Body Positivity: Eine inspirierende Bewegung wird erwachsen

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Quelle: Jacob Lund/shutterstock.com

Die „Body Positivity“-Bewegung plädiert seit Jahren für mehr Akzeptanz unterschiedlicher Körper. Vor allem die sozialen Medien verhelfen den Befürwortern zu Aufmerksamkeit. Ein Überblick über den Status Quo.

Das Stichwort „Body Positivity“ ist seit einiger Zeit zentrales Thema in der Gesellschaft. Die Bewegung steht für die Akzeptanz aller Menschen – unabhängig von körperlichen Fähigkeiten, Grösse, Geschlecht, Ethnizität oder Aussehen. Besonders in den sozialen Medien kämpfen „Body Positivist Activists“ gegen die gängigen Schönheitsideale – allein auf Instagram finden sich unter dem Hashtag #bodypositivity rund 5,5 Millionen Beiträge.

Schon im viktorianischen Zeitalter gab es „Body Positivity

Bereits Ende der 1960er gab es Initiativen wie „Health At Every Size“ (auf Deutsch: „Gesundheit in jeder Grösse“) und eine grössere Kampagne dagegen, dickere Körper als ungesund zu sehen. Allerdings begann das Movement eigentlich schon viel früher. „Body Positivity“ hat seine Anfänge in der ersten Welle des Feminismus in der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts. Eine Bewegung namens „Victorian Dress Reform Movement“ zielte darauf ab, der Verwendung von Korsetts für die damals modernen winzigen Taillen ein Ende zu setzen.

Spätestens seit der Geburt der sozialen Medien ist das Thema wieder in aller Munde. Frauen zeigen sich auf Facebook, Youtube, Instagram und Co. mit Speckröllchen, behaarten Beinen oder Cellulite. Aktivisten setzen sich gegen unrealistische Standards weiblicher Schönheit, wie glatter Haut und dünner Körper ein und inspirieren Frauen mit Mottos wie „Liebe deinen Körper“ oder „Jede Frau ist schön“, ihre Körper so zu lieben, wie sie sind.

So unterstützen Unternehmen die Bewegung

Auch in Werbung und Marketing wird „Body Positivity“ seit einiger Zeit immer mehr zum Thema. Viel öfter als noch vor wenigen Jahren zeigen Werbespots Frauen mit unterschiedlichen Körpertypen und Hautfarben, aber beispielsweise auch Pigmentstörungen, die noch vor Kurzem als Makel galten. 2016 veröffentlichte Mattel eine neue Linie diverser Barbies in verschiedenen Konfektionsgrössen und Hauttypen. Bis dahin hatte die Puppe jahrzehntelang einen unrealistischen Körperstandard für junge Frauen abgebildet.

Derzeit macht sich auch der Damenrasierer-Hersteller Gillette Venus mit seiner Kampagne „My Skin. My Way.“ für das Thema stark. Gemeinsam mit DKMS LIFE unterstützt das Unternehmen die „look good feel better“-Kosmetikseminare für Krebspatientinnen. Durch Spenden, u.a. für jeden verkauften Rasierer, soll so vielen Betroffenen wie möglich die Teilnahme an den Online-Seminaren ermöglicht werden. Das Programm soll Frauen dabei helfen, besser mit den äusserlichen Veränderungen durch ihre Krebserkrankung umzugehen und sich in ihrem Körper wohlzufühlen – ganz im Zeichen von Selbstliebe und „Body Positivity“.

Unterstützt wird DKMS LIFE von ihren Partnern sowie prominenten Vorbildern wie Angelina Kirsch (32), Palina Rojinski (35) und Stefanie Giesinger (24) – auch, weil diese oft selbst von überhöhten Ansprüchen an ihre Körper betroffen sind oder waren.

In der Modewelt gab es ebenfalls eine Veränderung: Immer öfter liefen in den letzten Jahren Curvy-Models über die Laufstege grosser Firmen, populäre Modemarken machten grosse Grössen zugänglicher und Models wie Ashley Graham (32) und Tess Holliday (35) zierten Magazincover von „Sports Illustrated“, „Vogue“ und „Elle“. Die Sängerin Lizzo (32) ist gerade eine wahre „Body Positivity“-Ikone und Selbstliebe-Aushängeschild für junge Mädchen. Auch in der Filmindustrie sind Protagonistinnen mit Übergewicht präsenter denn je und unterliegen seltener Stereotypen.

„Body Neutrality“ statt „Body Positivity“?

Reaktionen wie die auf Sängerin Adeles (32) Gewichtsverlust zeigen jedoch, dass die Akzeptanz aller Körper noch nicht vollkommen in der Gesellschaft angekommen ist. Ihre Figur stand seit Beginn ihrer Karriere im Fokus: Erst wurde sie für ihren Mut gelobt, sich als kurvige Frau in der Musikbranche zu zeigen, jetzt gibt es Anerkennung dafür, dass die Sängerin die vermeintliche Verwandlung vom „hässlichen Entlein“ zum „schönen Schwan“ geschafft hat. Bei aller Diskussion um Adeles Körper rückt ihre musikalische Leistung in den Hintergrund.

Dieses Problem beschreibt auch die Sozialpsychologin Anuschka Rees in der „Zeit“: „Body Positivity“ sei ein Schritt in die richtige Richtung, gehe aber nicht an die Wurzel des Problems. Rees plädiert statt für „Body Positivity“ für „Body Neutrality“. Ziel sei nicht, den eigenen Körper zu lieben oder jeden Pickel schön zu finden, sondern das eigene Selbstwertgefühl weniger an die äussere Erscheinung zu koppeln.

Das dürfte auch eine Botschaft sein, die die meisten Vorreiter, aber auch Fans der „Body Positivity“-Bewegung gutheissen dürften: Wichtig ist nicht, wie man aussieht, sondern was man tut und für welche Werte man sich einsetzt.