Iris Berben über Dieter Wedel: «Er machte mich fertig»

Iris Berben bei einer Veranstaltung

Quelle: imago/APress

Schauspielerin Iris Berben bezieht Stellung in der #MeToo-Debatte – und berichtet von ihrer Schikane durch Regisseur Dieter Wedel.

Schauspielerin Iris Berben (67, „Rosa Roth“) zollt den Frauen, die öffentlich Regisseur Dieter Wedel (75, „Der König von St. Pauli“) beschuldigt haben, in der aktuellen Ausgabe der Wochenzeitung „Die Zeit“ Respekt. Sie begrüsse es, dass hierzulande ein erster Beschuldigter genannt wurde. Sie warnt aber auch: „Was wir aber jetzt wirklich nicht brauchen können, ist eine hysterische, voyeuristische Debatte, die dann genauso schnell wieder verschwindet.“ Berben selbst berichtet von einer demütigenden Erfahrung mit Wedel.

„Er machte mich fertig“

Berben und Wedel arbeiteten Ende der 1970er Jahre zusammen an der TV-Serie „Halbzeit“. Berben erzählt in der „Zeit“, dass sie der Regisseur zum Essen eingeladen, sie diese Einladung aber ausgeschlagen habe. Er wollte mit ihr in einem Restaurant eine Rolle in einem grossen Film besprechen. „Ich antwortete ihm, das klinge alles sehr schön, und sehr gerne sei ich dabei. Ich hätte allerdings eine Bitte: Ob ich meinen Mann kurz anrufen könne, ‚der würde Sie so wahnsinnig gerne kennenlernen'“, erinnert sich Berben.

Daraufhin habe Wedel sich wegen des angeblichen Filmprojekts nie wieder gemeldet und sie am Set der aktuellen TV-Produktion eine Szene „sicher mehr als dreissigmal“ wiederholen lassen – und das obwohl ihr Text nur aus „Hallo“ bestanden habe. „Er machte mich fertig“, sagt Berben in der „Zeit“. „Wedel rächte sich, wenn jemand nicht bereit war, sein Spiel zu spielen.“ Er habe sie in Ruhe gelassen, nachdem sie damit gedroht hatte, den Vertrag zu beenden.

Beschwerdestelle einrichten?

Berben hofft im Zuge der #MeToo-Debatte auf eine nachhaltige Veränderung. Denn es handele sich „um Machtmissbrauch und darum, wie der in Zukunft möglichst verhindert werden kann“. Die heute 67-Jährige ist seit 2010 Präsidentin der Deutschen Filmakademie. Dort stehe die Überlegung im Raum, „eine Art Beschwerdestelle bei Filmproduktionen einzurichten, an die sich Betroffene vertrauensvoll wenden können“.

„Unter Anleitung von geschulten Psychologen“ soll zudem „eine Art von Arbeitsgruppe“ entstehen. Dort können Betroffene „von ihren Erlebnissen erzählen – und was sie nun damit machen wollen und können“. Das Bedürfnis sei gross. „Das Besondere ist: Es findet erst mal ohne Öffentlichkeit statt“, so Berben.

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