin des new spirit Instituts berät und coacht sie Menschen in den Bereichen Vermarktung, Führung und Selbstmanagement. new-spirit.ch


Wie erkenne ich überhaupt, dass es die Angst ist, die mich in meinen Vorhaben blockiert?

Meist erschliesst sich der Ursprung der Blockade erst in der Hypnose, denn die hemmenden Meinungen und Glaubenssätze sind dem Klienten in der Regel ja nicht bewusst. Bevor eine Hypnose durchgeführt wird, findet daher ein detailliertes Anamnesegespräch statt, wo wichtige Fragen etwa über die Kindheit und die Familiensituation besprochen oder einschneidende Erlebnisse diskutiert werden. Der Therapeut erhält dadurch bereits erste Anhaltspunkte für Verhaltensweisen und Glaubenssätze, die den Klienten beeinträchtigen könnten und die man in der therapeutischen Hypnose angehen möchte.

Hast du selber schon mal deine Ängste mit Hypnose therapiert? Wenn ja, wie hast du das erlebt oder wie hat sich dein Leben durch Hypnose verändert?
Meine erste Erfahrung hatte ich mit Höhenangst, die ich immer erlebt habe, wenn ich mit mir nahestehenden Menschen in den Bergen war. In nur einer Sitzung konnte mir diese wegtherapiert werden und ich kann nun wieder problemlos über Hängebrücken gehen oder über Felsvorsprünge schauen. Der Ursprung der Höhenangst basierte auf einer Erfahrung als Kind, aus der ich geschlossen hatte, stets für meinen grösseren Bruder verantwortlich sein zu müssen. Dieses grosse Verantwortungsgefühl hat sich dann unter anderem in der Höhenangst manifestiert. Als wir diese Last von meiner Schulter genommen haben, hat sich die Höhenangst aufgelöst und mein Leben fühlt sich seitdem insgesamt wesentlich leichter an.

Muss man Angst vor dem Zustand der Hypnose haben? Ist es zum Beispiel möglich, dass man Dinge sagt oder tut, die eigentlich zu intim sind? Und kann man sich daran erinnern, was man unter Hypnose gesagt oder getan hat?
Es besteht überhaupt keinen Grund zur Sorge. Man kann einen Menschen nie gegen seinen Willen hypnotisieren. Die Hypnose funktioniert nur, wenn der Klient es wirklich will, denn nur so kann er auch loslassen. Und Loslassen bedeutet nicht gleich Kontrollverlust. Der Mensch verfügt auch in der Trance über einen Selbstschutz. Er wird nie Dinge tun, die gegen seine Natur sind oder gegen seine ethisch-moralischen Grundsätze verstossen. Man erinnert sich während und nach der Hypnose auch an alles, was man gesagt und erfahren hat. Nur bei sehr schwerwiegenden Traumata kann es sein, dass die Erinnerung erst in einzelnen Stücken und etwas langsamer wieder zum Vorschein kommt.

Wie fühlt es sich an, hypnotisiert zu sein? Kannst du dieses Gefühl beschreiben?
Ich selbst empfinde mich in der Hypnose als extrem geerdet und regelrecht schwer in die Kissen gedrückt. Andere wiederum fühlen sich ganz leicht, wieder andere sagen mir, dass sie ihren Körper nicht mehr wahrgenommen hätten, sondern nur noch Gedanken da waren. Unabhängig davon, wie man den Hypnosezustand wahrgenommen hat, berichten meine Klienten alle, dass sie ihn als sehr angenehm empfunden haben.

Wenn man sich entscheidet, seine Angst mit Hypnose zu überwinden – wie viele Sitzungen braucht man da so ungefähr? Und gibt es begleitende Massnahmen, die die Hypnose unterstützen?
Hypnose ist meiner Meinung nach eines der effizientesten Mittel, um Ängste nachhaltig aufzulösen. In der Regel genügen bereits eine bis drei Sitzungen. Parallel dazu kann man aber zusätzlich Dinge tun, die einen aufbauen und das Selbstbewusstsein stärken, wie das Anlegen eines Tagebuches, in dem man seine Erfolge und Komplimente festhält, das körperliche Aufrichten in schwierigen, beängstigenden Situationen oder den bewussten Einsatz positiver Begriffe in der Alltagssprache und im Selbstgespräch.



ÖFFENTLICHE WORKSHOPS
MIT SELBSTHYPNOSE

Gefühle beeinflussen lernen
Donnerstag, 22.9.2016, 18:00 bis 21:00 Uhr

Persönliche Ziele leicht erreichen
Samstag, 01.10.2016, 9:30 bis 12:30 Uhr

Mit Stress und Druck positiv umgehen
Samstag, 15.10.2016, 9:30 bis 12:30 Uhr

Kosten: Fr. 130.–
Anmeldung:
caroline.muellner@new-spirit.ch
Info: www.new-spirit.ch