Streitpunkt Geld: So sollten Paare ihre Finanzen regeln

Das Thema Finanzen kann in Beziehungen schnell zum Streit führen.

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Ein lästiges, aber unumgängliches Thema in Beziehungen sind die Finanzen. Vor allem wenn Paare zusammenleben, sollten einige Punkte geregelt sein. Welche das sind erklärt Autor Michael Mary im Interview.

In vielen Beziehungen kommt es immer wieder zu Streit wegen Finanzen. Bei 39 Prozent aller Paare ist der Umgang mit Geld sogar das Streitthema Nummer eins, so das Ergebnis einer aktuellen Umfrage. Wie Paare ihre Finanzen regeln sollten, erklärt Autor Michael Mary im Interview mit der Nachrichtenagentur spot on news.

Thema Geld nicht totschweigen

Laut Mary muss es beim Thema Finanzen nicht gleich zum Streit zwischen den Partnern kommen – ganz im Gegenteil. „Der passende Umgang mit Geld festigt eine Paarbeziehung“, erklärt der Autor. Zu Streit komme es „immer dann, wenn die Partner stillschweigend davon ausgehen, ein Geldthema auf gleiche Weise zu meinen.“ Erst im Streit zeige sich dann, dass sie das Thema unterschiedlich aufgefasst hatten.

Mary verdeutlicht das an einem Beispiel: Der eine Partner gibt dem anderen 5.000 Euro zum Kauf eines Autos und fordert die Kosten einige Monate darauf zurück. Dabei stellt sich heraus: Das Geld war als geliehenes Geld gemeint, der Partner hatte es jedoch als Geschenk verstanden.

„Die Partner müssen ihren Umgang mit Geld finden. Leider meiden viele Paare das Thema, weil sie glauben, die Liebe zu beschädigen, wenn sie über Geld reden“, erklärt Mary die Problematik. Wichtig sei, Bedürfnisse und Erwartungen klar anzusprechen. Wie ein Paar letztendlich seine Finanzen regle, sei vom jeweiligen Paar abhängig. „Perfekte Strategien gibt es nur in der Theorie. In der Praxis treffen zwei Individuen aufeinander, also zwei Unterschiedliche, die eine individualisierte Beziehung führen. Grundsätzlich sollte diese Beziehung über den Umgang mit Geld bestimmen.“

Warum Geld nicht gleich Geld ist

In bestimmten Situationen sollten Paare Buch über ihre Finanzen führen. Mary unterscheidet zwischen „kühlem, warmem und heissem Geld in Beziehungen“. Gerade beim sogenannten kühlen Geld empfiehlt der Experte, Fakten zu schaffen – bis hin zur notariellen Beglaubigung. „Kühles Geld ist Geld, das in partnerschaftlichen Belangen zum Einsatz kommt. Die Miete, die Haushaltskosten, das Haus oder die Eigentumswohnung. Hier geht es um Leistungsausgleich und darüber muss mit kühlem Kopf verhandelt werden und es muss zu Verträgen – meist sogar notariellen Verträgen – kommen, sonst schaut einer irgendwann in die Röhre.“

Anders sieht es bei warmem Geld aus, das Mary auch als Freundesgeld bezeichnet. Darunter versteht er Kosten, die der eine Part aufnimmt, um dem anderen Gutes zu tun, beispielsweise indem er ihn in den Urlaub einlädt. „Hier geht es um Wohlwollen und teilhaben lassen, das Geld dient dem Glück und Wohlbefinden des anderen. Man trifft hier Abmachungen und setzt nie mehr Geld ein, als man im Verlustfall gut verkraften kann.“

Noch bedingungsloser sei das heisse Geld, bei dem es sich um Geschenke handele, erklärt Mary: „Für dieses Geld kann weder ein Leistungsausgleich noch ein Wohlwollen erwartet werden. Das Geld verdampft, es ist der Liebe geopfert.“ Für Präsente hat der Autor eine einfache Faustregel: „Man sollte nie mehr schenken als man verkraften kann.“ Geschenke dienten erst in zweiter Linie dem Wohl des Partners, in erster Linie drücke man damit seine Liebe zum Partner aus, erklärt Mary. „Man schenkt aus einem eigenen Bedürfnis heraus, nicht weil der Partner etwas braucht.“

Freundschaftlicher und geschäftlicher Umgang mit Geld

Sowohl bei Freundschaften als auch in Partnerschaften sollte Geld keinesfalls als Geschäft betrachtet werden, warnt Mary. Das Sprichwort „Bei Geld hört die Freundschaft auf“ hält er „in dieser Form für Unsinn“. Einem Freund oder dem Partner Geld zu leihen und dafür Zinsen zu verlangen, hält der Autor für den falschen Ansatz, weil das die freundschaftliche Ebene untergrabe: „Da wird ein Geschäft daraus, also ein Deal zwischen Fremden.“

Michael Mary ist TV-Paarberater und E-Learning-Kursleiter. Er gibt in seinem Buch „Die Liebe und das liebe Geld“ Tipps zum Umgang mit dem Geld in Partnerschaften.